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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-29 · Heft 31 (29.7.1884) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 31 (29.7.1884)
Date
1884-07-29
Page
Seite 488 (sequence 4)
Language
German
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488 von der andern, ein Tondichter vom andern entlehnte und hörte, dessen Züge Jesus trug, als er auf Erden wanlernte. Und nun sollte den Juden, wenn man ihnen denn!delte, das einen Spinoza hervorbrachte, einen so großen die Ehre anthun will, sie heute noch, und zwar vor ihrer Menschen, wie man auch sein Lehrsystem ansehen mag, ein Rückkehr nach Palästina, als ein besonderes Volk anzusehen,! solches Geschlecht ist nicht mit pöbelhaften Verfolgungen klein nicht .erlaubt sein, zu thun, was alle Nationen thaten? zu kriegen, nicht durch unsinnige Projekte zu entfernen — Mendelssohn habe von Bach und Händel viel gelernt — j man trete ihm wie Anderen streng entgegen, wo es fehlt, allerdings that er das — thaten es nur recht viele andere. wo es sündigt, und erkenne es an. wo es arbeitet, schafft und Meyerbeer habe die italienische und die deutsche Schule verwirkt gemeinschaftlich mit den verschiedenen Völkern, unter einigt — aber in allen sogenannten Kunstgeschichten wird die sein Geschick es vertheilt hat. es als die That Mozart's gepriesen, die italienischen Elemente Was soll das heißen, von begabten Menschen zu vermit den deutschen verschmolzen zu haben, weswegen ich, so Klangen, sich in Zustände, in Anschauungen zu versetzen, die wenig als er selbst es that, Meyerbeer mit Mozart in eine ihnen stets fremd geblieben, denjenigen zu entsagen, in Reihe setzen möchte. Und der große Händel, was hat er nicht im eigentlichsten Sinne des Wortes den Italienern entlehnt? Und Gluck? Hat Mozart nicht von Haydn, und dann wieder Haydn von Mozart gelernt? Findet man nicht in den Werken des mächtigen Beethoven mehr Haydn und Mozart, bei Weitem mehr als Händel und Bach in den Werken Mendelssohn's? Von den echtesten Mendelssohn'schcn Werken, welchen sie auferzogen, — ihnen einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie den Reichthum einer Cultur benutzen, den sie zu vermehren im Stande sind, und den diejenigen, welche ihn besitzen, wahrlich auch nicht nur aus eigener Selbstherrlichkeit hervorgebracht. Wie viel haben wir den Franzosen und Engländern zu verdanken? wie lange ists her, daß es im deutschen Vaterlande mit der Bildung, von welcher man von denjenigen, die ihn freilich nicht als einen jüdischen, aber die Juden jetzt entfernt halten möchte, recht dürftig aussah'. einen höchst selbständigen originalen Tondichter hinstellen, von diesen wird nicht gesprochen — freilich hätte auch diese ein guter Christ machen können — wenn er die hinreichende Erfindungsgabe gehabt hätte. Aber wo findet sich denn eine eigenthümlichere und zugleich schönere Ursprünglichkeit in neuerer Zeit, wie die, der die Walpurgisnacht, die Musik zum Sommernachtstraum, die Concert-Ouvertüren das Leben Unsere Cultur ist ein Agglomerat weit auseinander liegender Einflüffe — und einige Tausend Menschen, die ihr, mit oder ohne Verschulden, lange fernstanden, die sollen ihr fernbleiben, weil — doch wohl nicht, weil man ihre größere Concurrenz fürchtet? wie es bisweilen den Anschein hat. Taß bedeutende Menschen es sich zur Aufgabe machen können, gerade diejenigen unter den Israeliten anzugreifen. verdanken? Daß diese Herrlichkeiten von einem Juden denen sie sich, als zur Geistesaristokratie gehörig, gesellen hcrrühren, hat Niemand dem Componisten vorzuwerfen Gemüßten, das ist widernatürlich und kann nur aus Antrieben legenheit genommen — Germanen und Romanen, Katholiken! hervorgehen, denen man am besten nicht nachforscht. Als und Protestanten haben sich gleichmäßig daran erfreut — wie! vor 4t) Jahren Felix Mendelssohn im Gewandhaussaale zu selbstbewußt überlegen würde ein französischer Künstler lächeln, Leipzig, Franz Liszt zu Ehren, die ganze gebildete Gesellwenn er hörte, welche Gesichtspunkte unsere hervorragendsten > schüft eingeladcn hatte und ihm ein Concert veranstaltete, Musiker aufstellen, um — um — ja, doch wohl hauptsächj roie er es weder vorher noch nachher irgend Jemandem zu lich um sich überlegene Rivalen vom Leibe zu schaffen. In. Liebe gethan, wer hätte damals glauben mögen, daß der einer Hinsicht theilte Felix Mendelssohn freilich das Schicksal anderer jüdischen Größen — man hat viel bei ihm geborgt, — aber ihm wenig Gelegenheit gegeben, sich wieder bezahlt zu machen. Im Grunde ist alles, was man gegen dieses Gerede vorbringt, sehr überflüssig. Die Geschichte geht ihren Gang; anstatt demselben mit kleinlicher Beschränktheit entgegentreten große Virtuose des großen Componisten einst in solcher Weise gedenken würde! Es ist allerdings lange her und viel liegt dazwischen, vor Allem der Tod des letzteren! Geradezu komisch klingt cs aber, wenn Liszt den jüdischen Künstlern vorwirft, sie handelten nach dem Worte Molwres: .,Lt mil n’aura du talent, hors nous et nos amis!“ In welchem Lager dieser Vers eine vielleicht nie dagewesene Bedeutung zu wollen, sollte man versuchen, ihre Absichten zu errathcn > erlangt hat, — das weiß wahrlich Niemand bester als Liszt und, so weit man sie versteht und würdigt, sein Bestes thun, selbst, wenn er auch nicht nöthig hatte, für sich dabei mitihre Schritte zu fördern. Ta ist nun einmal eine Religion, ein Volk, eine Race, wie man es bezeichnen mag, die durch die greulichsten, den albernsten Borurtheilen entsprungenen Verfolgungen das Unsäglichste erduldet hat und nicht allein nicht untergegangen ist, sondern sich stets wieder erhebt zu bedeutenden Leistungen. Ein Geschlecht, dem Moses angezuwirken."

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