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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-05 · Heft 32 (5.8.1884) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 32 (5.8.1884)
Date
1884-08-05
Page
Seite 507 (sequence 7)
Language
German
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507 Protestanten statt kleiner Menschen sieht, die mit Vertrauen > kein Jude und kein Judenfreund in die Partei ausgenommen und Liebe zu ihm emporschauen und von ihm sich unwerden. (Liese Vorsicht ist doch wohl überflüssig!) Ihre parteiischer Behandlung versehen; 5) ein Jude, derben letzten Stimme dürfen die Mitglieder der Partei nur solchen Can Pfennig an die Ausbildung seiner Kinder wendet, wird von! didaten geben, welche sich offen zu den antiseniitischen Grundmir als Mensch, Lehrer und Vater weit höher gewerthet als! sätzen bekennen, welche Schönerer und Fürnkranz ausgeder christliche, oft reiche Dummkopf, der sagen kann: „Ich habe nichts gelernt und meine Kinder brauchen» auch nicht." Israeliten petitioniren nicht um Verkürzung der Schulzeit; nun, so müffen sichs gewisse dumme Christen auch gefallen laffen, wenn ihnen aus ihrer Unwissenheit Nachtheile erwachsen, die ihnen nicht immer, nicht einmal vorzugsweise, durch Juden zugehen. Wie Sie aus diesen wenigen Sätzen entnehmen, bin ich ein Mann mit humanen, wahrhaft-, nicht pseudochristlichen Grundsätzen und kümmere mich nicht im Mindesten darum, wenn mich wegen solcher das „Vaterland" den Redakteur einer wüthend kirchenseindlichen Zeitung nennt. Traurig genug, wenn die Kirchenfreundlichkeit Intoleranz heißt, daß ihre Anstrengungen vergeblich sind. r. . r Karlsbad, 14. Juli. (Privatmitth.) Oesterreich-Ungarn. Wien, 17. Juli. Die von verschiedenen Seilen aufgetauchteu Gerüchte über die Gründung eines antisemitischen Tageblattes in Wien durch Schönerer sind gänzlich unbegründet. Abgeordneter Schönerer arbeitet jetzt mit seinen Parteigenoffen an dem Programm der antisemitischen Partei für die nächste Reichsrathswahl. Tic Antisemiten wollen sich, nachdem sie von den Demokraten zurückgewiesen wurden, an die Clericalen anschließen. Zunächst sollen in den Bezirken Zweigvereine des Reformvercins errichtet werden. sprachen haben. Man sieht, an Eifer läßt es Schönerer nicht fehlen; auf Erfolg aber, glauben wir, wird er nicht zu rechnen haben. Die antisemitischen Schreckbilder haben bereits ihre Wirkung verloren, und grundsätzlich judcnseind liche Menschen giebt es doch nicht allzuviele, solche, welche alle Rücksichten aus die großen Fragen, welche den österreichischen Staat bewegen, und alle Beziehungen zu den bestehenden Parteien aufgeben, nur um die Juden zu verfolgen. Mag daher immerhin das Häuslein entschiedener Antisemiten ihre Beniühungen um die Wahlen so frühzeitig wie möglich anheben: vielleicht erfahren sie um desto früher. Wie im vorigen Jahre, so weilt auch dieses Jahr die Kaiserin Eugcnic hier zum Kurgebrauch und bedient sich des hiesigen bekannten I>r. London als ärztlichen Rathgebers. Ein hoher geistlicher Würdenträger, der sich ebenfalls in Karlsbad aufhält, sucht sich der Kaiserin zu nähern, was demselben alsbald auch gelingt. Nachdem die Bekanntschaft bis zu einem Grade gediehen war, welcher den geistlichen Herrn zu einer größeren Vertraulichkeit ermuthigte, machte derselbe die Kaiserin daraus aufmerksam, daß ihr Ordinarius ein Jude und er (der geistliche Herr) in der Lage sei, ihr einen gut christkatholischen Drei Wiener Bezirke sind für antisemitische Reichsraths- > Arzt zu empfehlen und zuzusührcn. Die Kaiserin, von diesem Candidaten ausersehen; außerdem stellt Schönerer seine Ge-^ Anträge höchlichst überrascht, bemerkte dem geistlichen Herrn, sinnungsgenoffen als Candidaten auf dem flachen Lande auf;! daß ihr die Confession ihres Arztes wohlbekannt sei, daß sie in Böhmen sollen Herbst, Reschauer und Meißner antisemi-! jedoch von jedem Borurtheil gegen Juden absolut frei, übertische Gegencandivaten erhalten. Wien, im Juli. (Privatmitth.) Es ist längst kein Geheimniß mehr, daß der Antisemitismus in Berlin wie in Ungarn vorzugsweise betrieben worden, um in den parlamentarischen Wahlen als ein Wahlmittcl zu dienen. Daß dies mit der Behandlung des vr. L. vollkommen zufrieden sei. Man kann sich die Verblüfftheit des geistlichen Herrn über diese Aeußerung aus dem Munde einer so streng katholischen Dame, wie Ex-Kaiserin Eugenie, leicht vorstellen: die Kaiserin indeß versäumte nicht, diese Episode an» ihrem er als solcher Wahlzweck in Berlin gar keinen, in Ungarn! Karlsbader Aufenthalt bei nächster Gelegenheit ihrem Ordinär einen verhältnißmäßig geringen Erfolg gehabt hat, wird , narius selbst lächelnd zu erzählen. die Agitatoren, weil sie eben keinen anderen Weg wissen,! AuS Galizien, 21. Juli. In Drohobyez ^Galizien) sich geltend zu machen, nicht abhalten, bei allen bevorstehenden; inscenirten die Bergwerksarbeiter vorgestern Abend» Inden- Wahlen ihr Geschrei und ihre Wühlereien wieder anzufangen, krawalle; acht Häuser wurden demolirt, mehrere Personen Im nächsten Jahre werden Neuwahlen für den österreichischen verwundet. Reichsrath stattsinden. Und siehe da, schon jetzt beginnt der , . antisemitische Führer in Oesterreich auf Wahlpropaganda für! c sich und die Seinigcn zu denken. Der Abg. v. Schönerer ' Brussel, im Juli (Privatmitth.) Die öffentlichen Blätter hat ein Wahlprogramm für seine Anhänger erlaffen. In haben genugsam von dem eklatanten Siege berichtet, welchen demselben fordert er alle antisemitisch Gesinnten aus, sich die liberale Partei am hiesigen Platze und in Tournai bei behufs der Wahlen zu einer Partei zusammen zu fassen; es den Wahlen für den Senat, allerdings erst bei den Stichmüffen aber lauter entschiedene Männer sein und es dürfe wählen, mit einer Majorität von fast 600 Stimmen errungen

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