Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1884)
- Date
- 1884-08-12
- Page
- Seite 520 (sequence 4)
- Language
- German
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520 und sich entwickelnden Seele dieser eine klare Vorstellung, eine faßliche Ueberzeugung von dem Lehrinhalt des Judenthums gegeben werde, um sie hierin von früh an zu festigen, ihr die Vorzüge desselben erkennbar zu machen und die Liebe zu ihm einzuflößen. Was frühzeitig in den Verstand und das Herz eingewurzelt wird, bleibt für das ganze Leben, und nur so wird unsre Jugend gegen die so vielfach aus sic eindrängenden feindlichen Einflüsse geschützt. Es versteht sich, daß wir hierbei an kein Ableiern und Auswendiglernen eines Katechismus denken, sondern an die mit Geist und Gemüth in lebendiger, begeisterter Sprache vorgetragene Lehre. Dies ist ja aber auch erforderlich bei dem Unterricht in der biblischen Geschichte, der sonst nichts weiter als die nüchterne Erzählung dieser wird und nur ein äußerliches Wissen erzielt. Der Unterricht in der Religionslehre uöthigt aber den Lehrer von selbst zu weiterer Erklärung, zu Fragen und Antworten, während er bei jenem Geschichtsunterricht gar zu leicht bei der bloßen Materie stehen bleibt. Nebenbei bemerkt, bei dem Gebetübersetzen, das in der Regel nur auf mechanischem Wege geschieht, hat der Lehrer so viel mit dem Gedächtniß der Kinder zu kämpfen, daß er an die Anknüpfung religiöser Lehren dabei vergißt.-Worin wir aber unserm Briefsteller völlig beistimmen, das ist seine Klage über die traurige Beschaffenheit eines großen Theils der von den Gemeinden, und zwar nicht bloß den kleineren, angestellten Religionslehrer, die kein Seminar, oft gar keine Schule besucht haben. Wir wollen hier ihn selbst reden lassen. „Ein viel größeres Verdienst könnte sich der Gemeindcbund, wie auch die Herren Rabbiner erwerben, wenn sie der Bestellung der Lehrer eine größere Sorgfalt zuwenden und nicht dulden würden, daß die Gemeinden (dem Princip: „Billig, wenn auch schlecht!" huldigend) jedes beliebige hergelaufene Subject als Religionslehrer engagircn dürfen, wenn sie darauf dringen würden, daß zu Religionslehrern der Regel nach nur seminaristisch gebildete, oder wenigstens fachmännisch geprüfte Leute bestellt werden. Im Sprengel eines wohlbekannten Rabbiners in Hessen, von welchem Manne man solches doch erst recht nicht erwartet, ist es vorgekommen, daß ohne jeden Anstand ein Handwerker, der — weil er nicht gern arbeiten mochte, es zu nichts bringen konnte und auch sonst nicht der beste Bruder war, zum Religionslehreramte zugelaffcn wurde, ohne jede Prüfung, die er selbstverständlich nicht bestanden hätte — bloß weil er ein bischen „oren" konnte. Kurze Zeit daraus wurde dasselbe Subject wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgt und auch zu längerer Haft verurtheilt, und doch ist er heute noch-Religionslehrer, wenn auch in einer andern Gegend. Aehnliche Fälle könnte ich noch eine Menge aufzählen. Dadurch kommt aber die Religion selbst in große Gefahr und der Lehrerstand — auch der gute — in Mißcredit, daß man mit Fingern auf ihn zeigt. Und was soll erst der Christ über die Sorgfalt und Liebe der Juden für ihre Religion denken, wenn er sieht, wie ihm so blitzwenig an einem guten Religionsunterrichte liegt? — Die Lehrer aber kommen auch zu großem materiellen Schaden, denn die ungebildeten Lehrer, die gern auch billig arbeiten, werden bei Bewerbungen sehr oft den tüchtigen und gebildeten aus dem Felde schlagen. So kam es vor, daß in der theuren Badestadt Wildungen die Lehrerstelle mit 600 M. Gehalt ausgeschrieben wurde und sich doch 38 (!!) Bewerber — natürlich nicht seminaristisch gebildete — fanden. Da müßte der Hebel zuerst angesetzt werden." Literarischer Wochenbericht. Pest, im Juli. In einem Aufsatze „Ruysdael als Dichter" beschreibt Goethe (Werke Bd. 30, S. 355) ein Bild dieses vortrefflichen holländischen Landschaftsmalers, der sich mit anderen von demselben Künstler in der Dresdner Bildergallerie befindet. „Man kennt es unter dem Namen des „Kirchhofs". Es ist auch einer. Die Grabmale sogar deuten, in ihrem zerstörten Zustande, auf ein mehr als Vergangenes; sie sind Grabmäler von sich selbst .... Bedeutend wundersame Gräber aller Art, durch ihre Formen theils an Särge erinnernd, theils durch große ausgezeichnete Steinplatten bezeichnet, geben Beweis von der Wichtigkeit des Kirchsprengels, und was für edle und wohlhabende Geschlechter an diesem Orte ruhen mögen ..." Goethe wußte nicht, daß das Bild Ruysdael's den Friedhof der portugiesischen Juden in Amsterdam mit seinen kostbaren, in Marmor gehauenen Monumenten darstellt, desien Abbildung auch andere Künstler von Ruf, wie Romeyn, de Hooghe, Bernard Picard ihren Pinsel oder ihren Grabstichel widmeten und der in den beiden verflossenen Jahrhunderten die Aufmerksamkeit manches niederländischen Geschichtsschreibers auf sich zog. Diesen Friedhof, auf dem so viele gelehrte, so viele hochstehende Sephardim ihre letzte Ruhestätte gefunden und der den jüdischen Friedhöfen in Prag, Worms, Wien, Frankfurt a. M. u. a., wenn auch an Alter, so doch nicht an Bedeutung nachsteht, hat Herr D. Henriques de Castro Mz. zum Gegenstände feiner Untersuchung und Forschung gemacht, und begrüßen wir die erste Frucht dieser mühevollen Arbeit in dem Werke: Keur van Grafstetten op de Nederl.-Portug.-Isi*ael. Begraafplaats te Ouderkerk aan den Amstel, das auch unter dem Titel „Auswahl von Grabsteinen auf dem! Niederl.-Portug.-Jsrael. Begräbnißplatze zu Ouderkerk an der! Amstel nebst Beschreibung und biographischen Skizzen. 1. Samm-! lung. (Leiden, E. I. Brill, 1883)" erschienen ist. Es ist dies ein Prachtwerk, wie die jüdische Literatur