Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1884)
- Date
- 1884-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeilun "Allgemeine des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles indische Interesse. Diese Leitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig S Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KZepedrLiorr: Leipzig, WoßpLcrh 18. In redattionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr l2M.) sind gleichfalls an letztere einznsenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 12. August 1884. Xo. 33. Inhalt. Leitende Artikel: Die Erweiterung und Vertiefung der Lehre II. — Die antisemitischen Wanderreisen. — Einige Fragen und Bemerkungen. IV. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Colberg, Emden, Allenstein. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg, Zala-Egerßeg.— Rußland: Warschau. — Amerika: Cincinnati. — Bonn: Notizen. — Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. — Zur Charakteristik des jüdischen Stammes. Bonn, 6. August. Die Erweiterung und Vertiefung der Lehre. ii. Das das Allerheiligste, das Heilige und den Hof mit dem Altar umfassende Mikdasch repräsentirte also den Gedanken der Verbindung Gottes mit dem Menschen und des Menschen mit Gott, und machte ihn durch den Cultus actuell. Fm Allerheiligsten stand die Offenbarungsstätte, die sowohl die abgeschloffene schriftliche enthielt, als auch die zukünftige Offenbarung durch das prophetische Wort darstellte. Der Zweck der Offenbarung bestand in der Erleuchtung des menschlichen Geistes innerhalb der Grenzen des letzteren und in der sittlichen Vervollkommnung. Zu diesem Zwecke führten zwei Wege: Die durch die Offenbarung bewirkte und stets zu fördernde Erkenntniß und die göttliche Führung in den Fügungen des Geschickes. Diese beiden daher mußten symbolisch ausgeprägt werden, und es geschah dieses in dem „Heiligen", welchem die Vermittlung zwischen der Offenbarungsstätte und der Opferstätte (Altar) oblag. Wir finden deshalb im „Heiligen" den siebenarmigen Leuchter, in dessen Lampen aus reinstem Oele das Licht ununterbrochen, Tag wie Nacht, brannte, und den Schaubrodtisch, auf welchen jeden Sabbath 12 Brode aufgelegt wurden, nach der Zahl der Stämme Israels; die alten Brode wurden hinweggenommen und von den Priestern innerhalb des Heiligthums! verzehrt. Um die Bedeutung des Leuchters richtig zu erkennen, muß man sich vergegenwärtigen, daß der Zweck nur sehr nebensächlich die Erleuchtung des „Heiligen" sein konnte, da der Leuchter dicht vor dem Vorhänge stand, während j doch sonst die Lampen hätten vertheilt werden können, und j daß sie auch des Nachts brennen mußten, wo sie ganz überflüssig waren, da in der Nacht Niemand diesen Raum zu betreten hatte. Nichts hingegen ist häufiger, als daß Licht und Erkcnntniß der Offenbarung im h. Worte synonym gebraucht werden (,;. B. Fes. 2, 5. Pf. 36, 10. 19, 9. 119, 8. 105. 135. Spr. Sal. 6, 23 u. oft). Der Leuchter mit seinem Lichte drückt hiermit symbolisch die durch die Offenbarung bewirkte und vermittelte Erkenntniß aus und deshalb mußte; die Zahl der Lampen 7 sein, die symbolische Zahl der , Zurückführung aus dem materiellen Leben zum geistigen, religiösen Leben (Sabbath), die durch die Erkenntniß durch die Offenbarung wesentlich erfüllt wird. Darum mußte auch dieses Licht ununterbrochen brennen, weil die Erkenntniß nicht aufhört und nicht aufhören soll, aus der Offenbarung zu strömen und iu Israel niemals ausgehen soll. Wird doch auch die Offenbarung oft eine „Leuchte" genannt (Pf. 119, 105. Spr. Sal. 6, 23), durch welche man erleuchtet wird (Pf. 19, 13). Diese Auslegung giebt denn auch der Prophet Secharja im 4. Äap. Auch die einzelnen Theile des Leuchters haben eine bezügliche Beveutung, die hier zu erörtern der Raum nicht zuläßt. — Viel schwieriger ist die Deutung des Schaubrodtisches, nnd doch fordert kein anderer Gegenstand am Heiligthume so sehr wie dieser einen symbolischen Sinn. Was sollen 33