Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
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474 gische Uebungsstunde, für welche das Gesangbuch „Seblrs Die Ausgaben betrugen 58,334 M., darunter 8185 M. Berbetb Jacob“ als Hülfsmittel eingeführt ist, bildet sich immer waltungskosten, 24 857 M. Rabbinatsbesoldungen und Quiesmehr zu einer Schulandacht aus, die ihre segensreichen Früchte! cenzgehalte, 9668 Gehaltsaufbesserungen für Lehrer und Vorbereits erkennen läßt.! sänger, 4244 M. Turnuskosten. Das Vermögen beträgt ein- Mit einer Specialarbeit über „die systematische Erziehung schließlich der Pensionskaffe für Rabbinen und Lehrer der Jugend zum Gottesdienste" beschäftigt, hoffe ich noch Gelegenheit zu haben, den Lesern dieses Blattes einige, aus 168,639 M. — Der hiesige antisemitische „ Deutsche Reformverein" inteder vieljährigen Praxis gewonnene Ansichten mittheilen zu! ressirt sich für die Abhaltung eines Vortrags seitens des bekönnen. B. Jacobsohn. kannten preußischen Abgeordneten Cremer. Man darf an- Frankfurt, «. SK., im Juli. Wir lesen im „Frankfurter! ** M ^-i um die V-^°lgu»g uutis-mitisch-r Journal": Die traurige Lage vieler Handlungsgehülfen, welche mehr und mehr aus den Bureaus durch Lehrlinge und Volontäre verdrängt werden und meist nur schwer, in der Regel einen schlecht bezahlten Posten finden, hat die Eltern allmählig belehrt, ihre Söhne doch bester den goldenen Boden des Handwerks aufsuchen zu lasten. Wie tief eingreifend der plötzliche Umschwung bereits ist, der sich am Platze vollzogen hat, geht, wie uns von unterrichteter Seite geschrieben wird, deutlich daraus hervor, daß die meisten der unlängst aus den Schulen entlastenen israelischen Zöglinge dem Kaufmannsstande den Rücken gewendet haben, und daß die Söhne wohlhabender Eltern nun Schneider, Tapezirer, Uhrmacher, Optiker, ja sogar Schlosser werden. Die meisten dieser jungen Leute haben die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst erlangt. (Seit vielen Jahrzehnten haben wir dies den jüdischen Eltern vorausgesagt. Aber die Nothwendigkeit in den Lebensverhältnisten ist die beste Lehrmeisterin. Ebenso dringlich ist die Warnung an die jüdischen Eltern, allzu leicht und allzu viel ihre Söhne für das Universitätsstudium zu bestimmen, da schon längst die betreffenden Fächer überfüllt sind. Redaction.) Pr. Stargardt, 5. Juli. Eine äußerst rohe That, mit anscheinend antisemitischem Hintergründe, wurde hier gestern von 4 Arbeitern begangen. Der Handelsmann Josephsohn, welcher mehrere Monate im hiesigen Gerichtsgefängniß unter dem später als unbegründet ermittelten Verdachte, der Mörder des Knaben Cybula in Skurcz zu sein, hatte zu bringen muffen, war nach seiner Entlastung aus dem Gefängniß gestern zum ersten Male nach Pr. Stargardt ge kommen. Hier wurde er von vier Arbeitern, die an dem „Mörder" ihr Müthchen kühlen wollten, überfallen und durch verschiedene Messerstiche am Kopfe nicht unerheblich verwundet. (Man sieht also, es sind nicht die Russen allein die sich auf's Morden verstehen!) Stuttgart, 6. Juli. (Privatmitth.) „Der Staatsanzeiger von Württemberg" veröffentlicht das Rechnungscrgcbniß der isr. Centralkirchenkaffe pro 1882, 83. Nach demselben betrugen die Einnahmen 65,464 M., darunter 23,397 M. Beitrag aus der Staatskasse, 6545 M. Kapitalzinsen, 10,900 M. Landesumlage, 7990 M. Beiträge zu Rabbinatsbesoldungen Tendenzen handelt, was von den Tagesblättern bedauert wird, da der Antisemitismus bei uns an Boden verliert. (Gerade deshalb geschieht es. Nun, Herr Cremer hebt die Welt auch nicht aus den Angeln! Red.) Auch die pädagogische Presse macht gerne im Antisemitismus. Das katholische „Magazin für Pädagogik", redigirt von Seminarlehrer Krester in Gmünd, das fast in jeder Nummer judenfeindliche Notizen enthält, brachte zur Einübung der neuen Orthographie eine Reihe von Sätzen, welche den „Schacherjuden" charakterisiren sollen. Ist das nicht sehr pädagogisch?! Der Haß dreht alles um. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Juli. (Privatmitth.) Im ablaufenden Schuljahre 1883/84 (in Oesterreich schließt das Schuljahr im Juli) wurde in 42 Volks- und Bürgerschulen (worunter 20 Sammelschulen waren) von 24 Lehrern in 122 Knabenclaffen wöchentlich 149 Stunden und in 131 Mädchenclassen wöchentlich 177 Stunden israel. Religionsunterricht ertheilt.i) Es genossen den Religionsunterricht 42 l9 Knaben und 4977 Mädchen, zusammen 9196 Kinder. Für Schüler der Mittelschulen wurde an 16 Standorten (darunter eine Sammelschule) von 10 Lehrern in 76 Elasten wöcbentlich 151 Stunden israel. Religionsunterricht ertheilt. Es waren 1099 Gymnasial-, 449 Realgymnasial- und 514 Realschüler (zusammen 2062 Schüler), wobei bemerkt werden mag, daß in Niederösterreich die Schüler der Oberrealschulen keinen Religionsunterricht erhalten. In der hebräischen Sprach- und Bibelschule, bestehend aus drei Elasten, waren 109 Schüler und schließlich waren 7 Präparanden und 20 Präparandinnen inscribirt. Wien, 9. Juli. Bei den am 7. d. stattgefundenen Landtagswahlen in der Stadt Wien haben allerdings die Liberalen in allen Bezirken gesiegt; aber es ergab sich doch, daß in einigen Bezirken der Stadt eine antisemitische Partei besieht, die mit großer Kraftanstrengung wühlt und auch geil In mehreren Volks- und Bürgerschulen und auch in einigen Mittelschulen, wo die Zahl der Schüler oder Schülerinnen in einer Elaste nur eine geringe ist, sind zwei oder auch drei Elasten beim Religionsunterrichte vereinigt.