Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
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476 Spanier, welche ihr Dienstjahr zurückgelegt hatten (die hier gefährlichen Charakter an. Die Aufrührer suchten die Synagebornen Spanier werden laut Gegenfeitigkeitsvertrag mit goge zu stürmen. Ein anderer Haufe wollte mit Gewalt in Spanien, wenn sie sich nicht in ihrem Vaterlande zur Ausdie Präfectur eindringen und mußte non den Truppen mit Hebung stellen, in das französische Militär eingereiht) wollten dem Bajonett auseinander getrieben werden. Die Bewegung ein camradschaftliches Fest geben. Unter dem Vorwände, daß richtete sich aber nicht nur gegen die Juden, sondern auch die algerischen Juden ihre Dienstzeit in Frankreich leisten, gegen die Judenfreunde. Der Redacteur eines der ersten hiesigen sie daher nicht als algerische Wehrpflichtige zu betrachten seien, Blätter, welcher Abends einem in öffentlicher Anlage gegebenen schloß man dieselben von der Feier aus. Man wollte eben Concerte anwohnte, wurde von den Antisemiten als Judennicht die Juden zu Cameraden haben, und bediente sich dieses Borwandes, um sie nicht einladen zu müssen. Die Juden nahmen die Ausschließung übel, und in einer Versammlung freund mit Schlägen tractirt, und hatte es nur seinem Revolver und dem Hinzukommen eines Polizei-Agenten zu danken, daß er einem schlimmeren Schicksal entrann. Die Redaktion von Wehrpflichtigen, welche in der Mairie stattfand, gaben sie > des betreffenden Blattes mußte eine förmliche Belagerung ihrem Unwillen lauten Ausdruck. Schimpfworte wurden hin aushalten. Die Fenster des Locals wurden durch Steinwürfe und her gewechselt, die Epitheta sales Juifs und sales Fran<jais j zertrümmert. Die Redacteure und das Dienstpersonal konnten kreuzten sich, und zuletzt entstand eine allgemeine Schlägerei,! nur durch vorgehaltene Revolver die Menge am Stürmen welche sich auf der Straße fortsetzte. Anfangs glaubte man, verhindern. Wie groß der durch Zertrümmerung jüdischer daß die Sache weiter keine Folgen haben würde. Doch am Läden entstandene Schaden ist, läßt sich noch nicht feststellen. Abend rotteten sich zahlreiche Haufen zusammen, welche damit! Eine allgemeine Angst hat sich der israelitischen Bevölkerung ermächtigt und viele Juden flüchten sich auf das Land. Das Schlimmste ist, das man nicht weiß, welchen Verlauf die Bewegung noch nehmen kann. Bei dem zahlreichen, aus allen möglichen Nationalitäten bestehenden Gesindel, welches die Stadt Algier in ihren Mauern beherbergt, und welches sich den Antisemiten aus Liebe zum Skandal und — zum Plündern anschließt, und bei der erbitterten Stimmung der eingeborenen Mohamedaner gegen die Juden — eine Stimmung, welche durch die Wirkungen des Ramadan noch gesteigert wird — muß man sich auf das Schlimmste gefaßt machen." (Jndeß haben die Befürchtungen des Corredie Unruhen haben sich nicht Rußland. begannen, die vorübergehenden Juden zu höhnen. Letztere blieben die Antwort nicht schuldig. Ein alter Jude erklärte die Franzosen für Feiglinge, welche im Jahre 1870 sämmtlich capitulirt hätten. Wüthend darüber fing die Menge an, thätlich zu werden. Es ist ein Wunder, daß der alte Mann mit dem Leben davon kam. Unter dem Ruf: „Nieder mit den Juden!" unter Vorantragung der Tricolore und unter Absingung der Marseillaise wurden die hauptsächlich von Juden bewohnten Gaffen durchzogen. Die Polizei schritt ziemlich lau ein und konnte dem Unfug nicht steuern. Die folgenden Tage, oder besser gesagt Nächte, nahm aber die Bewegung einen ernsteren Charakter an. Die Menge begnügte! spondenten sich nicht bestätigt: sich nicht mehr mit Verhöhnung und Mißhandlung vorüber-! erneuert.) gehender Juden, sondern fing an, jüdische Kaufläden zu! stürmen und die Fenster jüdischer Häuser einzuwerfen. Die Juden und ihre Frauen, welche auf die Dächer sich geflüchtet! Nischny -Nowgorod, im Juli. Der vielbesprochene Erhatten, setzten sich von dort aus zur Wehr. Schüsse wurden I laß des Gouverneurs nach der grausigen Katastrophe lautet: abgefeuert und Ziegelsteine auf die Angreifer geschleudert.! Nach den am 7. und 8. Juni in dem Makarjewskij Stadt- Es kamen viele Verwundungen vor, wovon einige einen tödttheile von Nischny-Nowgorod stattgefundenen Unordnungen lichen Ausgang genommen haben sollen. Auf die Berhöh- > wurden 112 Personen, die einer direkten Theilnahme an nungen der Franzosen antworteten die Juden damit, daß sie! den Ausschreitungen oder an der Plünderung der zerstörten herunterschrieen, sie hätten eigentlich 1871 Frankreich von den Wohnungen der Juden angeklagt sind, arretirt. Seit dem Preußen befreit, denn ohne daß sie das Geld zur Zahlung 8. Juni erhielt ich anonyme Briefe, in denen lächerliche der Milliarden geliehen hätten, ständen die Franzosen heute, Drohungen gegen mich ausgestoßen werden und von mir unter preußischer Herrschaft. Dies war Oel ins Feuer gedie Freilassung der Arretirten gefordert wird. In den letzten gossen. Am Sonntag — die Unruhen begannen am Frei- Tagen sind mir nicht mehr derartige Briefe, wohl aber tag — wagte kein Jude sich zu zeigen. Sonntag und Monschriftliche und mündliche Bitten um Befreiung der erwähnten tag mußte Nachts das Militär aufgeboten werden, um ein Arrestanten zugegangen. In diesem Schreiben finden sich Mafsacre zu verhindern, denn zu der Menge von Franzosen, Ausdrücke wie: „es geht doch nicht an, Rechgläubige der Spaniern und Maltesern, welche praktischen Antisemitismus Juden wegen zu bestrafen" und daß „die Unordnungen vom trieben, hatten sich noch die eingeborenen Mohamedaner ge- 7. Juni kein Aufruhr waren; das Volk hat sich einfach besellt. Besonders nahm die Bewegung am Montag einen lustigt." Derartige Ausdrücke zeigen, daß das Volk seine