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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-29 · Heft 31 (29.7.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 31 (29.7.1884)
Date
1884-07-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Äudenthunrs. Ein unparteiisches Organ snr alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig »Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeöiliorr: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L. Philippson in! Bonn direct» in allen übrigen an die Lerlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 SK.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 28. Juli 1884. JVfc. 31. Inhalt. Leitende Artikel: Tic Kluft. — Noch einmal Ferdinand Hiller über den Antisemitismus. — Einige Fragen und Bemerkungen. III. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Westfalen. — Rußland: Petersburg, Nischny-Nowgorod, Aus Polen. — Afrika: Durban. — Feuilleton: Eorrcspondenz. — Das Stillleben der jüdischen Gemeinden der asiatischen Türkei. (Schluß.) — Erbauliches. Bon Dr. Samuel Krysteller. •^citcitZV CUlificf. Bonn, 23. Juli. Die Llust. Von vielen Seiten wurde und wird behauptet, daß dem jüngsten Antisemitismus kein religiöser Fanatismus cimvohue. Die Absicht, die man mit dieser Behauptung verfolgt, liegt zu Tage. Man schämt sich in unserem Jahrhundert des religiösen Fanatismus, und will für seine Judenverfolgung ein anderes Moment, eine scheinbar begründetere Berechtigung , und will diese in Racenhaß und in sozialen Nachtheilen finden, welche ein natürliches Motiv abgeben sollen. Wir brauchen nicht zu bemerken, wie leicht auch diese Gründe des Judenhasses zu widerlegen und in ihrer Ungerechtigkeit und Unsittlichkeit nachzuweisen sind. Aber es ist doch nur Spiegelfechterei mit der Leugnung des religiösen Fanatismus. Mag dieser in unsrer Zeit sich nicht mehr der Mittel und Wege bedienen, wie noch vor zwei Jahrhunderten, daß er jedoch noch vorhanden ist, lehrt jeder Blick auf die gegenwärtigen Zustände selbst in den hochcivilisirten Ländern: in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, dieses leidenschaftliche Ringen der Klerikalen gegen die Liberalen, und der^ Radikalen gegen beide, dieses Ringen um die Obherrschaft oder die Unterordnung, wenn nicht Vernichtung der Kirche, ist aus allen Seiten von Fanatismus, von religiösem und antireligiösem Fanatismus beherrscht. Die Klerikalen wie die Radikalen aber sind von Widerwillen gegen die Inden erfüllt, weil sie den Einen wie den Anderen nicht in ihre Suprematie Passen, sondern, wenn auch nur stillschweigend und passiv, einen Widerspruch für sic enthalten. Aber abgesehen von diesen höheren Parteirücksichten lebt in einer großen Masie des Volkes aus den vorangegangenen anderthalb Jahrtausenden der Fanatismus gegen die Inden als Andersgläubige und Ausgestoßene, und man braucht eben nur die Massen nach dieser Richtung hin und wieder zu entzünden, in der Schule, von der Kanzel, in der Literatur und Zeitungspresse diesen etwas cingeschluinmerten Haß wieder zu wecken und groß zu ziehen, um ihn abermals zu heller Flamme aufschlagen zu sehen. Doch hiervon wollen wir heute nicht sprechen, vielmehr unsre Aufmerksamkeit aus die höheren, leitenden Schichten wenden. Während der ganzen bisherigen antisemitischen Bewegung , namentlich aber als dieselbe in Fluß gebracht wurde, hat der ultramontanc Klerus, besonders die sog. Kaplanspresse und noch heftiger die protestantisch-orthodoxe mit ihrem mächtigen Anhänge vorzugsweise unter den Conservativcn die Hauptrolle gespielt. Sie haben den Feldzug eröffnet, sie haben die rostigsten Waffen aus der alten Rüstkammer geholt, geglättet und geschlissen und sie zahllosen Individuen in die Faust gedrückt. Woher dies? Ans dem einfachen Grunde, weil sie im Äudcnthume einen Gegensatz, einen dauernden Widerspruch gegen ihre Lehren und Toctrinen j sehen und deshalb bei ihrem gewaltigen Kricgszuge gegen! alle ihre Gegner diesen, die wehrlosen Bekenner des Judenj thums, am leichtesten zu besiegen dachten. War doch hier- . mit zugleich der Kamps gegen die verhaßte Toleranz und

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