Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1884)
- Date
- 1884-08-19
- Page
- Seite 543 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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gor ob ein Gebet für den Archirie (Bischof) Makarij und für den Gouverneur Baranow statt. Es wurde außerdem von der jüdischen Gemeinde beschlosten, einen Bericht über das vorgesallene schreckliche Ereigniß, sowie die geleistete energische Hilfe des Gouverneurs, und die Predigt des Bischofs ins Hebräische übersetzen zu lasten und, auf Pergament geschrieben, in der Synagoge aufzubewahren. — Im Verlaufe der letzten 3 Monate, d. h. vom 13. April bis zum 13. Juli, haben die Administrativ-Polizeibehörden des Königreichs Polen viele Ausländer, welche sich im Königreiche aufhielten, aber keine bestimmte Beschäftigung hatten, noch im Besitze von genügenden Legitimations-Papieren waren, über die preußische und österreichische Grenze gebracht. Unter den Ausgewiefenen befanden sich 38 österreichische, 30 preußische Unterthanen, 17 aus anderen deutschen Staaten, 17 Italiener, 10 Franzosen, 7 Belgier, 2 Schweizer, 1 Engländer und 1 Spanier. Außerdem wurde auch ein Bürger der nordamerikanischen Staaten ausgewiesen. Auch haben die Polizeibehörden an zahlreiche, in Lithauen und in Südrußland lebende Ausländer Ausweisungsordres ergehen lasten. Ueber die Veranlassung zu dieser Maßregel berichtet der „Warschawski Duiewnik": Theils die vielen antisemitischen Bestrebungen, welche von Seiten der nihilistischen Partei über ganz Europa ausgebreitet werden, und deren Agenten mit den antisemitischen Elementen anderer Nationen persönlich Fühlung suchen, theils die große Anzahl ausländischer Anarchisten, Verbrecher, Flüchtlinge aller Art haben eine verschärfte Aufsicht der vom Ausland hieher kommenden und sich hier aushaltenden Persönlichkeiten nothwendig gemacht. — Aus Turek allein wurden 2 Ausländer über die Grenze gebracht, die von der antisemitischen Partei waren. Moses Feinkind. Rischny Nowgorod, 3. August. Die Voruntersuchung gegen die bei den Ausschreitungen gegen die Juden Betheiligten ist beendet. Es wurden im Ganzen 109 Personen zur Verantwortung gezogen, von welchen 3 bereits dem Gericht überwiesen sind. Amerika. Rem Hort, 15 Fuli. Ueber die Rücksendung von vier aus Breslau stammenden Familien, welche mittellos in New- Zork angekommen waren, wird von dort unterm 15. d. geschrieben: Der gestern hier eingetroffene englische Dampfer „Jndia" hatte mehrere aus Schlesien eingewanderte Familien an Bord, denen von einer Breslauer Hilfsgesellschaft der Uebersahrtspreis bezahlt worden war. Es waren dies der Schneider Gerson Selkowitz mit Frau und drei Kindern, der sich im Besitz von 10 Mark befand, der Schneider Samuel Rosenzweig mit Frau und zwei Kindern, der 40 Mark bei sich hatte, der Kürschner Adolf Lazarus mit Frau und 4 Kindern, gänzlich mittellos, und der Schneider Markus Holz mit Frau und 2 Kindern, der ein Vermögen von 90 Pf. besaß. Alle waren sie von Herrn Theodor Oschinsky, dem Vorsitzenden eines Breslauer Unterstützungsvereines, aus ihr Ersuchen mit Reisebillets bis nach New-Z)ork versehen worden, da sie hier bester vorwärts zu kommen hofften. Als diese Umstände bei der Controlirung bekannt geworden, protestirte Commistär Stephensen dagegen, daß diesen Leuten, obgleich sie Verwandte hier haben, die für sie sorgen wollen, gestattet werde, durch Castle Garden zu passiren, und aus seine Anordnug hin wurden sie nach Wards Island gesandt, um bei der Abfahrt des Dampfers, mit dem sie hierher gekommen, wieder an Bord gebracht und nach ihrer Heimath zurücktransportirt zu werden. Ein gleiches Schicksal hatten mehrere mit dem Dampfer „Furnessia" eingetroffene irische Familien. — Die früher angezweifelte Nachricht, daß aus New- 2)ork 50 jüdische Auswanderer aus Rumänien nach Deutschland zurückgeschickt seien, weil sie bei ihrer Erwerbs- und Mittellosigkeit nicht der amerikanischen Armenpflege zur Last fallen sollten, bestätigt sich jetzt. Wie man uns aus Hamburg schreibt, langten die Unglücklichen mit der „Westphalia" dort an und werden bis auf Weiteres in Hamburg auf Staatskosten erhalten. Das kann aber nur für einige Zeit gelten und wenn die Hamburger Behörde genannte Auswanderer abschiebt, so wisten dieselben nicht, wohin sie sich wenden sollen. In ihrer Heimath mußten sie bei der Auswanderung einen Verpflichtungsschein unterzeichnen, niemals wieder zurückkehren zu wollen, drüben sind sie auch nickt gelitten und hier werden sie von einem Lande dem anderen zugeschobcn, sind also gezwungen, wie Ahasver in verstärkter Auslage umherzuwandern. Schon seit Jahren bestimmt ein Nordamcri kanisches Gesetz, daß Auswanderer nur zugclasten werden sollen, wenn sie eine bestimmte Summe im Besitz haben. Daß der obigen harten Zurückweisung kein jndenseindliches Motiv zu Grunde liegt, ersieht man daraus, daß dasselbe Loos eine Anzahl Irländer traf. Gleicher Weise wird aus New-2)ork vom 4. August gemeldet: 32 Italienern, die mn dem Dam pier „Trinacria" vom mittelländischen Meere hier angekommen sind, ist die Landung verweigert morden. Falls sic nickt den Nachweis liefern, daß sie nicht mittellos find, wird der Ca pitän des Schiffes geztvungen werden, dieselben zurnckznführen. — Jedenfalls werden sich die jüdischen Hülfs-Comil»'-s dies zur Notiz nehmen. Bonn, 10. August. (Notizen.) Man schreibt uns aus Gnesen: Für die hiesige erste Cantorstelle hatten sich 124 Bewerber gemeldet, von welchen der Dbcrcantor Schor aus Kasch au in Ungarn gewählt worden. Derselbe hatte 34*