Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1884)
- Date
- 1884-08-12
- Page
- Seite 521 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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521 kaum ein zweites aufzuweisen hat; dasselbe würde jedem Salon-Tisch zur Zierde gereichen, wenn sein Inhalt nicht ein so trauriger wäre. Wer weilt gern zwischen Gräbern! Diese erste Sammlung umfaßt die Beschreibung von 28 Grabsteinen, die entweder aus historischem Gesichtspunkte oder ihrer kunstvollen Arbeit wegen vorzugsweise Aufmerksamkeit verdienen, zum Theil mit vorzüglichen photographischen Abbildungen, größtentheils begleitet von speciellen Nachrichten über das Leben der in den Inschriften bezeichneten Personen. Ueber die Auswahl und Anordnung, welche Herr de Castro in dieser Sammlung getroffen, wollen wir mit ihm nicht rechten: allgemein bekannte Männer, wie Menasse ben Israel, Isaak Orobio de Castro, Elijahu Montalto, Saul Levi Morteira u. a., deren Grabschriften der gesch. Herausgeber bereits vor Jahren, im „N. Jsr. Weekblad", veröffentlicht hat, wurden ausgeschloffen, hingegen die Monumente minder bekannter, aber nicht minder bedeutender Persönlichkeiten ausgenommen; wir nennen bloß den Doctor Abraham Gomez de Soffa, der Leibarzt des Kardinal-Jnfanten Ferdinand, des Sohnes Philipp HI. von Spanien war: Joseph Bueno und dessen Sohn Ephraim, beides ihrer Zeit gesuchte Amsterdamer Aerzte; den Arzt Moses Raphael Salom, der am 21. Marcheschwan oder am 31. October — nicht, wie es S. 89 heißt, am 21. November 1703 begraben wurde. Bon Rabbinern fanden in dieser Sammlung Aufnahme: Joseph Pardo, der Rosch-Chodesch Marcheschwan 5380 oder am 10. — nicht den 11. — October 1619 aus dem Leben schied, wie auch in dem Berzeichniß S. 22 richtig angegeben ist; dessen Sohn David Pardo, der am Rosch- Chodesch Nissan 5417 oder am 19. März — nicht den 15., wie es S. 64 heißt — starb, und Isaak Aboab de Fonseca, deffen Biographie Herr de Castro mehrfach erweitert hat. Bon besonderm Interesse sind die Grabmonumete der Männer, welche als Gesandte oder Residenten hervorragende Stellungen einnahmen, so Don Samuel Palache, der als Gesandter des Sultans Muley Sidan von Marokko im Haag lebte und dessen Bruder das Commando über das Kaperschiff anvertraut wurde, welches die General-Staaten ausrüsteten, um Rache an König Philipp zu nehmen; Moses Jehuda Bebri, der wie sein Sohn Gesandter des Sultans Mahomed IV. am schwedischen Hofe war; David Salomo de Azevedo, Resident des Dey von Algier; D. Manuel Teixeira, der bekannte Resident der Königin Christine von Schweden, der nicht den 15., sondern den 5. Juni (13. Siwan) 1705 starb und mehrere Mitglieder dieser reichen und angesehenen Familie, deren Grabstätten kostbare, ihrem Reichthum entsprechende Monumente bezeichnen. In die fast legendenartige Geschichte der ersten Niederlassung der portugiesischen Juden in Amsterdam führen uns die Grabsteine der D. Mayor Rodriguez oder Sara Abendana mit ihren schönen Töchtern und deren Gatten, welche mit Jacob Israel Belmonte, dem Stammvater der in der Diplomatie bekannten später» Herren von Schonenberg, als die Gründer ver Amsterdamer Gemeinde gelten. Die Grabschriften sind größtentheils portugiesische, selten in lateinischer Sprache abgefaßt, meistens mit einer einfach hebräischen Inschrift begleitet; bei allen ist das Datum nach der jüdischen Zeitrechnung angegeben, zuweilen auch das der üblichen Zeitrechnung hinzugefügt. Dem eigentlichen Werke schickt der Berf. als Einleitung voraus die Geschichte des Friedhofs zu Ouderkerk, welcher im Jahre 1614, bis zu welcher Zeit die Amsterdamer Sephardim in der Nähe des Dorfes Gront ihre Todten begruben, erworben und im Jahre 1616 seiner traurigen Bestimmung übergeben wurde, sowie mehrere auf den Friedhof bezügliche Documente. Das in der Beilage aus einer Handschrift abgedruckte Berzeichniß der von 1616 bis 1630 verstorbenen Mitglieder der Amsterdamer Gemeinde, sowie einige andere ähnliche Register haben besonder» literar-historischen Werth. Wir scheiden von dem durch reichen Inhalt wie durch die vorzügliche Ausstattung gleich schätzbaren Werke, das durch die dein Original beigedruckte deutsche llebersetzung auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht ist, mit dem Wunsche, daß dasselbe eine recht große Verbreitung finde; niöge uns der geehrte Verfasser mit der Fortsetzung seiner ebenso interessanten wie werthvollen Arbeit recht bald erfreuen. Di-. Kayserling. J9c\\- >11 ctcli XAC (i l'evt. Deutschland. Berlin, 25. Juli. Die „Boss. Ztg " enthält folgende Erklärung „Zur Abwehr". Herr Prof. Herm. Strack hat in einem „Zur Kritik der Rabbiner-Versammlung" überschriebenen, in No. 163. der „Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung" vom 15. h. abgedruckten Artikel gegen die am 4. u. 5. Juni cr. stattgehabte Rabbiner-Bersammlung den Vorwurf derselben beschlossene „Erklärung", Stellung des Judenthums betreffend, vollständige und darum ungeschickte Worten Marc. 12., B. 28. ff. ist." Ich erwidere hierauf: Es ist Thatsache, daß der Mischna-Lehrer einem Heiden, der zum Judenthum erhoben, daß die von die intcreonsessionelle , „eine, noch dazu un- Entlehnung aus Jesu eine historisch verbürgte Hillel (ea. 60 v. Chr.) übertreten wollte, wenn