Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 135 (10.11.1838)
- Date
- 1838-11-10
- Page
- Seite 545 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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345 Mell - tristLk. A b e n d r o t h. Sine Reihe romantisch-historischer Skizzen von Friedrich Waldemar (vr. Fricke in Göttingrn). I. Autipatev. (Fortsetzung.) Antipater setzte mit bescheidenen, aber höchst bestimmten Worten die Verhältnisse der streitenden Brüder auseinander, schilderte mit Schonung Hyrcans Schwäche, und den. Plan, welchen Aristobul, der jüngere Bruder, auf diese Schwache gebaut habe; ferner den Unwillen deS Volks gegen ein solches unbrüderliches Verfahren, und seine eigene Stellung zum Könige. Möglich ist es, schloß er, daß ohne meinen Beistand der sriedselige sanfte Hyrcan den Angriffen des Bruders hätte unterliegen müssen, fast gewiß, daß weniger Blut geflossen wäre um den jüdischen Thron; aber ich frage Dich', glorreicher Imperator und alle Deine Räthe und Freunde, ob das mir als ein Verbrechen angerechnet werden mag? Ob ich strafwürdig befunden werde, weil ich meinem Fürsten diente? Ob man mich der Ungerechtigkeit zeihen darf, weil ich für die gerechte Sache das Schwert zog? Ob mein Blut dem Henker verfallen ist, weil ich es für die unterdrückte Schwäche wagte? Ob Pflichttreue und Ritkersinn der Verdammung werth ist? — durchwandelt den Erdkreis und fragt alle Völker, ob ihnen das Recht der Erstgeburt nicht heilig ist, ob sie den nicht strafen, der eS verletzt. Za, Imperator, wenn die Rache mein wäre, würde ich, ich längst Deinen Zorn über jene Häupter herabgerufen haben, die das unselige Feuer des Bürgerkriegs anfachten, und von nimmergesattigter Herrschsucht getrieben, Jahre lang in verzehrende» Flammen erhielten; welche ein Volk beherrschen wollten, aber ihr Wohl mit Füßen treten, welche nur ihren Vortheil im Auge hatten. Was ich dem Lande gewesen bin, davon zu reden ist nicht meine Sache, aber ich fordere es von Deiner Gerechtigkeit, Herr, daß Du die Stimme des Volks frägest, ob ich meinen Voctheil suche, ob ich des Landes Geißel bin. — Das Volk nennt ihn Freund und Vater und Beschützer, riesen die syrischen und jüdischen Feldherrn einmüthig, und Casar heftete einen Blick des Unwillens auf den verwirrt dastehenden Antigonus. Ich finde keine Schuld an Dir oder Deinem Herrn, Antipater, sprach er und winkte den vortretenden AntigonuS zum Schweigen, aber ich selbst will, wie Du sagst, die Stimme des Volks hören, und bis dahin meine Entscheidung verschieben. Im Kurzen bin ich auf dem Schauplatze Eures Zwistes; aber bis dahin bleibt die Ordnung wie sie ist. Wer dawider handelt ist mein Feind, und ihn betrachte ich als den Schuldigen. Geh', Antigonus, und melde das Deinem Vater. Antigonus, dessen Keckheit im Angesichte Cäsars um ein Bedeutendes gesunken war, verbeugte sich schweigend, und ging mißmüthig davon, während Anlipater auf Cäsars Wink noch zurückblieb. Der Feldherr versicherte ihn noch einmal seiner Gewogenheit und Gnade, falls sich Antigonus Anklage, wie er bestimmt glaube, als durchaus falsch erweise, und entließ ihn dann sammt seinen Rittern in die Heimath. Sie alle lobte er wegen ihrer ausgezeichneten Tapferkeit, und befahl, in seinem Namen auch den übrigen Kriegern dieses Lob zu ertheilen. Alle verbeugten sich tief, und verließen nicht ohne eine gewisse Traurigkeit de« großen Feld« Herrn, obgleich die Rückkehr in die Heimath mild und freundlich durch diese Wolken des Trübsinns hindurch lächelte. Antipaker traf die zum Rückzuge nöthigen Maaßregeln. Nach einigen Tagen hatte er mit seinem Heere das aufrührerische Alexandria schon im Rücken, und landete glücklich an der heimischen Küste. Er wax nicht arm fockgezogen; allein er kehrte reich zurück: an Ruhm, an Erfahrung, an Schätzen, denn auch durch königliche Geschenke hatte ihn der Römer geehrt. Er wurde von Allen für glücklich gepriesen und auch wohl beneidet, nur nicht von dem treuen Eleazar. Der wackere Kampfer hatte sich fest in den Kopf gesetzt, Antipater demnächst als König begrüßen zu können, und war darum nicht wenig und nicht freudig überrascht, als er in der Versammlung zu Alexandria aus Antipaters Munde eine so eifrige Vertheidigung des blödsinnigen Hyrkans vernahm. Er konnte darum mit in das Lob der übrigen Feldherrn einstimmen, so erbittert war er in dem Augenblick auf den allzubcscheidenen Regenten Judäas, und äußerte dies auf der Heimfahrt unverhohlen. Kaum vermochte ihn Aatipaters Traum zu beruhigen. Bald nach der Rückkehr in die Heimath begab sich Antipater mit Hyrkan nach Arabien, theils um seine geliebte Gattin und seine Kinder, nach so langer schmerzlicher Trennung wieder zu sehen und zu umarmen, theils um die Re» giecungsangelegenheiten völlig in Ordnung zu bringen. Casar hatte einen Ort unfern der syrischen Grenze zu der Zu»