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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-19 · Heft 34 (19.8.1884) · p. Seite 544

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 34 (19.8.1884)
Date
1884-08-19
Page
Seite 544 (sequence 12)
Language
German
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544 sich wegen seiner vorzüglichen Tenorstimme und seiner innigen und andachtsvollen Vortragsweise des meisten Beifalls zu erfreuen. Er bringt mehrere Sänger des Kaschauer Tempelchors mit hierher. — Stadt und Gemeinde Colmar haben einen ihrer geehrtesten Mitglieder durch den Tod verloren. Dr. Alexander Cers Levy verschied am 30. Juli im Alter von 61 Jahren. Er war seit langen Jahren Mitglied der Medizinischen Gesellschaft von Ober-Elsaß, des Stadtrathes von Colmar, in welchem er immer wiederholt einstimmig gewählt worden, Arzt jüdischer und katholischer Vereine, geliebt und geachtet von allen seinen Mitbürgern, seinen Glaubensgenossen und seinen Collegen. Zu seinem Begräbniß versammelten sich nicht bloß der gesammte Stadtrath und die ganze medizinische Körperschaft, sondern auch viele Aezte und Freunde von nah und fern. An seinem Grabe sprachen der Großrabbiner Isidor Weil, Dr. Faudel im Namen der medizinischen Gesellschaft, der Bürgermeister von Colmar Schlumberger und der Pastor Schäffer, Präsident des Consistoriums der Reformirten. — Aus London wird vom 2. d. berichtet: Vor dem Gerichtshöfe in Worship-Street erscheint der 36jährige Kaufmann Hymann Goodmann unter der Anklage, die neue Synagoge erbrochen und daselbst aus einem versperrten Pulte einen seidenen Beutel mit dem Gebetmantel und den Gebetbüchern des reichen Manufacturwaarenhändlers Cossard gestohlen zu haben. Ter Mann weinte und schluchzte bitterlich: „Euere Lordschaft, ich war in meinem Leben kein Dieb und bin auch jetzt keiner, aber dreimal im Tage bin ich beten gegangen und es hat mir nichts genutzt. Da habe ich mir gedacht, wirst versuchen zu beten mit den Sachen von den Reichen, vielleicht bessert sich dann das Geschäft. Da es mir so nichts geholfen hat, gebe ich ja dem Herrn Cossard gerne seine Sachen zurück." In der Thal hat der Diebstahl nichts an den Verhältnissen des Herrn Goodmann verbessert, denn der Richter verurtheilte ihn zu einem Monate Arrest mit Zwangsarbeit. — Aus Sümeg wird berichtet: Gegen den Sümeger israelitischen Friedhof wurde von unbekannten Thätern ein Attentat verübt, indem die Thür des Friedhofes zertrümmert und drei Grabsteine zerschmettert wurden. Bonn, 10. August. (Literarische Notizen.) Der kürzlich verstorbene Heinrich Laube hat einen druckreifen Roman „Rüben" hinterlassen, welcher die Eheschließung zwischen Juden und Christen behandelt. Prof. Hänel, der Stiefsohn des Verstorbenen, ist mit der Herausgabe beschäftigt. Tuck um, 3. August. (Literarische Notiz.) Von dem Redacteur des in Warschau in hebräischer Sprache erscheischeinenden Blattes „Hazefiro", Herrn N. Sokolow, ist die Herausgabe eines Almanachs in hebräischer Sprache unter dem Titel "?)*DNn" unternommen worden. Es ist diesem guten Unternehmen, da es dem Mangel an einem Jahrbuche abzuhelfen geeignet ist, völliges Gelingen zu wünschen, wie auch jegliche Unterstützung zu schenken. Das Erscheinen des ersten Theiles dieses Jahrbuches steht bereits in wenigen Tagen bevor und giebt der mir soeben zugegangene Prospect genügendes Zeugniß dafür ab, daß dasselbe an Gediegenheit und Reichhaltigkeit seines Inhaltes den besten literarischen Erzeugnissen dieser Art zugezählt werden kann, indem darin Artikel und Aufsätze von fast sämmtlichen besten Schriftstellern unserer hebräischen Literatur vorhanden find. Ich j will nur vorläufig bemerken, daß u. A. auch Ihre bekannte Erzählung, unter dem Titel tnd in *od^o t&z nsp:" r,*::r<rN nerc npny~ "rrcra-rr, darin erscheinen wird. Feuilleton. Der Maler Moritz Oppenheim. Professor Moritz Oppenheim zu Frankfurt a. M., dessen Andenken wir nach seinem, im 82. Lebensjahre erfolgten Tode nach Gebühr feierten, fand jüngst in den von uns bereits mehrere Male erwähnten „Erinnerungsblättern von Ferdinand Hiller (Köln, Du Mont Schauberg, 1881)" eine Charakteristik, die wir um der Verdienste willen, die sich Oppenheim um das Judenthum durch seine Familienbilder und einige größere Gemälde erworben hat, hier wiedcrgeben wollen. Hiller schreibt: „Auch der bekannte Maler Moritz Oppenheim, aus Italien als Jünger Ooerbeck's und dessen Schule zurückgekehrt, kam nach Weimar, um Goethe Compofitionen über Hermann und Dorothea vorzulegen, welche dieser sehr freundlich ausnahm und dem Künstler den Professortite! verleihen ließ. Der herzensgute, geistreiche, heitere Mann nahm mich schnell für sich ein und wir verlebten trauliche Stunden zusammen. Er ist der einzige meiner Freunde aus jener Zeit, der noch heute als beweglicher jugendlicher Siebenziger mit Glück und Geschick seiner Kunst lebt, und die begeisterungsvollen Anfänge unserer Verbindung haben nicht wenig dazu beigetragen, derselben durch die langen Jahre eine heitere Innigkeit zu bewahren." So schrieb ich vor einigen Jahren in einer Darstellung meiner Weimarer Lehrzeit. Jetzt ist auch er dahin. Nach vollendetem 82. Lebensjahre ereilte ihn plötzlich der Tod. Er war in heiterster Laune von einem Spaziergange heimgekehrt, nicht ahnend, daß er so bald dort einkehren sollte, von wo keine Heimkehr gestattet ist. Eine gewisse Ahnungslosigkeit war einer der Grundzügc seines Charakters. Und da, seltsam genug, die von außen an uns heranttetenden Ereignisse in einem verwandschaftlichen

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