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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-29 · Heft 31 (29.7.1884) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 31 (29.7.1884)
Date
1884-07-29
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
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486 Gleichberechtigung, gegen die Cousessionslosigkeit des Staates „Erbsünde" stützt. Alle die zahllosen Millionen Menschen, eröffnet. Hierin aber kann man jenen Streitern der ecclesia die gelebt haben und leben aus diesem Erdboden, ohne der militari8 von ihrem Standpunkte aus nicht unrecht geben. Kirche angehört oder den Rechtsertigungsglauben gehegt zu Es besteht eine Kluft zwischen dem Judenthum und der haben, sind von Gott der Verdammniß übergeben. Daß christlichen Kirchcnlehre, die, sobald die letztere betont und Milliarden Seelen niemals Gelegenheit gehabt, die Kirchenallein geltend gemacht wird, gar nicht überbrückt werden lehre kennen zu lernen, daß andere Millionen in ihrer kann. Schon in früherer Zeit, als man von allen Seiten resp. Religion nach Gottes Fügung geboren und von ihren die Ecken und Kanten abzuschlcisen versuchte, um die alten Eltern und Lehrern zur Uberzeugungstreue erzogen worden Granitblöcke möglichst der Annäherung und Aneinanderfügung! sind, soll vor Gott kein Rechtsertigungsgrund sein, und weder befähigt zu machen, mißlang dieser Versuch und um so j feine Gerechtigkeit noch seine Barmherzigkeit so groß sein, weniger konnte jene Kluft unbemerkt bleiben zu einer Zeit,: um diese Seelen aus der Verdammniß zu erlösen. — Ohne wo cs eben galt, die kirchlichen Lehren wieder zur höchsten in eine weitere Beurtheilung einzutreten, leuchtet es doch Geltung und Herrschaft gu bringen. — Wir wollen heute! ein, daß hier ein Gegensatz zwischen Judenthum und der nur ein, aber sehr entscheidendes Moment hervorheben, sine christlichen Kirche besteht, der unvereinbare Elemente umschließt, iva kck studio, nur nach den einfachen Thatsachen. Das! und daß gerade dieser Gegensatz die fanatischen Anhänger Judenthum kam in seiner Entwickelung zu dem aus tal-! der letzteren zur unaufhörlichen Bekämpfung des ersteren. mudischem Boden erwachsenen Lehrsatz: „Die Gerechten aller Völker sind des ewigen Lebens thcilhastig." Diese Richtung hatte cs von dem Augenblicke an genommen, wo es die Unsterblichkeitslehre zum Ausdrucke brachte. Wenn es in Kohelet heißt: „Ter Staub kehret zur Erde zurück, die er gewesen, der Geist kehret zu Gott zurück, der ihn gegeben", so ist dies ganz universeller Art, und von irgend einer Ausd. i. der Juden führen muß. Noch einmal Ferdinand Wer über den Antisemitismus. Es liegen uns jetzt die „Erinnerungsblätter" von Fcrschließung in conscssivnellcr und nationaler Art keine Spur.! dinand Hiller (Köln, Du Mont-Schauberg, 1884) vor, und Gerade das Gegentheil lehrt die Kirche. Ihr Grundsatz ist:! wir ersehen daraus, daß unser gesch. Corresp. in Nr. 29 die „Kein Seelenheil außerhalb der Kirche." Alle Seelen also,! Aeußerungen Hiller's, die eben so warm empfunden wie zudie der Kirche nicht unbedingt angehören, ihren Lehren nicht! treffend sind, nur auszüglich mitgetheilt hat. Wir glauben anhangen, ihren Vorschriften nicht Folge leisten, ihre frommen > es der Sache, wie dem Autor schuldig zu sein, die Aus- Werke nicht üben, sind der ewigen Verdammung verfallen. lassungen Hillers vollständig wiederzugeben. Er sagt: Selbst die vorchristlichen heidnischen Völker haben dieses Loos, „Von einem lebenden, in seiner Weise großen und und Tante z. B. gewährt den tugendhaften und weisen Heiden! glänzenden Meister hat die letzte Zeit Betrübendes gebracht, nur einen abgesonderten Platz in der Hölle, von welchem sie! Franz Liszt hat bekanntlich seiner Broschüre über die Musik jedoch nicht erlöst werden können. Tie protestantische Lehrender Zigeuner ein l'ostserixtura angehängt, das Jedem, der hat dies insofern modisizirt, als sie alles Seelenheil von! ihn kennt, unbegreiflich erscheinen muß. Kaum habe ich der Rechtfertigung im Glauben abhängig macht, d. h. von j einen Künstler gekannt, der in gleich liebenswürdiger Weise dem Glauben an die Göttlichkeit und den Opsertod Jesu.! Jeden empstng, der sich ihm näherte — sich gleich ihm dem Es versteht sich von selbst, daß in diesen Gegensätzen auch j llnbedeutendsten verbindlich zu erzeigen wußte. Ein seltenes ein Charakteristikum für den Gottesbegriff enthalten ist. Die! Anerkennungstalent scheint ihm angeboren — ja, man Anschauung, daß „die Gerechten aller Völker selig werden", j konnte nie daran zweifeln, daß ihm wahre, wirkliche Herzenskann nur aus dem Begriffe ruhen, daß Gott, der den Men-! güte zu eigen. Und nun überbietet er plötzlich die fanatischsten scheu in seinem „Ebenbilde", mit Willensfreiheit, aber zugleich! Schreihälse durch einen antisemitischen Aufruf der gehässigsten seiner Toppelnatur, der seelischen und der leiblichen, gemäß, Art, er, der frei wie Niemand dastehende Künstler, er, der mit der Neigung zum Guten und zum Bösen geschaffen, in; fromme Priester des Gottes der Liebe. Die Wahrheit zu seiner Gerechtigkeit den Menschen im Jenseits nach seinen! sagen — ich glaube nicht, daß er diese Bannbulle geschrieben — Handlungen, nach seinen Tugenden und Verdiensten, nach! glaube auch nicht, daß sie von ihm herrührt. Warum er sie seiner Hingebung an das Recht und die Liebe, nicht nach! über sich ergehen ließ, die unvermeidlichen Folgen zu tragen den von ihm erlangten Begriffen und Vorstellungen richtet! sich entschloß, das ist freilich nicht erklärlich — nicht be- und zur Seligkeit bestimmt. In der Kirchenlehre hin-! greiflich. gegen, wie sie in bestimmtester Fassung vor uns liegt,! Ich würde jedoch nicht davon sprechen (der absurde besteht ein ganz anderer Gottesbegriss, der sich auf die! religiös-politische Theil, der die Hauptsache, liegt außerhalb

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