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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-02 · Heft 36 (2.9.1884) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 36 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
Seite 575 (sequence 11)
Language
German
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575 klärt der jüd. polnischen Zeitschrift „Jsraelita" (Jude) aufj folgende Weise: Nicht allerhöchster Befehl, sondern die 93er=; waltungen der jüdischen Gemeinden in Warschau und Lodz ordnen periodische Zählungen dieser Bevölkerung in diesen! Städten an, um die sogenannten Gemeindebeiträge regelmä-j ßig zu vertheilen. j — Die Zahl der Schüler mosaischen Bekenntnisses inj den Gymnasien und Progymnasien des Königreichs Polen! nimmt immer mehr zu. Im Jahre 1877 betrug die Zahl der Zöglinge in allen Gymnasien und Progymnasien im Ganzen 8778, worunter 1007 Juden waren oder 10° 0. Am 1. Januar 1884 zählte man 11586 Schüler und darunter 2726 Israeliten, was 20,8°/o ausmacht. Es ergiebt sich also, daß bei der allgemeinen Zunahme der Schülerzahl um 2,808 oder um 27%, die Zahl der jüdischen Schüler im Ganzen 200;o der Studirenden ausmachte, d. h. daß ihre Zahl fast um die Hälfte oder um 50°, 0 zugenommen. Der größte Zuwachs von Schülern mosaischen Bekenntnisies wurde in j Warschau bemerkt. So waren am 1. Januar d. I. im j V. Gymnasium 620 Schüler, darunter 160 Juden oder j 10,7%; von den 625 Zöglingen des II. Gymnasiums ge-1 hörten 268 oder 40% dem mosaischen Bekenntnisse an. Im I. Gymnasium überstieg sogar die Zahl der Juden die der Christen, da auf die allgemeine Zahl der Zöglinge 308, 201 oder 610/o der ersteren kamen. — Zur Verantwortung in der Affaire der Judenhetze in Nischny-Nowgorod wurden 100 Personen in 76 Gruppen gezogen. Die Verhandlung im Militärgerichte findet im Monat September d. I. statt. In der Synagoge in Jekaterinosilaw, wie auch in anderen Städten wurde am letzten Sonnabend in altjüdischer Sprache ein Dankgottesdienst für den Erzbischof von Nif chny- Nowgorod Makarij, in Anerkennung der Predigt, welche er anläßlich des Kunawin'schen Krawalls gehalten hat, celebrirt. Auch wurden von mehreren Gemeinden an ihm Danksagungs-Telegramme gerichtet. Wegen der schrecklichen Ereignisse und Beschränkungen der Juden in Rußland und Rumänien nimmt die Auswanderung täglich immer mehr zu, wie es jüngst aus Hamburg gemeldet wird, reisten 176 jüdische Familien, russische und j rumänische Verfolgte, worunter viele hochbetagte Kausleute! waren, nach Amerika und Australien ab. Etwa 45 russische j Juden sollen in der italienischen Colouie Assab am rothen Meere sich niedergelassen haben und beim Kohlenhandel beschäftigt sein. Auch 32 russische Flüchtlinge, welche von dem Londoner „Mansion House Comitö" nach Australien gesandt wurden, haben sich theils in Port Lyttleton und theils in Neuseeland niedergelassen und als Tagelöhner bei der Bergarbeit beschäftigen. Aus Turek reisten diese Woche 11 Juden, fast alle junge kräftige Menschen mit kleinem Vermögen nach Amerika ab. Moses Feinkind. Bonn, 24. August. (Notizen.) Tie türkische Regierung steht nicht ab, Israeliten zu den höchsten Staatsämtern zu berufen. So hat der Sultan jüngst Herrn Joseph Krieger Effendi zum politischen Direktor von Macedonien mit der Residenz Salonichi ernannt. — In Algier haben die letzten Tumulte auch zu mehreren Duellen zwischen Juden und Franzosen, namentlich Redakteuren von Hetzblättern geführt; in dem einen wurde der betr. Glaubensgenosse schwer verwundet, in dem anderen der Gegner eines solchen und das dritte auf Pistolen lief unblutig ab. Jeuilleion. Einige Erinnerungen an Dr. E-narL Lasker's Jugeu-jahre. Im Leben eines bedeutenden und verdienstvollen Mannes, der sich nach einer bestimmten Richtung in Charakter und Leistung ausgezeichnet hat, interessiren stets deffen Jugendjahre, und zwar weil man aus ihnen die Anlagen und die Entwickelung, den Bildungsgang des Betreffenden am ehesten zu erkennen vermag. Es ist deshalb recht lobenswerth, daß ein Jugendgenoffe Lasker's, Herr Joseph Gotthelf, Kaufmann in Hubertushütte, O.-S-, einige Erinnerungsblätter an „Dr. Eduard Lasker's Herkunft und Jugendjahre" in dem diesjährigen Liebermann'schen Kalender veröffentlicht hat. Wir übergehen hier, was derselbe über die Großeltern väterlicher und mütterlicher Seite mittheilt und geben hier theilweise wieder, was er über Lasker's Elternhaus, seine Erziehung und Jugendjahre zu sagen hat. Eduard Lasker's Elternhaus. Nicht das später erbaute große Gebäude unweit des Rathhauses suchen wir auf, sondern das niedliche, kleine Haus in der sogenannten Koschminer Straße in dem Städtchen Jorociu. In diesen häuslichen Räumen herrschte eine Beweglichkeit und Regsamkeit, ein Lausen und Rennen, ein Brummen und Summen wie in einem Bienenstock. Tiefer kleine Mann in dem langen Habit, der so geschäftig hin und her läuft, ordnet und besieht, — cs ist Reb Daniel Lasker — Sohn des genannten Reb Mordchele — ein Trigiual- Mensch in jeder Beziehung. — Sein Gehen war ein bloßes Schweben, all' sein Thun ging mit einer unvergleichlichen Raschheit vor sich, und die Geläufigkeit seiner Zunge war , beneideuswerth. 36*

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