Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1884)
- Date
- 1884-08-12
- Page
- Seite 529 (sequence 13)
- Language
- German
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529 Schattirnngen im Charakter und Geiste der Juden hcrvorgebracht hat. Auf alles dieses wollen wir uns nicht einlassen, sondern nur einige allgemeine Merkmale betonen, welche sich aus der Geschichte und den Thatsachen ergeben. Bor Allem legen wir einen Nachdruck auf die offenbar providentielle Führung, welche in unleugbarer Weise diesem Volksstamm zu dauerndem Bestände mitten im Untergänge so vieler und zum Thcil hervorragender Nationen verholfen hat. Wir sehen ab von seinem ersten Exil, daß zwar einen großen Theil dieses Volkes in Mittelasien zurückließ, jedoch Bon einer Ausloosung zweier Mitglieder des Ausschusses, wie von diesen selbst beantragt war, wurde Abstand genommen, und sind daher die früheren Mitglieder des Ausschusses wieder gewählt. Herr Gutkind-Kassel empfahl die vom sel. Chr. Liebermann-Kaffel begründeten und nunmehr im Auftrag des Hauptausschuffes des hessischen Volksschullehrervereins von I. W. Lange fortgeführten und herausgegebenen Pestalozziblätter und eine Liedersammlung von Andr. Gild in Kassel und legte von Leiden Exemplare zur Ansicht auf. Nachdem sich die Versammlung bei der Wahl des Ortes! durch günstige geschichtliche Verhältnisse, mit der Rückkehr und für die nächstjährige Conferenz wieder für Kassel entschieden J der Neubegründung des jüdischen Volkes in seinem Heimathhatte, übernahm Plaut-Grebenstein das Referat und Rosen-! lande endete. Tie Hauptkrise ging mit und nach dem zweiten baum-Zierenberg das Correferat für nächstes Jahr über das! Falle Jerusalems durch die stürmende Hand der Römer vor Thema: „Die Stellung des isr. Lehrers als Vorsänger." sich. Eine große Zahl wurde vernichtet, eine andere als Nach einem kurzen Schlußworte des Vorsitzenden, mit Sklaven verkauft, die Masse aus dem Lande verjagt, wenn welchem er der Versammlung für die rege Theilnahme dankte, auch erst nach und nach, und über die Erde zerstreut. In sprach Herr Rosenblum-Zierenberg seine Anerkennung für solcher Katastrophe wäre jedes andere Volk untergcgangcu. die umsichtige Leitnng der Conferenz und über die Thätig-, Hier aber zeigte sich aufs Klarste die providentielle Führung, keit des Ausschuffes aus und schloß mit einem Hoch auf um den Fortbestand des jüdischen Stammes zu sichern. War den Vorsitzenden und auf den Ausschuß, in welches die Berdoch diese Zerstreuung selbst das wichtigste Erfordcrniß, um sammlung kräftig einstimmte. fortcxistiren zu können. Dieses Völkchen hatte den Stürmen Mittlerweile war es unter angestrengter Geistesarbeit und Ungewittern, welche gerade von da ab über dieses Land 3 Uhr geworden und mau begab sich daher zum gemeinhintobten, nicht widerstehen können. Die ungeheuren Völkersamen Mahle. Die Stimmung bei demselben war eine recht zöge, die sich darüber ergossen, sammt den Kreuzzügen, hätten heitere und gehobene. Toast folgte auf Toast in gebundener es bei allem Heldenmuth zermalmen müssen. Gerade unter Rede. Herr vr. Stein widmete das erste Glas selbstver-: den Römern war eine solche Zerstreuung noch möglich. Tie ständlich Sr. Majestät dem Kaiser, er meinte, wir Lehrer Mongolen, Tartaren, Seldschucken, Türken hatten sic versollen uns unseren Kaiser als Vorbild dienen laffen, nicht nichtet, nicht aber, wie dies in den Provinzen des römischen nur wegen seiner ernsten Frömmigkeit, sondern auch wegen Reiches geschah, sich zerstreuen und ansiedelu lassen. Es war seiner Pflichttreue. Stürmischer Jubel folgte diesen kernigen der einzige Zeitpunkt, in welchem aus einem heldenmüthigen Worten. Widerstande noch eine Rettung der Volksreste mit einer gewissen Selbständigkeit möglich war. Aber auch zur Zeit der Iur )es jüdischen -Stammes. späteren Verfolgungen war diese Zerstreuung das Mittel ihrer Man hat sich schon vielfach bemüht, von befreundeter Erhaltung. Schon Don Isaak Abarbancl bemerkt dies, er, wie von feindlicher Seite, die psychischen Eigenthümlichkciten der die Austreibung aus Spanien durchgemacht hatte: wir des jüdischen Bolksstammes zu erforschen und zu zeichnen, vermögen uns nach einem andern Lande zu retten, wenn wir Jndeß Psychologie zu treiben, besonders Völkerpsychologie, in dem einen verfolgt und nicht mehr geduldet werden! ist eine sehr schwierige Aufgabe. Man schöpft zu viel aus Eine hochsinnige Resignation! — Wodurch aber wurde diese sich selbst und aus seinen Umgebungen; man setzt voraus Zerstreuung gerade das Drittel zur Erhaltung? Dadurch, und findet dann leicht Beweise dafür in der Wirklichkeit; daß schon vier Jahrhunderte vor dem Falle Jerusalems die man verallgemeinert, was man am Einzelnen beobachtet hat. Auswanderung aus Palästina und zwar massenhaft begonnen Man hebt als Eigenschaften hervor, die mehr oder weniger hatte. Die Verpflanzung Hunderttausender von Juden nach auch bei anderen Völkern gesunden werden. Daher die große Alexandrien, Antiochien und anderen Städten durch Alexander Verschiedenheit der Bilder, die man von diesem Bolksstamm den Großen und seine Nachfolger, die schwierigen Zeiten, entworfen hat. Hier Verklärung, dort Verzerrung, und oft welche durch die Kriege der Ptolomäer und Seleuciden über das gerade Gegentheil in der einen wie in der anderen Dar- Palästina hereinbrachen und andere Ursachen führten große stellung. Insbesondere vergißt man, daß die große Zer- Mengen der Juden aus ihrem Heimathlande und ließen sie streuung und Zersplitterung des jüdischen Volksstammes in in den verschiedensten, ja entlegensten Ländern sich ansiedeln, den verschiedenen Zonen und Ländern auch mannichsaltige So wanderten Juden in China 200 Jahre vor der christl.