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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-05 · Heft 32 (5.8.1884) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 32 (5.8.1884)
Date
1884-08-05
Page
Seite 503 (sequence 3)
Language
German
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503 die richtigen sein. Aber gerade was die allgemeinen Ideen * betrifft, die sich aus der Erwägung dieser Symbolik ergeben,! meinen wir doch das Richtige gefunden zu haben. Wenigstens; haben uns wiederholte Forschungen zu anderen Resultaten j nicht gebracht. Wenden wir uns zunächst zum Heiligthume selbst. Ganz verschieden von den uns sonst bekannten Tempeln des Alterthums, besieht es aus dem „Hofe" und der „Wohnung" (;:v'2). Im Hofe steht der Opferaltar; im Allerheiligsten, dem zweiten Thcile der Wohnung, die Lade; im Heiligen der Leuchter und der Schaubrodtisch. Schon hieraus erhellt, daß der Gedanke des ganzen Heiligthums ein anderer war, als der, welcher die Cultstätten der anderen Rationen hervorgerufen. Hier war nichts als ein Altar vor dem Raume, der die Bildsäule des Gottes umschloß, und auf diesem Altar wurde geopfert, um das Wohlgefallen dieses Gottes zu^crwerben, dessen Zorn abzuwenden oder ihm Tank darzubringcn. Das mosaische Heiligthum entfaltete ganz andere Ideen. Nicht nur, daß in demselben von einem sichtbar darzustellenden Gotte keine Spur sein durfte: der Gedanke des Ganzen war die Verbindung zwischen Gott und Israel, also dem die Menschheit vertretenden Religionsvolke zu vermitteln, aber nicht blos die Verbindung zwischen dem Menschen und Gott, sondern auch zwischen Gott und dem Menschen; nicht bloß vom Menschen zu Gott hin, sondern auch von Gott zum Menschen hin. Dies wird uns am besten cinleuchten, wenn wir zuvor die einzelnen Theile des Heiligthums näher betrachten. In der Lade befanden sich die zwei Tafeln, die zum ewigen „Zeugniß" der bereits gegebenen Offenbarung dienen sollten; sie war geschloffen und somit die gegebene Offenbarung an sich als unveränderlich und abgeschlossen bezeichnet. Sie war geschloffen durch die goldene Platte (n~Er), deren .Hauptbestimmung aber nach 25, 22 war, daß alle zukünftige Offenbarung von da aus, wie jene vergangene vom Sinai geschehen solle. Von hier soll Moses die Stimme vernehmen, die mit ihm spricht (3 Mos. 16, 2. 4 Mos. 7,69). Somit repräsentirt die Lade mit der Platte die ganze Offenbarung an Israel, wie diese theils in ewigen Fundamentalsätzen bereits abgeschlossen ist, theils zu weiterer Ausführung immerfort sich gestalten werde. Aus der Platte erhoben sich die beiden Cherubim, lieber die Bedeutung dieser ist vielfach gestritten worden, insbesondere weil man nicht, was doch ganz offenbar ist (man lese die Beweise in unserem Commenrar) einsah, daß die Cherubim bei dem Psalmisten und bei Ezechiel zu einer ganz anderen, von der mosaischen völlig verschiedenen Vorstellung geworden sind. Man erinnere sich, das; schon 1 Mos. 3, 24 die Cherubim den Menschen verhindern sollten, „den Weg nach dem Baume des Lebens" zu finden; man bemerke, daß überall da, wo von der zukünftigen auf der Platte stattsindenden Offenbarung die Rede ist, immer gesagt wird, daß Gott von der Platte herab „von zwischen den beiden Cherubim her" reden werde (2 Mos. 2ö, 22. 4 Mos. 7, 89). Die mosaischen Cherubim bedeuten also die Abgrenzung der göttlichen Offenbarung dem Menschen gegenüber. Bei Eden wird zwar die Verbindung Gottes mit dem Menschen nicht aufgehoben (s. 1 Mos. 4.), aber die Cherubim versiegeln doch dem Menschen die reine Göttlichkeit, in die er niemals aufgehen soll, und so soll auch aus der Platte symbolisch durch die Cherubim die göttliche Offenbarung begrenzt sein, indem sie den Menschen nicht über sich selbst, sein Wesen und seine Kräfte erheben, indem sie über diese nicht hinausgehen soll. Die Cherubim sprechen also den Gedanken aus, daß die göttliche Wahrheit in ihrer llncrmeßlichkeit und Unbegrenztheit nicht für den Menschen bestimmt ist, sondern daß die Offenbarung nur zu menschlicher Erkenntniß und zu menschlicher Heiligung fuhren solle. Darum begrenzen die Cherubim und schließen ab auch räumlich die Offenbarungsstätte, darum breiten sie ihre Flügel in der Höhe über dieselbe hin und neigen ihr Antlitz ihr zu; darum erscheinen sie auch auf dem innersten Teppich der Wohnung (2 Mos. 26, 1) und dem Vorhang (26, 31), um so das Heilige wiederum im Allgemeinen abzugrenzen. — Man wird aus dieser nur skizzenhaft gehaltenen Deutung schon erkennen, welche tiefreligiöse Gedanken hier symbolisch ausgeprägt sind, und da das h. Wort gerade über die Offenbarung selbst sich nur kurz ausläßt, vermögen wir hier tiefere Einblicke in die Vorstellungen des großen Gesetzgebers über dieselbe zu thun. Wir werden aber noch von einer anderen Seite auf die Platte, deren hebräischer Name am füglichsten mit „Sühnplatte" wiederzugeben ist, zurückkommen müssen. (Fortsetzung folgt.) Ist -ie Autilemitenpartei in Ungarn eine Gefahr? Wir haben immer behauptet, daß die Antisemitenpartei als solche nichts ist, sondern nur daß, was man aus ihr macht. Diese Ueberzengung scheint sich auch jetzt in Ungarn Platz zu schaffen, und spricht sich in einem Artikel des „Budapester Tageblattes" vom 16. Juli aus. Es heißt da: Ein Fähnlein tapfrer Reisigen erscheint am fernen Horizonte und Schrecken ersaßt eine ganze Armee. Tie Antisemitenpartei, die siebzehn Mitglieder zählt, läßt die Regierungspartei, welche über zweihundert Köpfe oder richtiger wohl über zweihundert Stimmen verfügt, erzittern und in den dürren Blättern der Regierungspartei sätlselr gegenwärtig die Furcht. „Die Antisemitenpartei ist eine Gefahr!" ruft entsetzt der magyarische Oberoffiziosns täglich mindestens zweimal und die deutschen Zeitungen in Budapest, die ilr .

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