Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1884)
- Date
- 1884-08-19
- Page
- Seite 539 (sequence 7)
- Language
- German
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539 sich gute Aussichten! — Als Galizier, der die Vorgänge! Gesetz eine anhaltende Propaganda machte. Dahingegen war in seiner Heimath mit begreiflicher Theilnahme verfolgt, unter den Gesetzgebern von 1793, welche die Ehescheidung wünsche ich die allgemeine Aufmerksamkeit der Glaubensge-1 gestatteten und unter den Rathgebern Napoleons I. bei der nosien auf diesen Umstand zu lenken, vielleicht findet sich j Bearbeitung des 6oäe civil kein einziger Jude. Die ganze Jemand, der der drohenden Gefahr, bevor sie hereinbricht,! Prozedur der Aufhebung des Verbotes bis zur Wiedereinvorzubeugen im Stande sein wird. — Bei dem gänzlichen! führung desselben durch die Royalisten von 1616 hatte also Mangel an Bertheidigern aus der Mitte unsrer Glaubens-§ mit den „Semiten" nichts zu schaffen. Insofern allerdings genossen ist es unsere Pflicht, mit Dankbarkeit zu verzeichnen, j hat der Bischof recht, daß die Ehescheidung bereits im mosaidaß sich endlich ein Christ fand, der seinen wohlver-! schen Gesetz» gestattet ist. Was können wir aber dafür, daß dienten Einfluß zu Gunsten der grundlos angegriffenen auch j die modernen Völker das mosaische Gesetz als der Vernunft hier geltend macht. Der beliebte Feuilletonist Jan Lam tritt! und dem Rechte angemessen erkennen und es den Bestimim „Dziennik Polski" vom 5. August (Nr. 180) gegen „jene! mungen des kanonischen Rechts vorziehen? Umgab doch schon immer häufigeren, stark übertriebenen Klagen über das mosaische und noch mehr das talmudische Recht die die Erwerbung von Landbesitzthümern durch die Juden, ' Scheidung mit erschwerenden Vorsichtsmaßregeln. Ueber die welche doch zu nichts führen können als zu einer Agitation | Wirkungen der Erlaubniß der Ehescheidung war man auch für ein Gesetz, welches den Juden von Neuem den Grundin jüdischen Kreisen nach den sittlichen Zuständen der Zeit besitz außerhalb gewisser Stadttheile verbieten sollte." — verschiedener Ansicht. Der Prophet Maleachi verurtheilt die „Ein solches Gesetz — fährt Herr Lam fort — könnte aber, Scheidung, was beweist, daß sie zu seiner Zeit allzuhäufig nur in Verbindung mit einer radicalen Umgestaltung, oder vorkam; der berühmte Hillel hingegen erleichterte sie, weil er vielmehr einem Umsturz der Constitution zu Stande kommen, fand, daß eine strenge Beschränkung derselben zu viele sittliche d. i. durch einen Sieg jenes Geistes, gegen welchen der! Ausschreitungen zur Folge hatte. Wann werden die Partei- Kampf schon so viel Blut gekostet hat, und welcher fort-; gänger aufhören, konfessionelle Vorurtheile zu benutzen und dauern wird, so lange das Gefühl der Gerechtigkeit in: j zu schärfen, wenn sie damit einen Vortheil zu ihren Gunsten menschlichen Herzen nicht erloschen sein wird. Man hatte! zu erreichen glauben? schon oft gefragt und es schickt sich nochmals zu fragen:! Die jüngsten Unruhen in Algier haben so viel Aufsehen Wie sollten die Juden ein Land lieben, dessen Be-! erregt, daß, obschon sie jetzt aufgehört haben, folgender Arsitz ihnen untersagt ist? Als Hauptargument gegen den! tikel des gewiß kompetenten Journals „LT Armee fran^aise" Grundbesitz der Juden soll ihre schlechte (?) Wirthschaft auf vom 13. Juli über die allgemeine Sachlage vier am Platze ist. dem erworbenen Boden sein. Wer aber schlecht wirthschaiiet, Daselbst heißt es: „Wir haben in Algerien in runden Zahlen der kann ja die Concurrenz mit den guten Wirthen nicht bestehen und verliert bald, was er erworben. Wenn also das Ansiedeln der Juden in Dörfern ein unbedingtes Uebel wäre, so trägt es in sich selbst die Arznei gegen das Uebel. — Wohin aber jene Lamentationen über den jetzigen Zu 2500000 Araber, .180000 Franzosen und 34-000 eingeborene Israeliten, naturalisirt durch das Decret vom 24. Lkt. 1870. Diese Zahlen bezeugen die Nothwendigkeit einer ganz speciellen Organisation der Territorialarmee, um im Noth falle, den Gefahren eines die Colonisation bedrohenden Aufstand führen sollen, wenn sie nicht reaktionäre gesetzgeberische standes entgegenzutreten. Schritte bezwecken, bleibt unbegreiflich." l) Sie bezeugen ebenso die Nothwendigkeit der engen Vereinigung der französischen Elemente. Wie geschieht es also, Frankreich. daß eine intelligente Bevölkerung, wie die unserer Algerischen Colonisten, dahin kommt, bei Gelegenheit eines Rutsches Paris, im August. Einiges Aufsehen erregte es jüngst einen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Recruten als der streitbare Bischof Freppel in der Deputirtenkammer zu machen, und daß sie eine Schaar einsichtsloser Leute bei der letzten Verhandlung über das Ehescheidungsgesetz Gewaltthaten und Plünderungsscenen, die unserer Zeit unwiederholt mit Nachdruck das Gesetz „semitisch" nannte, das würdig sind, sich hingeben ließ? sich das katholische Frankreich von den „Semiten" nicht auf- Die Generalgouverneure, die von 1850 bis 1870 auf drängen lassen dürfte! Cremieux nämlich war der erste, weleinander folgten, waren einig in ihren Vorschlägen zur Racher, jedoch ohne Erfolg, die Aufhebung des Verbotes beanturalisation des jüdischen Elements, und ohne den Krieg tragte und jetzt war es bekanntlich der frühere Deputirte, von 1870 würde der Marschall Mac-Mahon die Vorschläge jetzige Senator Naquet (Israelit), der für das vorliegende j zu gutem Ende geführt haben, welche die Regierung der .. . .. , .. nationalen Verteidigung in gesetzliche Acte verwandelt hatte, erwünscht. Redaction. Die Algerischen Juden, welche schon durch unsere bur-