Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1884)
- Date
- 1884-07-29
- Page
- Seite 487 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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487 meiner Sphäre), wenn sich nicht Streifzüge in das Gebiet Aschen wie Wein und auch so schmecken mögen — wir wissen» der Kunst darin fänden, die, dem Anscheine nach unbefangener! aber besser, es ist alles nur Fälschung und eigentlich gehörtet Art, den Erfolg haben könnten, harmlose Gemüther zu Ge-1 ihr vor die Gerichte. fangenen zu machen. Es wird da ein Kunstgriff angewendet,! Verzeihen Sie, wenn ich allzu redselig werde — es ist dessen Wesen ich nicht näher bezeichnen mag, der aber darin! wahrlich nicht meine Absicht, eine Abhandlung über die liegt, die jüdische Religion alten und neuen Datums, die! Semitensrage zu schreiben. Doch komme ich jetzt aus die verschiedensten Zeiten, Gebildete und Ungebildete, die Ursprung-| fünfte in der Liszt'schen (?) Erpectoration, aus die ick cs liche Race, die gegenwärtige Nationalität, alles durcheinander! abgesehen. — Er schreibt unter Anderem: zu werfen und schließlich das Volk Israel hinzustellen mit > „Wie aus der Bühne und in der Malerei, so ist die der Empfindungsweise, die ihm zu eigen gewesen sein mag, i Kunst der Juden auch in der Musik nach der christlichen als es das Klagelied sang: „An den Wassern zu Babylon! Schablone gerathen. Sie machen nicht einmal den Versaßen wir und weinten." Daß der Jude in seinem jetzigen such, sich von unseren Methoden zu emancipircn; sie denken Vaterlande Wurzel fassen, mit seiner Seele, seinem Geiste, nicht daran, unsere Meister nicht nachzuahmen, andere Geseiner Liebe demselben angehören könne, diese Annahme wird fühle zu besitzen, andere Saiten anzuschlagen als die unseren, bei Seite geschoben — das, was besteht, absichtlich ignorirt.; Meyerbeer that nichts, als die italienische und deutsche Schule Ist Simson, der erste Präsident eines deutschen Reichstages, zu vereinigen, neben einander zu stellen; die Combination eines höchsten deutschen Gerichtshofes, kein Deutscher? Ist war neu und sicherte ihm eine beispiellose Popularität, aber es der Erzähler der Dorfgeschichten nicht, der tiefer ins Volk es war nichts als bloße Combination. Mendelssohn hat gedrungen als irgend einer seiner mitlebenden Mitbewerber? nur das gethan, was Händel vor ihm that, allerdings mit Und Heine, der freilich witziger ist, als man es im Genuaneueren, den Gewohnheiten unserer Zuhörer angepaßten nischen zu sein pflegt, hat er nicht Lieder gesungen, welche Mitteln." sich den Goethe'schen anreihen? Ja, entgegnet man, die sind 1 Es wäre noch viel mehr zu eitiren, aber das Wenige sammt und sonders dem jüdischen Gefühl untreu geworden, genügt. Ter Hauptvorwurf, in welchem wenigstens ein Sinn Die Herrlichkeit Salomo's sollen die Juden besingen, ihre liegen könnte, der jenen Auslassungen folgt, ist der — die Sehnsucht nach dem Lande der Väter, ihr schmerzliches Juden, die da glauben, daß Palästina in ihnen seine Be- Hangen und Bangen nach der Ankunft ihres Messias. Warum freier erwartet und dergleichen, hätten keine ihnen cigenschlägt man aber unserem deutschen Kaiser nicht vor, einen thümliche Kunst geschaffen! Immer wieder die Detroyirung Kreuzzug nach Palästina zu unternehmen — oder sich in einer Nationalität und die Verauickung der Vergangenheit Rom gleich Karl dem Großen vom Papste krönen zu lassen, mit der Gegenwart. Doch sind die Hauptvertreler der musi- — warum sehnt man sich nicht nach den germanischen Zukalischen Opposition gegen die Componisten jüdischer Raee ständen, wie sie Tacitus beschreibt und wie sie vielleicht in nicht einig mit einander — denn während Wagner namentlich manchen Zügen unser Volk in einer idealischern Verklärung in der Mendclssvhu'schen Musik in jedem Tact den Semiten erscheinen lassen würde, als die gegenwärtigen Zustände? heraussühlt, ruft Liszt aus: „Könnten etwa ein Dratorium Diese, wird man mit Recht sagen, sind die Folge fast von Mendelssohn, eine Dper von Halövy nicht eben so gut 20l>0jähriger Entwickelung. Wenn nun die Juden während von Christen gefühlt und erdacht sein?" dieser Zeit trotz aller Infamien, die man gegen sie begangen, Ter alte jüdische Gottesdienst besitzt eine große Anzahl den Kampf ums Dasein siegreich durchgeführt — wenn sie ganz herrlicher und cigenthümlichcr Gesänge — die Sammln der kurzen Epoche, die verflossen, seit man ihnen erlaubt, lung, die Cantor Baer in Gothenburg herausgegcben, ist ein sich als halbwegs Gleichberechtigte zu fühlen anderer Menschenwahrer Juwelenschrcin. Sb aus denselben, oder wenigstens kinder (die wahrlich zum großen Dheil auch keine auserlesenen mit Hülfe derselben eine besondere Gattung von Musik im Kulturkämpser sind), wenn sie, sage ich, in dieser kurzen heutigen Sinne sich hätte entwickeln können, ist eine Frage, Epoche durch ihren Ernst, ihren Fleiß, ihr hohes Streben die ich nicht zu beantworten versuche. Es bedurfte eines das nachgeholt haben, was das Schicksal ihnen früher ver- Jahrtausends, um unsere heutige Tonkunst zu gestalten. Tie sagte, darf man ihnen anworteu: ihr habt nicht das Recht, altchristlicheu, zum großen Theil griechisch-römischen Gemuge euch zu betheiligen an unserer Bildung, an unseren Anspielten ihre Rolle in der Entwickelung derselben — was schauuugen, ihr müßt bei dem bleiben, was euch die Vermußte aber nickt alles dazukommen? Alan sollte wirklich gangenheit (und welch eine Vergangenheit!) gegeben, — wenn glauben, unsere Musik sei eine rein germanische Schöpfung, ihr thut, als gehörtet ihr zu uns, ist's eine Komödie, eine wenn man diese Herren sprechen hört, während Niederländer nichtige Angelerntheit, — ihr bestehlt unsere Vorrathskammern und Franzosen, Italiener und Spanier, ja, sogar Engländer und braut Getränke aus unseren Stoffen, die zuweilen ausdabei mitgeholsen, während seil Jahrhunderten eine Lchulc 31*