Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1884)
- Date
- 1884-07-29
- Page
- Seite 492 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227533--41907-3310423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
492 gemäßer Bestimmung eine oder mehrere Quoten erhalten.! und hält Versammlungen ab, in denen er die alte Rede des Auf Grund dieser Modalitäten sind die bestehenden Vereine > Herrn Henrici wiederholt. Da veröffentlichten nun einundsür die jüdischen Lehrer sowohl nach und nach zu beträchtlichen Fonds gelangt, als auch nach längerer oder kürzerer Zeit zur Bertheilung ansehnlicher Unterstützung. Sie wurden und werden allesammt von Menschenfreunden und Lehrergönnern reichlich unterstützt. Hierbei ist das Eine nur zu verwundern, daß noch immer eine große Anzahl Lehrer diese Wohlthat nicht begreifen und den gedachten Vereinen nicht beitreten. — Diesen Vereinen hat sich ein neuer angeschloffen, der sein Domizil in Berlin hat, am 4. Oktober 1880 gegründet worden und mit dem 17. März des laufenden Jahres ins Leben getreten und jetzt seine Statuten ausgegeben hat. Dieser neue Verein ist für die Cantoren und Cultusbeamten bestimmt, und führt den Namen „Hilfskaffe für israelitische Eantoren und Cultusbcamte und deren Wittwen und Waisen in Deutschland." Man muß gestehen, daß gerade für die Cantoren eine solche Hilfskasse noch nicht vorhanden gewesen, was wohl daher gekommen, daß in zahlreichen Gemeinden das Eantoramt von Lehrern ansgeübt wird, die also in dieser Eigenschaft den Lehrervereinen beitreten konnten. Jedes ordentliche Mitglied hat 5 Mark Eintrittsgeld und 6 Mark jährlichen Beitrag zu zahlen, außerdem bei jedem Sterbefall eines Mitgliedes 1 Mark, um die Wittwe sofort damit zu unterstützen. Außerordentliche Mitglieder zahlen 6 Mark jährlich, und wer dem Vereine eine Spende von mindestens 3(0 Mark zukommen läßt, wird Ehrenmitglied. „In die Casse können Eultusbeamte ausgenommen werden , welche im Gebiete des Deutschen Reiches bei einer israelitischen Gemeinde eine feste Anstellung auf die Dauer von mindestens einem Jahre haben, wenn dieselben innerhalb des Deutschen Reichsgebiets wohnen, sich im Vollbesitze der sechzig der angesehensten Bürger Bochums, an deren Spitze der Geh. Kommerzienrath und Staatsrath Baare stand, folgende Erklärung: „Gegenüber den unter dem anonymen Schilde des Patriotischen Vereins Bochum (für Sonntag) angekündigten großen Volks-Versammlungen mit Vorträgen des Herrn Max Liebermann von Sonnenberg aus Berlin über die Judenfrage erklären die Unterzeichneten Bürger: 1) daß sie darin den bisher in unserer Bürgerschaft bewahrten konfessionellen und bürgerlichen Frieden gefährdet erachten, 2) daß sie darin die antipatriotische künstliche Erzeugung und Nährung eines Klassenhasses erblicken, der gegenüber unseren israelitischen Mitbürgern, die an Patriotismus, -Opferfreudigkeit und Bürgersinn sich jedem gleichstellen dürfen, keinerlei Berechtigung hat. Indem wir unserer gerechten Entrüstung hiermit Ausdruck geben, wenden wir uns an das Gewissen und an das Rechtlichkeitsgefühl unserer Mitbürger mit der Bitte: durch Fernbleiben von den Versammlungen ihre Berurtheilung dieser Tendenzen kund zu geben. Bochum, den 11. Juli 1884." Was wird aber Herr v. Liebermann gesagt haben, als er die nun folgenden Unterschriften durchlas, um zu entdecken, ob sich nicht etwa irgend ein „getaufter Jude" darunter besinde, wodurch die „Erklärung" in ihrer Wirkung vor einem antisemitischen Publikum vielleicht abgeschwächt werden könnte! Was wird er gesagt haben, als er unter den Einundsechzig den Herrn Justizrath Duesberg wiederfand, jenen selben Mann, in dem er einen Parteigenoffen begrüßen zu können glaubte, und der ihm nun seine weiteren Versammlungen zu vereiteln sucht. Herr L. v. Sonnenberg hat kein Glück im Westen: nennt doch sogar die stark regierungsfreundliche „Rheinischbürgerlichen Ehrenrechte befinden und das 40. Lebensjahr Westfälische Zeitung" die obige Erklärung der Bochumer noch nicht überschritten haben." Bürger eine „ beherzigenswerthe Bekanntmachung." Die übrigen Bestimmungen des Statuts sind nach dem? , Borbilde anderer derartigen Vereine abgefaßt. Wir können! . den neugebildeten Verein nur dringend zur Berücksichtigung Petersburg, 12. Juli. Wie die „Pos. Ztg." meldet, empfehlen. Zum Rendanten ist der Fabrikbesitzer Julius Jsaac hat die extrem antisemitische „Nowoje Wremja" höhererseits (Berlin, Ehauss^estraße 114) gewählt, an welchen Gelder für die Weisung erhalten, keine antisemitische aufregende Artikel den Verein einzusenden sind. j mehr zu bringen. Seit einer Woche nun beobachtet das Aus Westfalen, im Juli. Herr Liebermann v. Sonnen-! Blatt völliges Stillschweigen in der Judenfrage. Man kann berg reist augenblicklich in Westfalen umher. Seine anti-! der Regierung nur Dank dafür wiffen, und erfüllte sie damit fortschrittlichen Freunde in Berlin haben ihn schwer gekränkt, : eine Forderung der Gerechtigkeit und der allgemeinen Sicherda sie ihn diesmal nicht wieder in der Hauptstadt als Wahlj heit. Die Antisemiten werden sagen: das ist keine Widerkandidaten aufgestellt und seinem opferfreudigen Muthe so die' legung, sondern Unterdrückung. Aber so gut wie der Staat Gelegenheit geraubt haben, in einem Berliner Kreise durchnicht die Auslassungen der Socialisten und Nihilisten dulden zufallcn. Er sucht nun in den Westprovinzen sein Heil! darf, damit sie nicht ihr zerstörendes Gift im Volke aus- und hofft wahrscheinlich, daß sich in jenen Gegenden, allwo streuen, ebensowenig darf er es den Antisemiten gestatten, man seinen Freund Stöcker gewählt hat, auch für ihn ein' Haß, Verfolgung durch Verleumdung und Aufreizung gegen Plätzchen finden werde. Vorläufig sondirt er nur das Terrain 8 Millionen friedliche Unterthanen des Reiches zu erregen