Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- Seite 482 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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482 War die Panik schon hiedurch eine große, so wurde dieselbe durch die Sperrmaßregeln noch erhöht, von denen nicht allein ganze Ortschaften und Stadttheile, sondern auch einzelne Häuser, welche Cholerakranke bargen, betroffen wurden. Der damalige Oberpräsident v. Flottwell legte eine ganz außerordentliche Fürsorge an den Tag; fast täglich erschienen von ihm theils belehrende, theils warnende, theils beruhigende Publikationen. Bor Allem suchte er darzuthun, daß nur ein vernünftiges diätetisches Verhalten sicheren Schutz verleihe. In diesem Sinne publicirte er am 5. September Folgendes: Die Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, an ihrer Spitze der Ober-Rabbiner Herr Eiger, zeichnen sich durch eine sehr rühmliche Vorsorge für ihre Glaubensgenoffen aus. Sie wirken durch religiöse Vorstellungen auf dieselben ein und haben es dahin gebracht, daß selbst unter den ärmsten Mitgliedern ihrer Gemeinde die diätetischen Vorschriften genau beobachtet werden. Sie haben einen bedeutenden Fonds zusammengebracht, aus welchem 1) die ärmsten Mitglieder der Gemeinde durch Nahrungs- und Heilmittel unterstützt werden, 2) aus welchem sie besondere jüdische Krankenwärter besolden und durch diese die Pflege der Erkrankten in einem besonderen städtischen Lazarethe, zur Vermeidung jedes religiösen Anstoßes, besorgen lassen. Der Erfolg hat diesen lobenswerthen Bemühungen auch entsprochen, indem von der gesummten jüdischen Bevölkerung der Stadt, welche etwa den fünften Theil der Einwohnerzahl ausmacht, bis zum 25. v. M. nur 24 Individuen der jüdischen Gemeinde an der Cholera gestorben sind, während die Gesammtzahl der Gestorbenen bis zu diesem Zeitpunkt 416 beträgt. Flottwell, Oberpräsident des Großherzogthums Posen. Am 10. September 1831 publizirt die „Poseuer Ztg." folgende königliche Kabinetsordre: „Ich habe aus Ihrem Bericht über die Sterblichkeit in Posen wohlgefällig vernommen, wie günstig das Berhältniß der in der Stadt Posen an der Cholera erkrankten und gestorbenen Juden in Folge der von der dortigen Judenschaft unter der thätigen und einsichtsvollen Leitung ihres Ober- Rabbiners Moses Eiger ergriffenen Maßregeln zur Vorbeugung, sowie zur Heilung der Krankheit gestellt hat und beauftrage Sie, dem genannten Ober-Rabbiner Mein Wohlgefallen und Meine Zufriedenheit mit dem von ihm und der Judenschaft in der Stadt Posen beobachteten nachahmungswerthen Verfahren auszudrücken. gez. Friedrich Wilhelm.! An den Oberpräsidenten Flottwell. Vorstehende Kabinetsordre brachte der Oberpräsident mit dem Wunsche zur allgemeinen Kenntniß, daß die königliche Anerkennung der von dem Ober-Rabbiner und der jüdischen Gemeinde zur Bekämpfung der Cholera getroffenen „höchst zweckmäßigen Einrichtungen, andere Gemeinden zu einem ähnlichen Verfahren anregen möge." Besonderen Dank bringt der Oberpräsident dem Lehrer Chilowen in Jerzyce, dem Grafen Kwilecki auf Wroblewo und Herrn v. Rapard auf Pinne und Anderen dar, die Außerordentliches für die Cholerakranken thaten, er verweist ferner auf Dr. Marcinkowski's Thätigkeit rc. Schreiber dieses hat es sich nicht versagen können, die vorstehenden Data, welche ihm bei retrospektiven Cholerastudien begegneten, zu reproduziren, den Dahingeschiedenen zur Ehre, den Lebenden zur Belehrung, Nachahmung und Ermuthigung. vr. 8. Anzeigen. Ty« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- 1 I M k)vl bü folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Pilialen in Berlin etc. zu adressiren. Vertrauens-Stellung. Für ein lebhaftes Modewaarengeschast einer größeren Proviozialstadt wird ein tüchtiger Verkäufer, der in schriftlichen Arbeiten bewandert sein muß, zum möglichst baldigen Antritt unter günstigen Bedingungen zu engagircn gesucht. Ausführliche Operten mit genauer Angabe bisheriger Thätigkeit und Zeugnißcopien bittet man an die Herren Gebrüder Löbenheim, Leipzig zu adressiren._[L. 13570] Bei liberalen Israeliten in Amsterdam (Niederland) wünscht man sofort ein Fräulein zur Stütze der Hausfrau und zur Erziehung eines 6jährigen Mädchens. Franco- Anerbietungen an das Niederländische Advertentie Bureau Rokin 2 Amsterdam unter Lett. B. 2. [B. 13599] An unserer ReligiovSschnle ist die Stelle eines ersten Lehrers zu besetzen, welche mit 1500 SM. jährlich dotirt ist. Bewerber, welche mindestens die Qualification eines Mittelschullehrers besitzen, oder sich verpflichten können, binnen Jahresfrist ein solches Examen zu absolviren und im Stande sind, eventuell den Dirigenten der Schule zu vertreten, wollen ihre Gesuche unter Beifügung ihrer abschriftlichen Zeugniffe bei dem Unterzeichneten Borstande einreichen. Posen, den 2. Juli 1884. [Br. 13087] Der Vorstand der israelitischen Brüder-Gemeinde. Haeniseh. Pensionat und Höhere Töchterschule von [L. 859] Frau Dr. Leberson in Hannober, Ehirrgartenstraße 3 und 4. Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Das neue Semester beginnt am 15. Sept.