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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-05 · Heft 32 (5.8.1884) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 32 (5.8.1884)
Date
1884-08-05
Page
Seite 506 (sequence 6)
Language
German
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506 ^ADCxkxWX^WCLC | tief} XcW. Deutschland. I Berlin, 20. Juli. (Privatmitth? Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes versendet folgende Aufforderung, die wir eifrigster Beachtung empfehlen. Sehr geehrter Vorstand! Sehr geehrter Herr! In Ausführung eines Beschlusses des IV. ordentl. Gemeindctages richtet der Ausschuß des D. I. G. B. an Sie i rie ganz ergebene Bitte, ihn hierbei in der Weise zu untersrützen, daß Sie uns aus Ihrer gesch. Gemeinde und deren Umgegend solche Handwerksmeister namhaft machen, welche den j religiösen Gefühlen der Lehrlinge keinen Zwang anj thun, ihnen also gestatten wollen, an Sabbathen und Festtagen zu feiern und auch den andern religiösen Vorschriften nachzukommen. Antwort gefl. an das Bureau des D. I. G. B.. Sigismund-Str. 5. Hochachtungsvoll Der Ausschuß Dr. Samuel Kristeller. Hattingen (Westfalen), im Juli. (Privatmitth.) Der antisemitische Wanderprediger Liebermann v. Sonnenberg, der in Berlin kein Publikum mehr findet, durchzieht jetzt Westfalen, um das Volk gegen die Juden aufzuhetzen und sich durch dieses Verdienst vielleicht einen Wahlkreis zu erobern. Aber er er hat kein Glück hierzulande. Als er neutichst Hierselbst einen Vortrag halten wollte, protestirten die angesehensten Einwohner öffentlich dagegen, und er fand kein ^okal für seine Versammlung, so daß er seine bekannten Phrasen in einem benachbarten Dorfe ableiern mußte. Aus Westfalen, 22. Juli. Je weiter der bekannte antisemitische Wanderagitator im Westen vorzudringen sucht, um so reichlicher mehren sich die öffentlichen Gesammtproteste gegen sein Treiben. Interessant ist es, daß neben diesen Protesten jetzt auch einmal amtlich vor der Hetze gewarnt tvorden ist. In der Centralmcrkstätte der Eisenbahn zu Witten ist, wie wir der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" entnehmen, folgender Anschlag angeheftet: „In den hiesigen Zeitungen wird von einem Comite ui einem Vortrage über die Judenfrage eingeladen. Dergleichen Vorträge sind darauf berechnet, die bisher in unsrer Stadt zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften stattgchabte Einträchtigkeit zu erschüttern und zwischen friedlich nebeneinander wohnenden Bürgern Haß und Zwietracht ui erregen. Ich nehme an, daß die mir unterstellten Arbeiter keinen Theil nehmen an den Bestrebungen solcher Leute, und daß sie sich auch im vorliegenden Falle so benehmen werden, wie es sich für Arbeiter geziemt, die in einer königlichen Eisenbahnwerkstatt beschäftigt sind. Ich ersuche daher sämmtliche Arbeiter, jenen Vortrag nicht zu besuchen, sich überhaupt morgen Abend von dem fraglichen Lokal fern zu halten und hierdurch zu bekunden, daß sie die Bestrebungen der gu. Comit«; - Mitglieder verachten. Der königliche Eisenbahn- Maschineninspektor. " In derselben Stadt haben achtundvierzig Institute, Lehrer, Beamte, Kaufleute, Juristen, Mediciner rc. ebenfalls eine Erklärung gegen den Versuch eines Imports der Stöckerei veröffentlicht. Dortmund, 17. Juli (Bolksztg.) Dem Beispiele Bochums folgend, erlassen nunmehr auch hier angesehene Bürger aller politischen Parteien eine Erklärung, welche die Hetzreden des Berliner Antisemitenapostels Liebermann v. Sonnenberg entschieden und scharf verurtheilt. Die Bewegung ist auch hier! in Westfalen im Abnehmen begriffen. Während in Bochum vor einem halben Jahre ca. 3000 Personen bei dem L.'schen Bortrage anwesend waren, sollen diesmal kaum 600 Personen das Schützcnhaus besucht haben. Heute macht Herr L. v. j S. Unna unsicher, morgen wird Dortmund die zweifelhafte Ehre seines Besuches haben.! Fürth, im Juli. (Privatmitth.) Es ist schon oft und gewiß mit Fug und Recht die Klage erhoben worden, daß j gerade viele Lehrer sich zum Werkzeuge der Borurtheile und des Hasses machen, welche im Volke gegen die jüdischen Mitbürger aller Klaffen verbreitet werden. Dennoch ist dies glücklicher Weise nicht allgemein der Fall, und als einen Beweis hierfür geben wir eine Erklärung wieder, welche der Redakteur der „Bayerischen Lehrer-Zeitung", eines Blattes, welches im Namen des Bayerischen Bolksschullehrer-Bereins herausgegeben wird, in No. 29 vom 18. Juli veröffentlicht hat. Herr Pfeiffer erklärt: An den Absender der Manifeste (vieler Exeniplare) zur Bekämpfung des Judenthums — in München (lt. Poststempels). Sie können sich die Mühe ersparen, mich für diese Bestrebungen als Redakteur der bayr. L.-Z. zu gewinnen und zwar aus ö Gründen: 1) ist für mich der Antisemitismus ein Symptom auch der Reaktion, die auf den Lehrersiand drückt, denselben geringschätzt und des Einzelnen Mannes- und Menschenwürde bei jeder Gelegenheit mißachtet; 2) geht der Antisemitismus von Parteigängern aus, deren letzte Ziele.wir zu kennen vermeinen; 3) bin ich zu human, als daß ich aus Vorurtheil Mitmenschen verdamme und mit Geringschätzung betrachte, weil sie mit vereinzelten Andern, denen man, gerade so wie bei den Christen, mit Recht etwas vorwerfen kanu, zufällig gleichen Volksstammcs und gleicher Religion sind; 4) ich halte den für einen Lehrer, der seinen Beruf verfehlt hat, welcher in den seiner Fürsorge unterstellten Kindern Juden, Katholiken

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