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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-22 · Heft 30 (22.7.1884) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 30 (22.7.1884)
Date
1884-07-22
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
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477 Elende lebten. Sie haben fremde Unterstützung. Alles verkauft und reifen ohne Pflichten durchaus nicht versteht und deshalb bitte ich Ew. Exzellenz zur Vermeidung selbst des Gedankens an die Möglichkeit der Erneuerung derartiger Unordnugen, wie sie im Makarjew'schen Stadttheile stattgefunden haben, unverzüglich Darmstadt, 8. Juli. (Literarische Notiz.) Regeln die Anordnung zu treffen, damit die Distrikts-Pristaws und über Ansichten und Absichten (Zweckes des menschlichen Lebens deren Gehilfen den Arbeitern sowohl in deren Artels als in myn rrü^n. Also lautet die Ueberschrift der 26. Piece in den Fabriken mittheilcn: erstens, daß der Jude — ein Mensch! dem uralten hebroaramäischen Co<lex mauuscriptus, der im und kein Hund, der auch nicht einmal ungesttaft beschädigt' Jahre 1876 auf Gr. Hosbibliothek dahier aufgefunden und werden darf; zweitens, daß die Ermordung von neun? von mir durch Herausgabe der (Judenverfolgungen Menschen und die Zerstörung und Ausplünderung von Woh-' während 1096) zur öffentlichen Kenntniß gebracht worden ist. nungen keine Belustigung genannt werden darf und drittens. Dieselbe behandelt die sittlichen Normen, die von dem Grunddaß sie sich dessen erinnern müssen, daß jeder Mensch, gleich-? satze auszugehen haben, daß das Sittliche in der Einhaltung viel welcher Religion er auch angehöre, der in Rußland ' des Mittelmaßes bestehe, und daß es Aufgabe des Menschen lebt, sich unter dem Schutze der kaiserlichen Gesetze befinde! sei, durch vernünftige Ileberlegung und Einsicht seine Be- und daß daher ein Attentat auf dessen Leben oder Besitz gierden und Neigungen nicht gänzlich zu unterdrücken oder ein Verbrechen gegen den Willen des Herrschers sei. Alle in auszurotten, sondern zu leiten und zu beherrschen, damit er Nischny-Nowgorod lebenden, sowohl getauften als ungetansten Juden, sind ebenso treue Unterthanen, wie wir Alle, deshalb müssen die Ermordung und Beraubung der Juden ebenso streng besttaft werden, als wenn sie an Christen verübt worden wären. Zugleich müssen die Herren Polizeibeamten erklären, daß die Theilnehmer 7. Juni streng bestraft werden. den Mittelweg wandeln und das Mittelmaß bethätigen könne. Bekanntlich ist dies die Lehre des Aristoteles, die er in seiner Ethik niedergelegt hat. Welches aber, in concreten Fällen des gewöhnlichen Lebens, das einzuhaltende Mittelmaß sei, hat er nicht zu bestimmen versucht. Er verwies vielmehr an den Unordnungen am! auf diejenige Vorstellung, wie sie im allgemeinen Urtheil des Bon den in Arrest befind-1 griechischen Bewußtseins lebte, und wie sie in der herrschenden lichen Personen werden ungeachtet aller Bitten nur diejenigen Meinung und im Gesetze sich aussprach, als auf eine Norm sreigelassen, welche vom Gericht freigesprochen werden. Jeder' für die vernünftig-sittliche Entscheidung. (Man lese über diesen neue Versuch zur Veranstaltung von Unordnungen und alle Punkt das tteffliche Werk: Geschichte der Ethik von F. Jodl, eigenmächtigen Handlung der Menge werden auf die schärfste Stuttgart 1882, B. I, S. 9—18.) Der Verfasser der er- Weise unterdrückt werden, da das Gesetz dem Volke nicht! wähnten Abhandlung unsres eoä. man. sucht nun zwar jenen das Recht giebt, an wem es auch sei, Gewalt zu üben. Ich! Grundsatz mehr zu specialisiren und ihn auf vielfältige ersuche Ew. Exzellenz ferner, den Herren Pristaws und deren j Lebensrichtungen und Lebenszwecke anzuwenden, aber in der Gehilfen aufzutragen, nochmals dem Volke zu erklären, daß j Bestimmung der Größe dieses Mittelmaßes verläßt er sich das Gerücht, die Juden hätten ein Christenmädchen gestohlen,! ebenfalls auf die Vorstellung, die die Einsichtsvollen und nichts Anderes als ein dummes Ammenmärchen ist und daß,! Vernünftigen davon hatten, also auf den Gebrauch, die Uebung. im Falle wieder einmal ein derartiger Verdacht auftauchen'So heißt es z. B. darin: der Mensch sei gleichweit entfernt sollte, ich bitte und fordere, daß der Betreffende sich direkt! vom Geize wie von der Verschwendung, sondern er reiche an mich wende; natürlich werde ich in so einem Falle jede Almosen als Gabe seiner vollen Hand demjenigen, der dessen Klage auf das Genaueste untersuchen lassen. Zugleich bitte Penöthigt und wie es gebührlich ist, doch das Maß dieses Ew. Exzellenz, innerhalb dreier Tage die Liste der in Nischnyj Gebührlichen bezeichnet er nicht näher. — Der Grundsatz, Nowgorod ansäßigen Juden zu revidiren und falls es sich ' daß der Mensch den Mittelweg gehen soll (y-:2r<^ T“), scheint Herausstellen sollte, daß einige derselben nicht die gesetzliche! damals, wahrscheinlich durch den Einfluß der aristotelischen Autorisation dazu besitzen, mir sofort eine Liste mit deren Philosophie, stark verbreitet gewesen zu sein. Unser Autor Namen zuzustellen, damit ich entsprechende Maßregeln zu nennt ihn den Weg der Weisen i^.) oder der früheren deren Ausweisung treffe. Unterschrieben ist das Schriftstück vom Weisen. Und daß unter „Weisen" nicht bloß jüdische, son- Gouverneurin Nischny-Nowgorod, General-MajorN.Baranow, dern auch nichtjüdische zu verstehen seien, davon belehrt uns kontrafignirt vom Kanzlei-Chef N. Charlampowitsch. schon der vielgeschmähte Talmud Megilla 16. — Viele ethische Krakau, Heute passirten circa zwanzig jüdische Familien Normen finden sich wohl schon in der Bibel, allein sie waren, aus Rußland, die nach Amerika reisen, die Stadt. Es wie Alles in der Natur und Menschenwelt, der Fortbildung sind darunter kräftige junge Leute, welche dem Hand- und Vervollkommnung fähig und durch die Veränderung und Werkerstande angehören. Dieselben erzählten, daß sie in Vervielfältigung der menschlichen Verhältnisse auch derselben ihrer russischen Heimath verfolgt wurden und in großem bedürftig. Den erwähnten Grundsatz des Mittelmaßes und 30

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