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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-29 · Heft 31 (29.7.1884) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 31 (29.7.1884)
Date
1884-07-29
Page
Seite 495 (sequence 11)
Language
German
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495 Blumenfeld als Stellvertreter hervor. Es folgt der Bericht s über die Unterstützungskaffe. Der Vorsitzende referirt: Die! in Essen v. Jahres beschlossene Abänderung des Statuts ist? von den Behörden genehmigt. Im Lause des Jahres sind j fünf neue Mitglieder der Kaffe beigetreten, so daß die Liste > jetzt 62 aktive, zahlende Mitglieder ausweist. Das Nominalj vermögen beträgt augenblicklich ca. 510U0 Mark. Der Bor? sitzende beklagt sich — wir dürfen das nicht verschweigen — j in seinem und im Namen des Rendanten über die Säumig- ' keit mehrerer Mitglieder der Kaffe in Entrichtung der Pflicht-1 beitrage. Es soll indes nunmehr den Saumseligen gegenüber! genau statutengemäß verfahren werden. Nachdem der Vorsitzende noch zu bedenken giebt, daß voraussichtlich immer; größere Anforderungen an die Kaffe gestellt werden dürften, und daß es dringend nöthig sei, den Wohlthätigkeitssinn in den Gemeinden zu wecken und zu beleben, schritt man zum nächsten Gegenstand der Tagesordnung: „Freunde und Feinde der jüdischen Schule" (Ref. Oppenheimer — Mülheim a. d. R.) Der gediegene Vortrag des Herrn O., an den sich eine recht lebhafte Debatte knüpfte, wurde mit lautem, anhaltendem Beifall belohnt. Es wurden folgende Thesen einstimmig angenommen: 1. Die Erhaltung der jüdischen Elementarschule, bezw. die Errichtung einer solchen, wo sie noch nicht besteht, ist eine Nothwendigkeit, weil in ihr der Lehrer seinen erziehlichen Einfluß auf die Jugend am ehesten geltend machen kann, um das jüdisch-religiöse Gefühl zu wecken und zu beleben, sowie der um sich greifenden Gleichgültigkeit gegen die Religion mit Erfolg entgegen zu treten. 2. Es ist die Pflicht der Gemeinden, die materielle Lage des Lehrers mit den gestiegenen Bedürsniffen des Lebens in Einklang zu bringen, überhaupt seine Stelle zu sichern. 3. Es ist daher dringend zu wünschen, dahin zu wirken, daß der jüdischen Schule der Character der Oeffentlichkeit verliehen werde. Es war unterdeffen schon spät geworden und cs erübrigte nur noch, den Ort der nächstjährigen Conferenz und die Vorträge auf derselben sestzusetzen. Als Confcrenzort wurde Herford bestimmt und die Vorträge 1. Ueber Collegialirät und Autorität (Res. Ostwald-Witten), 2. Was kann die jüdische Schule thun zur Beförderung der Theilnahme am Gottesdienst seitens der jüdischen Jugend? (Ref. Mansbacher- Petershagen), 3. Vom Einfluß des Lehrers aus die Wahl eines Berufes der aus der Schule entlassener Kinder (Ref. Mandel-Linz) festgesetzt. Hiermit war die Thätigkeit des ersten Conferenztages geschlossen. Die Synagogengemeinde in Duisburg hatte cs sich nicht nehmen lassen, die Conferenzbesucher am Abend zu einer Bowle in liebenswürdigster Weise einzuladen. Gegen 9 Uhr vorm, am Pfingstmontag wurde der zweite Conferenztag eröffnet. Auf der Tagesordnung stand 3., das Referat von Treu-Münster: „Die Lesebuchfrage." Diese Frage, so meint der Referent, sei eine alte Krankheit. Das Lesebuch sei gleichsam der Prügelknabe, den man für alle Schäden verantwortlich mache. Manchmal sei es ein Omnibus, worin alle Fächer bei einander Platz haben sollten. Das sei ein Fehler. Das Lesebuch diene dem Leseunterricht; denn mit dem Fortschritt im Lesen wachse das Verständniß der Schüler. Sprache und Ton müssen mustergiltig sein. Das Lesebuch sei ein Lebensbuch, das auch nach der Schulzeit ein guter Freund aus der goldenen Jugendzeit bleibe. Referent empfahl dann das im Verlage der Verlagsbuchhandlung G. D. Bädeker in Essen erschienene deutsche Lesebuch von Haesters- Richter-Blumenfeld. Alsdann erwähnte Ref. auch das deutsche Lesebuch für mehrklassige Bürger- und Volksschulen von Tietlein. Der Autor beabsichtige, dieses Buch in Verbindung mit israelitischen Lehrern für israelitische Schulen herauszugeben. Reicher Beifall wurde Herrn Treu für seinen lehr- ( reichen Vortrag gespendet. Blumenfeld-Essen knüpfte zunächst; daran, wie gesetzlich zu verfahren sei bei Einführung neuer j Lesebücher und empfahl das erst erwähnte Lesebuch. Ten! letzten Gegenstand der Tagesordnung bildeten die freien Be- , sprechungen, welche eigentlich immer die interessantesten der ganzen Conferenz sind. Sie behandeln die Erfahrungen, die von Collegen im Laufe des Jahres gemacht worden sind, Anfragen, Anträge pp. Sie gleichen dem Mosaikboden, der, obgleich wohlgeordnet, doch interessante Abwechselung dem Auge darbietet. Wir greifen aus denselben das Wichtigste heraus: Levi-Neuß wünscht den Unterschied zwischen öffeutlichen, Societäts-, Kirchengemeinde- und Privatschulen präeisirt zu wissen. Die Antwort darauf lautete: Ter preußische Staat kennt nur zwei Arten von Schulen, die öffentlichen und privaten. Die ersteren werden entweder von der politischen Gemeinde unterhalten und beißen daun Cominuualschulen oder von konfessionellen und heißen dann Soeietätsschulen. Hat nun eine confessionelle Gemeinde mehrere Pfarreien, so entstehen innerhalb derselben die Kircheugemeiudeschulen. Die Privatschulen sind diejenigen, denen der Eharakter der Oeffentlichkeit fehlt und denen somit alle Rechte abgehen, die die öffentlichen besitzen. Ersteren gebühre unterallen Umständen der Vorzug, und ist es von den jüdischen Gemeinden eine wahre Versündigung gegen das Judenlhum, die nie verantwortet werden könne, wenn sie die rechte Zeit vorübergehen lassen, um ihrer Schule die Wohllhat der Oeffentlichkeit zu verschaffen. — Mandel-Linz bringt die Titclfrage der jüdischen Lehrer, die ja fast alle in Rheinland-Westfalen zugleich Eultusbeamte sind, vor. Beit vollem Recht wurde es gerügt, daß manche mit der so schönen Bezeichnung „Lehrer" nicht zufrieden sind und sich gern „Prediger" tituliren. Auch wer predigt, sei ein Be-„lehrer": 31*

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