Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1884)
- Date
- 1884-08-12
- Page
- Seite 530 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Zeitr. unter der Dynastie der Hann ein, d. i. zu einer der glücklichsten Epochen des Reiches der Mitte. Ueberall eonftituirten sich Gemeinden, traten sie mit den Bewohnern in friedlichen Verkehr, erkundeten sie die Verhältnisse, um sich ihnen anzuschmiegen. Als nun die große Zerstreuung vor sich ging, fanden die Flüchtlinge in den verschiedensten Ländern bis in Gallien und Germanien hinein größere und kleinere Gemeinden, die ihnen zum Anhalt dienten, denen sie sich anschließen konnten. — Jndeß würde dies nicht ausgereicht haben, die zerstreuten Gruppen, wie es anderen Nationen ergangen, allmälig nicht in die Völker aufgehen zu lassen, in deren Mitte sie verschlagen waren. Dazu gehört auch ein starker fesselnder Geistesinhalt. Und auch hierfür gewahren wir eine providentielle Vorbereitung. Esra der .. Schriftgelehrte" ist das Symbol einer hochbedeutenden neuen Entdeckung. Sie erhob das Judenthum ans einem Cultus zu einer Lehre, zu einer Erkenntniß, deren Durchforschung und Fortbildung das geistige Leben der ganzen Station ausmachte. Ueber die Cultusformen und deren Uebung setzte sie das Studium der Lehre, welches nach seinen Stufen das ganze geistige Interesse des Volkes, Niemand ausgenommen, bildete. Es trat daher für das gesammte Volk das Bedürfj niß der Belehrung ein, mit welcher sich alsbald ein Gebeteultus verband, der neben dem Tempel und dem Opferdienste sich eigene Stätten (Synagogen) errichtete. Schon aus dem zweiten Jahrhundert vor der Zerstörung Jerusalems besitzen wir Aussprüche, welche diese Thatsachen beurkunden. Diese neue Entwickelung erstarkte rasch, brachte sogar verschiedene Richtungen hervor, die als später wieder verschwundene Sekten auseinandergingen, nahm so die ganze städtische Bevölkerung ein, welcher allmälig auch die ländliche nachfolgte. Als daher der Tempel zerstört wurde, als der nationale Mittelpunkt, Jerusalem, verloren ging, bedurften das Juden- Zonen und Ländern anzusiedeln, von einer Weltgegend in die andere überzugehen und überall fruchtbare Familien zu begründen. Es ist eonstatirt, daß europäische Familien, z. B. englische in Indien und Aegypten, holländische in Java in der dritten Generation aussterben, so daß immer neuer Zufluß aus dem Mutterlande nöthig ist. Der jüdische Stamm pstanzt sich in allen Weltgegenden, von Sibirien bis zum Cap fort und zeigt dabei einen Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle so, daß er sich auch einer längeren Lebensdauer erfreut. Im Gegensatz aber ist es jetzt statistisch erwiesen — wir haben darüber jüngst Beweise in offiziellen statistischen Zahlen gebracht — daß Mischehen der Juden mit anderen Nationalitäten sehr wenig fruchtbar sind, also die Kreuzung in der Mehrzahl kinderlos bleibt. Es sind dies physikalische Eigenschaften, die mir nicht zu erklären vermögen, so wenig wie z. B. das allgemeine Naturgesetz, welches aller Zeiten und Orten in gewissen Zahlen das numerische Verhältniß zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlechte aufrecht erhält. — Wir kommen nun noch zu einer geistigen Eigenthümlichkeit des jüdischen Volksstammes, die darin besteht, daß er sich durch den Lauf seiner Geschichte eine solche Lebenskraft bewahrte, daß er sich geistig aus tiefem Verfall immer wieder erheben, sich verjüngern konnte, sobald die geschichtlichen Verhältnisse dazu günstig wurden, . daß er sich in allen Epochen immer wieder zum Niveau der allgemeinen Kultur aufzusteigen, sich ihr anzuschließen und ihr Dienste zu leisten vermochte. Es ist dies der rothe Faden, der sich durch seine ganze Geschichte zieht. Es bildet dies die Lichtseiten, die desto Heller sich abheben, je dunkler die Schalten der vorj aufgehenden Perioden waren. So schlosien sich die alexandrinischen und hellenistischen Juden der griechischen Kultur! ihrer Zeit an, und wir besitzen noch die Reste einer reichen thum und die Juden nicht mehr, um lebenskräftig weiter zu z jüdisch - griechischen Literatur in Philosophie und Ileberbestehen. Das erstere richtete sofort seine Lehrsätze wieder auf und fetzte seine Durchforschung und Durcharbeitung der Lehre und des Gesetzes ungehindert fort, diese ihre Schulen nach den geschichtlichen Ereignissen von einem Lande nach dem anderen verpflanzend; das Volk aber hatte seinen Gebetcultus in den überall leicht zu errichtenden Synagogen und seine Gemeinden und schloß sich, hineingeschleudert in ein ihm fremdartiges Leben, um so fester an das tradirte Gesetz, an die ihm überkommenen Lebensnormen. In allen diesen Erscheinungen thut sich eine providentielle Führung so Übersetzungskunst, welche in Philo, Josephus, und den sibyliuinischen Orakeln die Höhe des Griechenthums jener Zeit wahrhaft erreicht hat. Aus der vormohamedanischen Zeit sind uns aus Arabien Gedichte aus jüdischer Feder übrig geblieben, welche erweisen, daß damals die Juden sowohl das Schtoert zu führen als auch die poetische Kunst in der Sprache Arabiens zu üben verstanden, während wir aus einigen Jahrhunderten später arabische Schriften philosophischen und hermeneutischen Inhalts, von Gaonim verfaßt, besitzen. Hier war es, wo jüdische Religionsphilosophie ihren Anfang nahm. raschend kund, daß gerade diese Vorgänge auch in unsrer Wir brauchen dann nur an die großartige spanisch-arabische Zeit dem Bewußtsein nicht oft genug nahe gebracht und Epoche zu errinnern, sowie daß jüdische Autoren noch bis ciugeprägt werden kann. — j ins vorige Jahrhundert hinein in spanischer Sprache schrieben. Eine zweite sehr charakteristische Eigeuthümlichkeit des Nicht minder exeellirten die Juden in Italien, wo sie eine jüdischen Volksstammes ist physischer Statur. Sie besteht da- Zeitlang vorzugsweise die Träger der medieinischen Kunst rin, daß dieser Stamm die Fähigkeit besitzt, sich in allen und Wissenschaft waren. Doch genug. Diese wenigen