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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-12 · Heft 33 (12.8.1884) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 33 (12.8.1884)
Date
1884-08-12
Page
Seite 528 (sequence 12)
Language
German
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528 durch seine Lehrbücher, die den Stempel des Geistes Mendelssohns und Pestalozzi's zugleich in fich trügen, wie durch seinen Unterricht im Seminar zu Kassel derart auf die Lehrer eingewirkt habe, daß sie mehr und mehr deutsche Bildung und Gesittung in Verbindung mit Treue und Anhänglichkeit zur väterlichen Religion unter ihren Glaubensgenossen hätten verbreiten können. Redner schloß mit dem Wunsche, es möchten auch in unserer Zeit solche Männer nie fehlen, die durch Wort und That die Erziehung der israelitischen Jugend in echt deutschem und israelitischem Geiste zu fördern bestrebt wären. Der Vorsitzende stellte alsdann der Versammlung die Gäste vor und hieß dieselben herzlich willkommen; es waren dies die Herren: Prediger Fackenheim-Mühlhausen als Delegirier des Vereins der Lehrer und Cultusbeamtcn Mitteldeutschlands, S. I. Leszynsky-Berlin, Delegirter des D. I. G. B., Rinald-Kassel, Kreisvorsteher, A. Markus und Rosenzweig, Vorstand eines Unterstützungsvereins zu Kassel, A. Gotthelft, Gemeindeältester zu Kassel, Hahndorf, Literat, Carl Mayer-Frankfurt a. M., Vertreter der „Victoria" in Berlin und verschiedene Lehrer aus anderen Provinzen. Nachdem die Delegirten mit beredten Worten die Grüße ihrer Auftraggeber überbracht, und der Vorsitzende noch eine Anzahl Entschuldigungen von nichterschienenen Mitgliedern und Freunden verlesen, gab er ein kurzes Bild über die Thätigkeit des Ausschusses und über die Vorkommnisse in den Kreisen der isr. Lehrer Hessens im verflossenen Bereinsjahre, wobei auch des im vergangenen Jahre verstorbenen Lehrers Werthahn-Bischhausen ehrend gedacht wurde, und besonders des Wohlwollens, mit welchem der Ausschuß des D. I. G. B. unserer Conferenz wiederum durch Bewilligung einer Subvention entgegengekommen war, dankbarst Erwähnung geschah. Herr Sommer-Marburg brachte nun sein Referat: „Ist ein gesonderter systematischer Religionsunterricht in der isr. Schule nothwendig?" zum Vortrag. Referent kam in seiner umfangreichen, wohldurchdachten Arbeit zu dem Schluffe, es müsse in der isr. Schule ein sogenannter systematischer Religionsunterricht ertheilt werden, jedoch sei dieser auch an Bibel und Gebetbuch anzuschließen. Der Correferent, Herr Amram-Zwesten, behauptet in seinem nicht minder trefflichen Vortrag gerade das Gegentheil, nur der an Bibel und Gebetbuch anschließende Religionsunterricht könne segensreich wirken, und der systematische sei daher gänzlich zu verwerfen. Der Vorsitzende dankte beiden Vortragenden unter Zustimmung der Versammlung für ihre fleißigen und consequent angelegten Arbeiten und eröffnete eine Debatte über den Gegenstand. Dieselbe war eine überaus erregte, und die Ansichten beider Referenten fanden in der Versammlung ihre Anhänger und Bertheidigcr. Eine Abstimmung darüber ssel zwar zu Gunsten des Referenten Sommer aus, doch zeigte die Verhandlung, daß auch dieser Gegenstand die Conferenzen noch lange beschäftigen werde, ehe man ein letztes Wort in dieser Sache sprechen könne. Es griffen am meisten in die Debatte ein die Herren: Müller-Frankershausen,Neumark-Felsberg, Cornelius-Rotenburg. Tannenbaum- Kassel, Katz-Fritzlar, Levi-Norden, Auerbach-Eiterfeld, Levi- Hofgeismar, Gutkind-Kassel, Davidsohn-Helmarshausen, Samuel-Bleicherode, Hahndorf-Kassel und Gotthelft-Kassel. Herr Levi-Norden beantragte im Anschluß an die Debatte, der Ausschuß möge veranlassen, daß ein Leitfaden für die Hand des Lehrers verfaßt werde, da es der jüngeren Lehrkraft schwer werde, beim Religionsunterrichte den rechten Gang zu finden. Hieran anknüpfend bemerkte Herr Hahndorf-Kassel, indem er einen Rückblick auf seine eigne, zwar lange hinter ihm liegende Thätigkeit als Lehrer warf, daß er vor bereits 60 Jahren ein solches Werkchen ausgearbeitct habe. Er stelle das Manuscript der Conferenz der isr. Lehrer Hessens zur Verfügung; sie aber möge eine Commission zur Prüfung desselben wählen, damit diese nach Bedürfniß ausscheide, hinzufüge und verbessere, so werde man auf leichte Weise zu einem solchen Leitfaden gelangen, wie ihn der Vorredner wünsche. Herr Adolf Gotthelft meint, gute Handbücher seien bei allen Unterrichtsgegenständen zweckmäßig, also auch beim Religionsunterricht; man solle das bereitwillige Anerbieten des Herrn Hahndorf daher auch bereitwillig acceptiren, was auch beschlossen wurde. Ein zweites Thema: „Das Chanukkafest als Schulfest", von Cornelius-Rotenburg bearbeitet, soll wegen Mangel an Zeit in nächstem Jahre zum Vortrag kommen. Nach Schluß dieser Verhandlung verlas der Cassirer, Herr Gutkind-Kassel, den Rechenschaftsbericht; man ertheilte ihm alsdann Decharge. Der Antrag des Herrn Rothschild-Hoof, eine Dienstanweisung zu schaffen, die das Berhältniß der Gemeindeältesten und Vorsänger zu einander regele, wurde einstimmig angenommen, jedoch beschloß man zugleich, diese Angelegenheiten bis zur Besetzung des Landrabbinats zu vertagen und alsdann dieserhalb beim Vorsteheramt vorstellig zu werden.! lieber diesen Gegenstand sprachen vorzugsweise die Herren Andorn-Frohnhausen, Amram-Zwesten, Markus-Neustadt :c. Ein zweiter Antrag, welcher die Umarbeitung der Fibel j des Hessischen Lehrer-Vereins für isr. Schulen fordert, wurde; von Herrn Rothschild-Neukirchen begründet und dann von der j Versammlung angenommen. Herr Amram-Zwesten beantragte eine Petition an das ^oliie Ministerium um Berücksichtigung der Anciennität der Lehrer bei Besetzung der isr. Schulstellen. Die Petition I wurde beschlossen und eine solche vom Antragsteller vorge- : legte alsbald unterzeichnet.

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