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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-12 · Heft 33 (12.8.1884) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 33 (12.8.1884)
Date
1884-08-12
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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522 Jener ihm die Lehre des Judenthums in der denkbar kürzesten Frist mittheilen könnte, geantwortet hat: „Was dir selbst zuwider ist, das thue Deinem Nächsten nicht! Das ist die ganze Thora, alles Andere ist Eommentar. Nun gehe hin und übe sie!" In dieser negativen Fassung wurde nämlich zu jener Zeit das Gebot 3. Mos. 19., 18. erläutert, wie auch ans dem alten Jerusalemischen Targum z. St. ersichtlich ist. Das Dictum Jesus in Matth. 7., 12. ist offenbar die Umkehr des Hillcl'schen Spruches. Es ist daher für jeden unbefangenen Forscher zweifellos, daß Hillel mit seinem Ausspruche das Gebot 3. Mos. 19., 18. „für den Inbegriff der ganzen jüdischen Lehre erklärt hat." Dasselbe thaten auch die späteren Mischna-Lehrer Akiba und Ben-Azzai. Herr Professor Strack wendet dagegen ein, daß Akiba und Ben-Azzai erst am Ende des ersten und in den ersten Jahrzehnten geblüht haben. Soll das ein Beweis sein, daß die Aussprüche dieser Männer nicht auf die Hillel'sche Auffassung der Lehre, wie sie in den palästinensischen Schulen tradirt wurde, sondern auf die damals noch wenig verbreitete christliche Lehre zurückzuführcn sind, so liegt darin auch der Beweis, daß die betreffenden Aussprüche Jesus auf die des noch älteren Hillel zurückgehen. Herr Professor Strack geht aber noch weiter. Er behauptet, daß Akiba das Gebot der Nächstenliebe nur auf die Volksgenossen bezogen habe, was er dadurch beweisen will, daß er den Mischna-Lchrcr Akiba für die Bemerkung eines Unbekannten, die in dem Buche Siphra zu 3. Mos, 19., 18 an den ersten Halbvers geknüpt wird, verantwortlich macht. Aber es mußte ja einem Gelehrten wie Prof. Strak, der sich durch den wissenschaftlichen Verkehr mit Geiger und Steinschneider eine bei einem Christen nicht gewöhnliche Kenntniß des rabbinischen Schristthums erworben hat, bekannt sein, laß in den talmudischen Quellenschriften Aussprüche der verschiedensten Personen und aus den verschiedensten Zeiten bintcreinandcr aufgeführt werden. Da wir bis jetzt keinen Eirund haben, an der Wahrheitsliebe des Herrn Professors zu zweifeln, so müssen wir annehmen, daß ihm hier ein bedenklicher Lapsus widerfahren ist. Was soll aber der Streit über die Auffassung der alten Lehre in Bezug auf 3. Mos. 19, 18? Es genügt ja zur Beilegung desselben Herrn Prof. Strack zu erinnern an das mosaische Gebot 3. Mos. 19, 33—34., das also lautet: „Wenn bei dir wohnet ein Fremder in eurem Lande, so sollt ihr ihn nicht bedrücken; wie der Eingeborene unter euch sei auch der Fremde, der bei euch weilet, liebe ihn wie dich selbst, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Mizraim. Ich bin der Ewige, euer Gott!" Was für ein „Fremder" hier gemeint ist, erhellt aus der Begründung: „denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Mizraim." Berlin, den 24. Juli 1884. vr. Maybaum, Rabbinats-Assessor der jüdischen Gemeinde. Das Berliner Rabbinat sandte uns den Entwurf der, der Rabbiner-Versammlung vorzulegenden „Erklärung" zur Begutachtung. Unter Anderem beantragten wir, die Berufung auf 3. Mos. 19, 34 in den Text der Erklärung mit aufzunehmen und nicht erst in der „Begründung" diesen Vers zu citiren. Denn, sagten wir, die „Erklärung", nicht aber die „Begründung" wird von der Presse veröffentlicht und von Uebelwollenden nur auf die Glaubensgenoffen sich beziehend ausgelegt werden, eine Auslegung, die durch den B. 34 unmöglich ist. Man hat unsren Rath nicht befolgt, und unsre Voraussage erfüllte sich vollständig. Denn nicht nur in der „Kreuzzeitung", sondern in vielen ultramontanen und protestantischen Blättern wurde derselbe Einwand erhoben, der nun erst durch den gedachten V. 34 widerlegt werden mutz. — Die öffentlichen Blälter enthielten diese Tage die Erklärung eines „Anlisemitenbundes", durch welche ein Mitglied desselben, ein Handwerker, ausgestoßen wurde. Mau ersieht hieraus, daß ein solcher Antisemitenbund in Berlin noch besteht, ohne daß man über seine Mitgliederzahl und seine Wirksamkeit etwas erfährt. — Herr Strack erläßt eine Erwiderung auf die obige Erklärung Maybaums. Doch ist sie so nichtssagend, daß wir sie wcglaffen können. Zuletzt gesteht er zu, daß die Erklärung der Rabb. Vers, zum intcrconfessionellen Frieden dienen könne. — — Auf die oben erwähnte Ausstoßung aus dem Antisemitenbunde erläßt der betr. Schuhmacher Masche eine interessante Erklärung. Tie Mittheilung des D. A. B., daß er, Masche, laut Beschluß der Führer ausgestoßen sei, erklärt er für „eine öffentliche Lüge." Die Wahrheit fei, daß er „zu feiner Schande" cingestehen müffe, D. A. B. als Führer angchört zu haben. Sobald er aber gesehen, daß die Antisemiten aus Leuten bestehen, „vor denen man allerhand Achtung haben kann und am besten seine Thür verschließt", habe er bereits Anfangs Juni Herrn Wilhelm Pickenbach seinen Austritt aus dem Verein angezeigt. In dem Austrittsbriefe bezeichnete er, so schreibt Herr Masche, die meisten Führer als „gehirnlose Automaten." Trotzdem trat man mit ihm wieder in Unterhandlung. Noch einmal, am 7. Juli, wohnte er dann einer Versammlung der Führer bei, konnte sich aber doch nicht verständigen und bctheucrtc ihnen dann in einem erneuten Schreiben, „daß es ihn ancklc, jemals dieser Gesellschaft angehört zu haben." Ferner theilte Herr Masche dem Vorstand mit, daß er im Begriff sei, über den D. A. B. eine Broschüre zu veröffentlichen, in welcher er j „gewisse, als Macher fungircnde politische Kanaillen ent-; larven werde." Aus allem Diesen geht hervor, so schließt Herr Masche, daß ich schon längst freiwillig ans dem Bunde

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