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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-12 · Heft 33 (12.8.1884) · p. Seite 518

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 33 (12.8.1884)
Date
1884-08-12
Page
Seite 518 (sequence 2)
Language
German
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518 Mii: ffl A : - If'.Vr ' t : . : diese zwölf Brode allsabbathlich hingelegt und wieder weggei Gott zurückzuführen bestimmt war. — Wir erkennen also, nommen, und zwar zwölf an der Zahl, also nach der Zahl! daß durch diese beiden Symbole der Gedanke ausgeprägt der Stämme Israels, wie diese auch auf das Brustschild und! werden sollte, daß die zunächst durch Moses ausgesprochene die Schultersteine des Hohenpriesters eingegraben waren? Die früheren Auslegungen lasten sich leicht widerlegen. Wir müssen uns zuerst an den Ausdruck 0':d halten. Was bedeutet dieser, wenn er von Gott gebraucht wird? 2 Mos. 33, 13 sagt Gott: „Mein Antlitz wird mit dir gehen und ich dich so zur Ruhe leiten." Und da Moses hiermit noch nicht ganz beruhigt ist, wird er V. 20 abgewiesen, er könne Gottes „Antlitz" nicht sehen, denn kein Mensch vermöge dies. Das „Antlitz Gottes" ist hier offenbar „die unmittelbare Führung Gottes, die mit Mose und den Israeliten sein und sie zur ruhigen Wohnstätte bringen soll, die aber selbst Moses in ihren Ursachen und Wirkungen ganz zu durchschauen als Mensch nicht vermag. 3 Mos. 20, 2 ff. sagt Gott, wenn das Volk ein todeswürdiges Verbrechen unbestraft läßt: „Ich werde mein Antlitz gegen diesen Menschen richten und ihn ausrotten", d. h. Gott wird den Verbrecher durch die Führung seines Schicksals untergehen lassen. Im Priestersegen 4 Mos. 6, 24 st. heißt es: „Ter Ewige wende Sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden", d. h. durch die göttliche Führung wird der Gesegnete Frieden haben. So ist mit dem „Antlitz" Gottes immer der Begriff der unmittelbaren Führung Gottes verbunden. Aus dieser göttlichen Führung können wir am ehesten die Uebcrzengung von Gott und seiner Verbindung mit uns schöpfen und je offenbarer jene sich bewährt, desto gewisser wird uns die Erkenntnis; werden, und unfern Geist und Willen sich unterlhan machen. Der Begriff von Gott, ohne den von der Vorsehung und Vergeltung, ist durchaus unvollständig, und erst durch die Gewißheit der göttlichen Führung, d. i. im Ganzen der göttlichen Weltordnung, im Leben der Völker und der Individuen der göttlichen Fügung der Geschicke, kommt uns das Wesen Gottes zum klaren Bewußtsein und zu innigem Gefühle. Was nun Israel betrifft, so wird als das Ziel dieser unmittelbaren Führung oft genug sowohl in dem Erwerbe des h. Landes als auch in dem reichen Ertrage, in ungehinderter Vermehrung, in hohem Alter u. s. f. bezeichnet, also in dem, durch Arbeit und göttlichen Segen sich mehrenden Wohlstände des Volkes. Offenbarung nicht etwa einen blinden Glauben, einen buchstabenmäßigen Gehorsam, eine durch das Wort bewirkte Gebundenheit erzielen und fordern sollte, sondern daß sie durch die Erkenntniß die Erleuchtung und Aufklärung des Geistes, sowie durch die Ueberzeugung der göttlichen Führung der Menschengeschichte zu den höchsten sittlichen gesellschaftlichen Zielen wirken und hierdurch die Bervollkmmnung der Menschen und der Menschheit im großen Verlaufe der Entwickelung herbeiführen sollte. — Allerdings umschloß das „Heilige" auch den Räucheraltar, über welchen wir weiterhin zu sprechen haben. (Fortsetzung folgt.) Die antisemitischen Wavderreiseu. Tie Vorgänge in Westfalen, über die wir in vor. Nr. berichtet haben, besitzen denn doch eine Bedeutung, daß wir sie an dieser Stelle würdigen müssen. Tie Schwingen des Berliner Antisemitismus sind lahm geworden. Er birgt sich zwar unter den Schutz der Conservativen; aber diese verspüren keine große Lust mehr, noch starke Geldmittel für denselben herzugeben, da seine Wirksamkeit sich nur in geringem Maße bethätigt hat. Tie Versammlungen mit dem Thema „die Judenfrage" ziehen nicht mehr, und man kann diese nur noch beiläufig in conservativen Wahlvereinen und in den „christlich-socialen" Kneipen behandeln. Die meisten antisemitischen Blätter und Blättchen sind eingegangen, die Broschüren- und Flugblätterliteratur ist, weil ohne Absatz, verstummt. Die meisten antisemitischen Lärmmacher, wie Henrici, Ruppel u. A. sind vom Schauplatz zurückgetreten und kein einziger Mann von Bedeutung, außer Prof. A. Wagner, hat sich zu Stöcker gesellt. Alles dies sind Symptome der Schwäche, in welche diese Agitation gefallen ist. Um so näher lag es, daß der Genosse Stöcker's, Max Lieberman v. Sonnenberg, der schon in der Blüthezeit des Antisemitismus in Berlin so glänzend durchgefallen ist, als er sich als Candidat zum Reichstage aufspielte, und in Berlin so gut wie unmög- Bei dem einfachen, auf Ackerbau angeblich geworden, nach der Provinz wanderte, um dort sein wiesenen Volksleben kann aber füglich nichts mehr als sym-1 Glück zu versuchen, wo es Stöcker vor einigen Jahren gcbolischer Repräsentant dienen als „das Brod, Speise, lungen war. Dies ist das erste, worauf wir ein Gewicht zu Lebensunterhalt." Somit ist 2'.'^ 2.->7 „das Brod der Führung legen, nämlich daß die antisemitischen Agitatoren in Berlin, Gottes", d. i. der durch Gottes unmittelbare Führung herals an ihrem früheren Heerde, kein Fortkommen mehr finden vorgebrachte Wohlstand, aus welchem sich eben wieder Gottes und dies auswärts zu suchen genöthigt sind. Herr Lieberunmittelbarc Führung erkennen ließe. Darum war die Zahl manu wählte sich Westfalen. In der Reichshauptstadt hat der Brode 12, also Israel in seiner Ganzheit umfassend; man in gewissen Kreisen cigenthümlichc Vorstellungen von darum wurde es mit dem Sabbath in Verbindung gebracht,! den Provinzen. Einige derselben hält man noch für sehr welcher das materielle Leben Israels einznschließen und zu dunkel beschattet, und im Trüben läßt sich ja gut fischen.

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