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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-19 · Heft 34 (19.8.1884) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 34 (19.8.1884)
Date
1884-08-19
Page
Seite 537 (sequence 5)
Language
German
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537 hat, entsprungen ist, einer Parteiwuth, welche vor der hungern bringen; der Auswanderung stellt man die größten äußersten Barbarei nicht zurückschreckt und die ganze mühsam Schwierigkeiten entgegen und Amerika weist jeden Einwancrrungene Civilisation in Gefahr setzt. Der Ausgang ist derer zurück, der nicht mindestens hundert Dollars besitzt, zweifelhaft. Für die rumänischen Juden sind die Aussichten Jetzt versucht Rumänien Deutschland auf dieselbe Stufe zu wahrhaft erschreckend. Im Lande will man sie zum Perbringen, und deutsche Federn geben sich dazu her! Deutschland. Berlin, 3. August. (Privatmitth.) Der hies. „akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur", der nunmehr bald ein Biennium seines Bestehens beschließen wird, hat wieder einmal ein Zeichen gesunden Lebens und Emporstrebens von sich gegeben. Vor Schluß des Semesters! veranstaltete er, in Veranlassung des 90. Geburtstages des j Schatzgräbers auf dem Gebiete der jüd. Geschichte, unseres Altmeisters Zunz, eine Feier, zu welcher sich etwa 70 Gäste, alte Herren und Commilitonen, eingefunden hatten. Nach Absingung eines Festcantus hielt das Ehrenmitglied des Vereins, H. Dr. D. Cassel, eine hochintereffante Festrede. Es war in der That niemand kompetenter zu einer Würdigung der immensen Gelehrsamkeit und Verdienste des Gefeierten, als sein ältester Schüler und langjähriger Freund, der Zeuge seines Fleißes in Sammlung und Sichtung eines ungeheuren literargeschichtlichen Materials, zugleich aber auch seiner Sorgen und Kämpfe gegenüber dem wisienschaftlichen Jndifferentismus seiner Glaubensgenosien. Der Festredner betonte auch mit Wärme die unwandelbare Charaktertreue des! Gefeierten in einer Zeit, da die Untreue Mode war, was übrigens Heine in seinem Nekrolog auf Ludwig Marcus von dem „vortrefflichen Zunz" nicht genug rühmen kann. — Bei dem spätern Semesterreiben hielten noch Ansprachen: Dr. Karfunkel, Dr. Maybaum, Sanitätsrath Kirstein u. a. Ein solenner Commers beschloß die Feier, durch welche der Verein nicht Zunz, sondern sich selbst geehrt und sein ernstes Streben geoffenbart hat. A. Eckstein, stuö. phil. Berlin, 5. August. (Privatmitth.) Die Nachricht, daß Heinrich Laube verschieden, überraschte, da man ihn in der Genesung glaubte. Mit ihm schied das letzte Mitglied des „jungen Deutschlands", mit welchem Namen man in den dreißiger Jahren eine Anzahl junger Schriftsteller und Dichter bezeichnete, welche zwar untereinander in keiner engeren Verbindung standen, doch aber durch ihr Streben im Geiste der damals noch so verpönten liberalen Prinzipien und durch ihren Gegensatz gegen die vergangene classische und die im Absterben begriffene romantische Schule einen gewiffen gemeinsamen Charakter hatten. Sie hatten deshalb viele polizeiliche Verhaftungen zu erleiden, Maßregeln, die sich selbst gegen ihre noch nicht geschriebenen Bücher richteten. Als Haupt dieses „jungen Deutschlands" wurden Heinrich Heine und Ludwig Börne angesehen, so wenig diese auch in unmittelbarer Verbindung mit denen standen, die das „junge Deutschland" bildeten. Um so näher lag es, daß judenfeindliche Literaten, wie Wolfgang Menzel, die vermeintlichen und wirklichen Sünden des jungen Deutschlands den Juden in die Schuhe schoben und die ganze Richtung für eine jüdische erklärten. Sie verbreiteten diese Ansicht mit solcher Hartnäckigkeit, daß Berthold Auerbach, Jacob Weil u. A. in besonderen Broschüren dagegen aufzutreten sich bewogen fanden. Zu jener Zeit war dies von einer ernsten Bedeutung — jetzt ist es vergeffen, oder nur zu einer literarhistorischen Curiosität geworden.! Posen, im Aug. (Privatmitth.) Ter Vorstand der! hiesigen Israelitischen Waisenknaben-Anstalt hat seinen 46.! Jahresbericht über 1883 ausgegcben. Die treffliche Anstalt! befindet sich in blühendem Zustande. Erfreulich ist, daß cnd«! lich auch in Provinzialgemeinden das Jntereffe für diese Anstalt sich zu regen beginnt, wenn es auch noch lange nicht im Verhältniß zu den Vortheilen steht, welche den provinzialen Waisenkindern erwachsen. Bon den 23 Zöglingen, welche die Anstalt im abgelaufenen Jahre unterhielt, waren 12 aus der Stadt und 11 aus der Provinz. Von den Zöglingen besuchten 13 die Bürgerschule, 8 die Mittelschule und 2 das Gymnasium. Tic Einnahmen beliefen sich einschließlich der Spenden und Legate auf M. 16,222, die Ausgaben M. 11,858, so daß der Fond ansehnlich vermehrt werden konnte. Aus Mittelfranken Bayerns im Aug. (Privatmitth.) In unserer Zeit, in der die Orgelsrage fortwährend viel Staub aufwirbelt, und die Orthodoxie sogar zu Waffen aus christlichen Werken greift, hat man unseres Wissens das einfachste naheliegendste Mittel übersehen, das für Einführung der Orgel in einen geregelten Gottesdienst für jeden Vorurtheilsfreien von selbst spricht. Es ist nämlich, besonders in großen Gemeinden, absolut unmöglich, einen harmonischen Gemeinde-Gesang ohne Musikbegleitung, wozu sich die Orgel vor Allem eignet, aufrecht zu erhalten. Wie dies schon im Allgemeinen seine Schwierigkeiten hat, im jüdischen Gottesdienst ist dies auf die Länge unmöglich. Der Jude hat eine Vorliebe zu Musik und Gesang; er hört gern singen und will

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