Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1884)
- Date
- 1884-08-19
- Page
- Seite 541 (sequence 9)
- Language
- German
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541 kommen, sobald man thatsächlich an das Niederreißen des zählt, von denen allein in der diesjährigen Superrevision Ghetto gehen wird. nicht weniger als 20 zugleich aus ihre Tüchtigkeit zum . Militärdienst untersucht wurden. Die Zahl der Urenkel fest- Otutzlcrn . zustellen, dürste schon mehr in das Bereich der statistischen Aus Pole«, im August. (Privatmitth.) Der frühere Berufsthätigkeit gehören. Die Zahl der Ururenkel ist 11. Prediger der israelitischen Cultus-Gemeinde, Herr Adolf Eine gesegnete Familie! — Radyn, zu Lodz, welcher die Stadt Lodz wie das Land — Der Consum in der Volksküche Nr. 1 in der oben Rußland verläßt, um als Rabbiner einer israelitischen Gegenannten Stadt für die jüdischen brodlosen Familien bemeinde nach Amerika überzusiedeln, hat sich am 22. Juli zifferte sich seit dem Tage der Erösinung — 22. April bis im Viktoria-Theater von seinen zahlreichen Freunden und incl. 27. Juli — auf 50,200 Portionen. Der beste Dank Verehrern in einem letzten Vortrage verabschiedet, in welchem derselbe über Lessings culturhistorische Bedeutung gesprochen hat. — Zu dem Vortrage ves erwähnten interessanten Themas des Herrn Adolf Radyn, wie der „Dziennik Ludski" (Lodzer den Vorstehern für ihre humane That. — — Tief und innig, so schreibt man der „Pct. Ztg." aus Bjelostok, ist in unserem Gouvernement die Trauer über den Hintritt unseres gewesenen General Gouverneurs, des Tageblatt) mitzutheilen weiß, hatte sich ein zahlreiches Publi- Grafen Eduard von Todleben, besonders aus Seiten der kum ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisies und die Be-! Juden, denen er als wahrer Schutzengel galt und die fest Hörden eingefunden. Redner schilderte zunächst in warm empfundener begeisterter Weise die epochemachende Arbeit davon überzeugt sind, daß nur sein Einfluß sie vor unseligen Gräueln und Mißhandlungen geschützt habe. Sein Andenken Lessings auf dem Gebiete der deutschen Literatur und pries | wird hier bei den Juden unvergessen bleiben. In vielen denselben als Bahnbrecher für Schiller und Goethe. Darauf! Synagogen des Gouvernements wurden feierliche Trauerbeleuchtete er die Bedeutung Lessings speciell für das Juden-! gottesdienste und von den Rabbinern Trauerreden abgehalten, thum und pries die in dem bekannten Drama „Nathan der j Bei der Durchführung der Leiche wurden von den Ju- Weise" offenbarte humane Tendenz als eine historische That j den von einigen benachbarten Städten Deputationen gesandt, und als eine Ehrenrettung des Judenthums. Auch über! besonders von Bjelostok ein Lorbeerkranz mit der Inschrift Motive, Vorbilder und Entstehung dieses Dramas, wie über! „für seinen treuen Schutz der Juden", auf den Sarg gelegt, die Schöpfung Shakespeares in seinem Drama „Der Jude! — Bei der unlängst stattgefundenen Ueberschwemmung von Venedig" äußerte sich Redner in geistvoller und, wie das j der Weichselumgegend, besonders in Warschau, traf das bittere nicht anders zu erwarten war, durchaus philosemitischer > Loos auch unsere Glaubensgenoffen, wobei viele wohlhabende Weise. Die Objectivität schien hierbei aber nicht immer den! jüdische Familien beträchtlichen Schaden erlitten haben, und Maßstab der Beurtheilung abgegeben zu haben. Zum Schluß! manche sogar das Leben einbüßten. — Se. Majestät der zog Redner einige Schlüffe allgemeiner Art, in denen er'Kaiser von Rußland spendete für die Ueberschwemmten ohne allen, die nach Wahrheit streben und mit des Lebens Wider-! Unterschied der Religion 200 000 Rubel, wärtigkeit zu kämpfen haben, Lessings nimmer ermüdenden! — Der „ Odeffki Listok" schreibt: „Der Drang der Schaffensdrang und ungebeugte selbstlose Energie als leuchtendes Vorbild zeigte. Zum Schluß verabschiedete sich Herr Adolf Radyn von seinen Zuhörern mit der Versicherung, daß er auch in seiner neuen Berufstellung jenseits des Oceans nie erlahmen werde, für die höchsten Güter der Menschheit, für Wahrheit und Humanität zu kämpfen. Reicher Beifall lohnte dem geschätzten und nennenswerthen Vortragenden, der zwar mit großen dialektischen Schwächen sprach, aber in unverkennbar sorgsamer und geschickter Weise das reiche Material zu dem mehr wie ein und eine halbe Stunde dauernden dankbaren Bortrage gesichtet und bearbeitet hatte. Den Betrag für die Eintrittskarten spendete Herr Adolf Radyn für die Brodlosen und Hilfsbedürftigen ohne Unterschied der Confession. — Als Curiosum können wir mittheilen, daß in Lodz eine hochbetagte israelitische Familie wohnt, die in ihrem Schoße nicht weniger als 8 Söhne, 7 Töchter und 60 Enkel israelitischen Jugend in Rußland nach Bildung wächst mit jedem Jahre zusehends." Die Zahl der Schüler in den Gymnasien wurde im Jahre 1870 auf 86,470 festgestellt, und bis 1881 wird der Zuwachs auf 60,243 angegeben, d. h. die Zahl wuchs auf 651/-2 proc. In der angegebenen Zeit vermehrten sich die Schüler des russischen Glaubens auf 66,18 proc., katholischen 19,82 proc., und jüdischen 262,98 proc., so daß sich während der Zeit die jüdischen Schüler 4 Mal mehr als der Zuwachs der russischen, und 13 Mal der katholischen Schüler vermehrte. Im Jahre 1870 kamen in den Gymnasien in Petersburg auf 100 Schüler 1,01 Juden; und 1881 vermehrten sie sich schon auf 5,05: zu Moskau von 0,20 auf 3,50, zu Cherson von 0,93 auf 4,03, in Odessa von 19,24 auf 35,20, in Kijew von 4,47 auf 12,12, in Wilna von 10,83 aus 26,69, in Dorpat von 3 auf 10,10, in Warschau von 8,28 auf 12,91, in Riga von 11,20 auf 17,8, in Kasan von 0,25 auf 1,79, und in 34