Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-12 · Heft 33 (12.8.1884) · p. Seite 524

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 33 (12.8.1884)
Date
1884-08-12
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227535--41941-3310459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

524 sorgung ihrer Armen nach wie vor selbst in die Hand nehmen, trotz des Ausfalls ihrer quotisirten Beiträge im Betrage von 000 Thaler jährlich, die als für das Budget des Armenwesens im Jahre 1870 ausgeschieden werden mußten. Mit anerkennenswerther Pflichttreue hat die Verwaltung der Chebra-Kadischa die Armenpflege übernommen, sie hat die Armen, soweit thunlich, bei Privaten untergebracht. Drei Personen, die auf diese Weise nicht untergebracht werden konnten, mußten dem städtischen Armenhause überwiesen werden, seitens der Chebra-Kadischa wird diesen täglich koscheres Mittagessen zugeführt. Es stellte sich daher das Bedürfnis eines eigenen Asyls für hilfsbedürftige, arbeitsunfähige Angehörige der jüdischen Gemeinde immer dringender heraus, einmal wegen Unterbringung der Armen, die trotz anständiger Vergütung für Kost und Wohnung, sehr schwer zu beschaffen ist, dann aber auch wegen gar zu hoher Anspannung der Steuerkraft der Gemeindemitglieder, und endlich, last not least, wegen der alten Armen selbst, die weiter keinen Fehler haben, als eben, daß sie alt und arm oder arbeitsunfähig sind, und dafür, außer dem koscheren Mittagseffen, nichts mehr vom Judenthum mit seinen schönen Festen und rituellen Bräuchen erfahren. — Bei Gelegenheit der goldenen Hochzeitsfeier unseres allerhöchsten Kaiserpaares faßten daher verschiedene Mitglieder der Gemeinde den Entschluß, zur Ehre des allerhöchsten Garten anzukausen. Nach reiflicher Ueberlegung wurde das Gebäude erstanden und konnte dasselbe vollständig aus Bereinsmitteln bezahlt werden. — Freilich ist dadurch die Caffe fast gänzlich erschöpft, und verhehlt sich das Comitö nicht, welche große Anstrengung cs erfordert, den Betrieb des Asyls ins Leben zu rufen. Nichtsdestoweniger wird rüstig weiter gearbeitet, und im Vertrauen auf das fernere Wohlwollen der Gemeindemitglieder, sowie sonstiger Gönner dieses schönen Vorhabens soll das Asyl, wie wir hören, zunächst mit acht Insassen zu den bevorstehenden hohen Festtagen eröffnet werden. — Wünschen wir dem guten Werke zur Ehre des Judenthums und zur Stütze unserer würdigen Armen ein ferneres Gedeihen! Allcnstein, 27. Juli. (Privatmitth.) Am 3. Juli c. fand hier die vierte ordentliche General-Versammlung des „Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens" statt, und in diesen Tagen ist der Bericht über dieselbe ausgegeben worden. Dieser ist in der That sehr bemerkenswerth, nicht bloß weil wir hier zum ersten Male einen freiwilligen Verband jüdischer Gemeinden zu gemeinsamen Zwecken vor uns haben, sondern auch weil die Thätigkeit des Ausschuffes innerhalb der verbundenen Gemeinden die besten Ergebnisse erzielt. Die Zahl dieser Gemeinden beträgt jetzt 38, und außerdem 228 persönliche Mitglieder, welche Beiträge zahlen. Jede Gemeinde zahlt jährlich mindestens 15 Mark. Der Verband Paares eine Jubiläums-Stiftung zu gründen, deren Zweck hat auch eine Hülfscasse für jüdische Gemeindebeamte gegründet, darin gipfeln sollte, ein Asyl für arbeitsunfähige, hilssidie bereits einen hübschen Fonds besitzt und deren Statut bedürftige, würdige Israeliten ins Leben zu rufen,! obrigkeitlich genehmigt worden. Es heißt ferner: welches Vornehmen allerhöchsten Orts Genehmigung fand.! „Das Schulwesen des Verbandes anlangend, waren die Ein Comitv, bestehend aus acht Mitgliedern, wovon vier l von der Verbandsleitung zu seiner Weiterförderung einzuder Gemeinde-Verwaltung und vier der Verwaltung der schlagenden Schritte durch die Braunsberger Beschlüsse — Chebra-Kadischa angchören, bildete sich und stellte sich zunächst man vergl. den betr. Bericht, Seite 13 und 14 — vorgedie Aufgabe, das Interesse für die Sache anzuregen und zeichnet. Die Schulinspektion ist konstituirt worden. Nicht Gelder zu sammeln. Nicht umsonst hat sich das Comits an' nur haben die in dieselbe berufenen Schulmänner das ehrendie Mildthätigkeit der Gemeindemitglieder gewandt. Einvolle Mandat aus den Händn der dritten, ordentlichen malige Gaben zur Bildung eines Fonds wurden gespendet, General-Versammlung angenommen; es haben auch die desowohl von Einzelnen, als auch von den bestehenden Vereinen fignirten Mitglieder derselben ihren Antheil an den plan- (Chebroth). Für das Asyl selbst wurde ein Verein gebildet mäßig vertheilten Schulrevifionen mit voller und uneigenunter dem Namen „Machße Loebjonim", dessen Mitglieder nütziger Hingabe absolvirt und somit ihren Auftrag in vollem sich zu allwöchentlichen freiwilligen Beiträgen verpflichteten. Umfang erfüllt. Ohne unserm Freunde vr. Bamberger vor- Man wandte sich an Emdener, die sich anderswo niedergelassen haben, und durch Gottes Hilfe wurde nirgends vergebens angepocht. Auch betheiligten sich gelegentlich nichtgeborene Emdener an dem schönen Werke, so u. A. Herr Baron Nathaniel von Rothschild bei seiner Anwesenheit im Seebade Norderney im Jahre 1881 mit 2000 Mk., und so vergrößerte sich auf diese Weise der Fond allmälig. — Im Mai d. I. bot sich die Gelegenheit dar, ein für den Zweck des Asyls in jeglicher Hinsicht passendes Haus mit schönem greifen zu wollen, darf ich doch an dieser Stelle, muß ich vielmehr Akt davon nehmen, daß die Herren Schulinspektoren sämmtlich einen achtungsvollen Empfang von Seiten der Gemeinden erfahren haben, daß überall ihre Autorität als Mandatare des Verbandes zur Anerkennung gekommen ist. Der vom Ausschuß genehmigte Jnspektionsplan umfaßte die Religionsschulen von 21 Verbands - Gemeinden und ist seinem ganzen Umfang nach vor Beendigung des Schuljahres ausgeführt worden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.