Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- Seite 481 (sequence 13)
- Language
- German
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481 Lehrer mit ihren christlichen College» sowohl hinsichtlich des Gehaltes, als auch aller anderen Rechte zur Thatsache werden. 8.) Es müffen Mittel und Wege beschafft werden, um den jüdischen Lehrern, gleichviel, ob dieselben in einer großen oder kleinen Gemeinde angestellt sind, eine angemessene Gehaltsscala zu gewähren. Auf Antrag des Lehrers Katz-Münden wird noch folgende These angenommen. Da der Lehrer das Schächteramt zu versehen hat, möge seitens der Herren Landrabbiner verfügt werden, daß der Schächter nur bis zu einer bestimmten Stunde zu schächten verpflichtet ist. Darauf referirt Herr Lehrer Eckmann-Nienburg über das Thema: „Zum Normal-Lehrplan". Obgleich der Bortrag, wie der Referent einleitend bemerkte, wegen Zeitmangels nicht in allen Punkten Berücksichtigung finden konnte, wurde er doch mit allseitigem Beifall ausgenommen. Redner hatte für seinen Plan eine Religionsschule mit einem Lehrer im Auge. In ihr werde nur gelehrt, was die Kinder im Leben anzuwenden haben, sie mit Liebe und Begeisterung für das Judenthum erfüllt, eine richtige Erkenntniß von dem Inhalte der Religion herbeiführt, sie bebefähigt, mit Verständniß am öffentlichen Gottesdienste theilnehmen zu können. Nicht Anhäufung von Wissensstoff iß. erforderlich, sondern Bearbeitung des Lehrstoffes nach allen, Seiten, daß derselbe Herz- und Geisteseigenthum der Kinder ( werde. Von einer religiösen Durchbildung der Kinder im Sinne Badt's und anderer ist abzusehen, da ein gereifter Verstand bei Kindern selten zu finden ist. Der Lehrer führe den Kindern nur Beispiele von guten Thaten vor, er zeige stets ein freundliches Wesen und bemühe sich, eine gute Dis-! ziplin zu halten. Seine Person und sein Charakter soll den Kindern stets vorbildlich sein. — Die Schüler einer einklassigen Schule haben 12 Stun- : den Unterricht, wovon auf die Unterklasse 5, aus die Oberklasse 7 Stunden fallen. Bon den 7 Stunden sind 2 für den Pentateuch unterricht für Knaben. Der Lehrstoff ist concentrisch einzutheilen. Auf die einzelnen Altersstufen kann nur kurze Zeit verwendet werden, die Hemmnisse, die ihm diese in den Weg legen, werden ausgeglichen, indem die Schüler den Unterrichtsstoff der übrigen Stufen anhören und so Nach- und Vorbereitung empfangen, wie auch wiederholen können. — An der Discussion betheiligten sich namentlich die Herren vr. Prager und Dr. David-Hannover und Gotthelf-Geestemünde. Or. David fand es nicht für angemeffen, daß in der Unterstufe nur 1 Stunde biblische Geschichte und 1 Stunde Pentateuch ertheilt werden sollte, da letzterer einen größeren bildenden Werth habe, als manche Abschnitte der biblischen Geschichte. Selbst der Gebetunterricht sei nicht so wichtig, wie der des Pentateuchs. Herr vr. Prager hält es für absolut unausführbar, den Gebetunterricht auf Grundlage der I Grammatik zu bauen. Hierauf wurde folgender Antrag des Herrn Or. Prager angenommen: , „Die Versammlung beschließt, Resolutionen über das I Referat nicht zu fassen mit Rücksicht auf das bereits im vori-! gen Jahre behandelte ähnliche Thema und mit Rücksicht daj rauf, daß ein Entwurf des vorgetragenen Normalplans nicht ^in den Händen der Versammlung sich befindet." j Die Versammlung dankte beiden Referenten durch Er- | heben von den Sitzen. Der dritte auf der Tagesordnung j ^6^61X06 Bortrag des Lehrers Horwitz-Wunstorf über „das! biblische Bild im Unterrichte" mußte der vorgerückten Zeit wegen auf das nächste Jahr verschoben werden. I Sommer-Hannover stellte darauf den Antrag, daß 2; Referenten für das nächste Jahr bestellt werden möchten, die! Mittel und Wege angeben sollten, wie eine angemessene Ge-; Haltsscala erreicht werden könne, ebenso beantragt vr. David- Hannover, daß behufs geregelter und ordnungsmäßiger Lei- , tung der Verhandlungen eine ausführliche Geschäftsordnung; aufgestellt werde, und daß die Ausarbeitung derselben einem Mitglieds aufgegeben werde, um dann bei der nächstjährigen Versammlung der Beschlußfassung unterbreitet zu werden. Beide Anträge wurden angenommen. Kätz-Münden und Levy-Hagen übernehmen das erste, und vr. David-Hannover das zweite Referat. Für die nächstjährige Versammlung, welche am 1. u. 2. Pfingsttage 1885 abgehalten werden soll, wurde Hameln auf Einladung des dortigen Synagogenvorstandes, bestimmt. Nachdem die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ihren Dank dem Comit«'- für den freundlichen Empfang, dem Vorstande der Synagozengemeinde Hannover für das bewiesene Interesse, und dem Bereinsvorstande für die Leitung der Verhandlungen, abgestattet hatte, erklärte der Vorsitzende, Mittags 121/:i Uhr, die Sitzung für geschloffen. — Die Schriftführer: Horwitz-Wunstorf. Katz-Hannover. Live posener Lholera-Reminiscen;.') Zur Belehrung und Beruhigung. Die Cholera herrschte im Jahre 1831 in Provinz und Stadt Posen zum ersten Male. Feldmarschall Gneisenau, damals hierort stationirt, der Oberbürgermeister Tatzler und andere notable Personen fielen der Krankheit zum Opfer. 1) Aus der Posener Zeitung vom 8. Juli.