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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-26 · Heft 35 (26.8.1884) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 35 (26.8.1884)
Date
1884-08-26
Page
Seite 560 (sequence 12)
Language
German
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560 voran gethan und wird gewiß bei späteren Auflagen diesem richtige Berständniß unsrer Zeit ist für unsre Jugend das Gegenstände immer mehr Sorgfalt zuwenden. Gerade das j höchste Bedürfniß. — Ieuilleton. (Korrespondenz. Breslau, im August. Es ist erfreulich, daß gegenwärtig vielfache Fragen über i die Hebung und Bessergestaltung des jüdischen Religions-! Unterrichtes lebhaft discutirt werden, da sich daraus mit der i Zeit eine bestimmtere Vorstellung über die Ziele und Methoden dieses Unterrichts bilden und das Mechanische und Geistlose : aus demselben nach und nach schwinden wird. Biel tragen hierzu die herangewachsenen Vereine jüdischer Lehrer in ihren jährlichen Versammlungen mit den daselbst gepflogenen Verhandlungen bei und man kann es deshalb der A. Z. d. I. zum Verdienste anrechnen, die Berichte über diese fleißig ihrem Leserkreise vorzulegen. Es werden dadurch nicht nur die Lehrer selbst angeregt und unterrichtet, sondern auch die Theilnahme des Publikums an diesen Fragen geweckt. Gestatten Sie mir daher, Einiges aus den Protokollen der diesjährigen sechsten Generalversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen", die soeben gedruckt erschienen, hervorzuheben, obgleich Sie einen allgemeinen Bericht darüber schon gegeben haben. Es gilt nur, einige interestante Fragen nochmals zu betonen. Ter vierte Punkt der Tagesordnung war ein Bortrag des Herrn Dr. Mattersdorf- Gleiwitz: „Methode des ersten hebräischen Unterrichts in der jüdischen Religionsschule." Daß der Unterricht im Hebräischen, so begann der Redner, einen integrirenden Theil des jüdischen Religionsunter- - richts zu bilden habe und Uebersetzen der Gebete und Bibel umfassen müsse, darüber herrsche wohl in den Kreisen der Lehrer völlige Uebereinstimmung, jedoch über die bei diesem Unterricht anzuwendende Methode gehen die Ansichten auseinander. Zwei Methoden hauptsächlich seien in Geltung, die des mechanischen Vor- und Nachübersetzens und die streng grammatische. Redner hält beide Methoden für ungeeignet beim ersten Unterricht; erstere sei zeitraubend und geisttötend daher ganz unbrauchbar für unsere Zeit, letztere setze allgemein sprachliche Kenntniste voraus, erfordere viel grammatische Hebungen und gewähre endlich für das praktische Bedürfniß des Verstehens der Gebete und der Bibel keinen unmittelbaren stutzen. Darum müsse sich der Lehrer eines Verfahrens bedienen, welches die beiden angeführten Methoden gewissermaßen in stch vereinige. Der Geist des Hebräischen, so führte der Redner weiter aus, weiche von dem der deutschen Muttersprache ab, indem jenes durch einzelne Buchstaben, durch Bor- und Nachsilben das ausdrücke, wozu die deutsche Sprache ganzer Wörter bedürfe. Aus diesem Grunde falle dem Kinde die Erlernung der hebräischen Sprache sehr schwer. Solle dieses ohne grammatische Borkenntnisse in das Berständniß der Sprache eingeführt werden, so müssen ihm die einzelnen Wörter eines zu übersetzenden Stückes in ihre Bestandtheile zerlegt, vorgeführt werden. Dies die einzig richtige Methode, welche bei Kindern von 7—10 Jahren anzuwenden sei. Für den Unterricht nach dieser Methode bedürfe das Kind besonderer Präparationsbücher. Ein solches sei für das erste Uebersetzen vorhanden unter dem Titel „Hebräischer Elementar - Unterricht, 1. Stufe von Dr. M. Marx. Gleiwitz bei Philipp Karfunkel." Für das Uebersetzen aus der Bibel : habe der Vortragende selbst ein Büchlein verfaßt unter dem Titel: „Neue Präparation zu einer Auswahl von Kapiteln aus dem 1. Buche Mosis." Dasselbe ist noch Manuscript. Die Bortheile der Methode seien leicht ersichtlich. Die Kinder gewöhnen sich, stets den ganzen Satz ins Auge zu fassen und zu übersetzen, sie lernen mit Berständniß und mit! Lust, sie werden für einen streng grammatischen Unterricht! gründlich vorbereitet. Das Gelernte sei sofort praktisch ver- > werthbar, das Unterrichten werde dem Lehrer leicht und ver-! Ursache keinen unnöthigen Zeitverlust. Noch sei für das - Uebersetzen aus der Bibel hervorzuheben, daß bei Anwendung ^des oben genannten Präparations-Büchleins den Kindern unbedenklich die ganze Bibel in die Hand gegeben werden könne, da dasselbe Alles vom Unterricht ausscheide, was aus irgend einem Grunde nicht zum Gegenstand desselben gemacht werden könne oder solle. Blumenfeld-Schweidnitz hält es nicht für rathsam, beim Pentateuch-Uebersetzen sich an die Aufeinanderfolge im Pentateuch zu halten, sondern räth zu einem stufenweisen Aufsteigen von leichten zu schweren Stücken, sowohl im Gebetbuch als im Pentateuch. Steiner-Gr. Strehlitz hat Bedenken gegen die allgemeine Anwendung der vom Redner vorgeschlagenen grammatischen Methode, besonders in den ersten Schuljahren, und hält hauptsächlich in Anbetracht des dadurch entstehenden Zeitgewinnes ein Bor- und Nachübersetzen für geeigneter. Tintner-Bunzlau erklärt sich entschieden gegen die vom Vorredner vorgeschlagene mechanische Lehrmethode. Di-. Jacobson-Schrimm ist für ein mechanisches Einlernen zu liturgischen Zwecken (bei Segenssprüchen); wo es sich dagegen um Erlernung der Sprache handle, stimme er mit dem Redner überein.

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