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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-26 · Heft 35 (26.8.1884) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 35 (26.8.1884)
Date
1884-08-26
Page
Seite 559 (sequence 11)
Language
German
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55V Stimmen auf der Linken. Immer noch? Bonn, 17. August. (Notizen.) Aus Berlin schreibt George Perin. Es giebt Juden, die in Rom sehr!man: „Wie wir soeben erfahren, hat Herr vr. Ludwig gut ausgenommen werden, wenn sie Geld bringen. Behrend aus Greifswald einen Ruf an Stelle des nach Bischof Freppel. Ich hoffe, daß sich in Frankreich nicht, Heidelberg berufenen Prof. Otto Gierte an die hiesige Uniwie im alten Rom, ein Spurius Caroilius Ruga finden wird, versität erhalten und angenommen." um einen Weg zu öffnen, der zur Auflösung der Familie Bonn, 12. August. (Literarische Notizen.) Herr und zum Verfall des Landes führen würde. (Lebhafte Zei- H. Liebermann in Brieg hat den 32. Jahrgang seines chen der Zustimmung auf der Rechten, neuer Widerspruch „Deutschen Volks-Kalenders für Israeliten" auf das Jahr auf der Linken.) Durch das Gesetz, welches Sie votiren werden, sprechen Sie die Scheidung zwischen der dritten Republik und der katholischen Kirche aus. (Unruhe auf verschiedenen Bänken der Linken. Beifall auf der Rechten.) Wohlan votiren Sie dieses Gesetz! Treten Sie, wenn Sie wollen, auf die Seite Israels, gehen Sie zu den Juden. (Lachen auf verschiedenen Bänken der Linken.) Wir, wir bleiben auf der Seite der Kirche und Frankreichs!" Bekanntlich hat die Kammer den vom Senate genehmigten Gesetzentwurf trotz der Beschwörung des Bischofs Freppel mit sehr großer Majorität angenommen. Der Kunstgriff, statt einschneidender Gründe, ein Mittelchen zu gebrauchen, das das Gesetz in den Augen befangener Menschen herabsetzen sollte, half also nichts. Der Mann verschweigt, daß die ganze griechisch-orthodoxe Kirche, die ganze protestantische Welt und einige katholische Länder die Ehescheidung gesetzlich zugelassen, ohne daß eine Spur jüdischen Einflusses vorhanden oder nur möglich gewesen wäre, und daß die erste Republik und Napoleon I., welche die Ehescheidung in Frankreich einführten, gewiß nicht unter jüdischem Einfluß standen. Aber umgekehrt, warum hat die katholische Kirche das Verbot der Ehescheidung auch den Protestanten und Juden auferlegt? Die Ehescheidung ist eine soziale Frage, die nur künstlich zu einer religiösen aufgebauscht worden. Bosnien. Serajedo, im Juli. Am Schlüsse des Schuljahres 1882/83 wurden die in Bosnien bestehenden Schulen von 8114 Schülern besucht, davon gehörten 615 der mosaischen Confession an. Im Ganzen erhielten nun etwa 7,5 Procent der schulpflichtigen Kinder Unterricht. Bloß in Serajevo befindet sich eine hebräische Schule. Amerika. Ncw-Hork, 7. August. 1885 herausgegeben. In bester Ausstattung wird alles zu den üblichen Kalendern Gehörige (auch mit Papier durchschossen) gegeben und ein „Jahrbuch" von recht reichem Inhalt hinzugefügt. Wir heben z. B. „vr. Eduard Lasters Herkunft und Jugendjahre, niedergeschrieben von seinem Jugendgenossen Joseph Gotthelf", die Erinnerungsblätter an Salomon Pleßner und die bei Aufstellung seines Grabsteines gehaltene Rede von Rabb. vr. Elias Pleßner und andere „Literarische Beiträge" hervor. Auch eine Novelle des Redacteurs dieser Zeitung „Tie drei Brüder" ist mit dessen Erlaubniß abgedruckt. Jedenfalls ist der Ernst und das Geschick anzuerkennen, mit welchem dieser Kalender edirt wird. — Bon dem rühmlichst bekannten Schulbuche: „Handbuch der Israelitischen Geschichte von der Zeit des Bibelabschlusies bis zur Gegenwart für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familien und Schulbibliotheken von Emanuel Hecht (in den späteren Auflagen) bearbeitet von Rabb. vr. M. Kayserling" ist die fünfte vermehrte und verbesserte Auflage (Leipzig, Baumgärtner 1884) erschienen. In den verhältnißmäßig rasch aufeinander gefolgten Auflagen liegt der beste Beweis für die Brauchbarkeit und Zweckmäßigkeit dieses Buches. In der That verdient es auch seinen Erfolg. Denn mit der Reichhaltigkeit verbindet es eine bündige und klare Darstellung und eine zweckmäßige Auswahl des Stoffes. Die vorliegende Auflage durfte an den Haupttheilen nicht viele Veränderungen sich gestatten, weil das Buch in viele Schulen eingeführt ist. vr. K. beschränkte sich deshalb „auf eine sorgfältige Revision und auf mehrfache Berichtigungen und Zusätze, sowie aus die theilweise Umarbeitung des letzten Abschnittes" der die Gegenwart behandelt und den er „durch einen neuen Paragraphen, die durch den Antisemitismus hervorgerusenen trüben Ereignisse der letzten Jahre betreffend, vermehrt hat". Nach unsrer Meinung ist in einem solchen Werke der Abschnitt Die Einwanderungs-Commiffäre j über die neueste Zeit und die Gegenwart von größter Behoben die Landung von 20 mittellosen russischen Juden, die von Hamburg mit dem Dampfer „Polynesia,, ankamen, verweigert. Auf diese Weise ist einer großen Zahl unglücklicher russischer Juden auch diese Zufluchtstätte verschlossen! deutung, da diese Periode bis jetzt stets höchst oberflächlich behandelt worden, ohne in den Geist, den Charakter und die Tendenzen des modernen Judenthums einzugehen, wahrscheinlich weil man sich scheute, die innern Verhältnisse zu berühren und den Orthodoxen Veranlassung zu geben, das Buch zurückzuweisen — was sie mit solchen Lehrbüchern dennoch thun. vr. K. hat hierin einen löblichen Schritt 35*

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