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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-15 · Heft 29 (15.7.1884) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 29 (15.7.1884)
Date
1884-07-15
Page
Seite 461 (sequence 9)
Language
German
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461 beurtheilt der Verf. vorurteilslos Ciceros Aeußerungen über die Juden. Cäsar hingegen war überaus wohlwollend gegen die Juden und nahm den echt staatsmännischen Standpunkt gegen sie ein, ihre Kräfte für das Gemeinwohl zu gewinnen und nutzbar zu machen und ihre Interna ihnen selbst zu überlassen. Denn er wußte, daß die Juden nichts weiter verlangten, als ruhig ihrer monotheistischen Lehre und den überkommenen gottesdienstlichen Bräuchen zu leben, in friedlichster Weise, ohne irgend eine Agitation gegen andere Culte und gehorsam gegen die Staatsgesetze. Würden die Nachfolger Cäsars die Principien desselben begriffen und befolgt haben — wie dies eben schon bei Augustus nicht mehr der Fall war — so würde auch die Geschichte der Juden in Rom einen anderen Verlauf genommen haben. Wir hoffen, der Fortsetzung dieser Arbeit in den nächsten Lieferungen der Revue zu begegnen. Beiläufig bemerkt, wundert es uns, daß Hild nur die Differtation des vr. Ludwig Geiger (Berlin 1872) benutzt hat, der sich doch auf die Sammlung aller römischen und griechischen Texte über die Juden von F. C. Maier-Judaica (Jenae 1832.) gestützt hat. — Die uns vorliegende Lieferung der Revue enthält noch manche anziehende und verdienstvolle Arbeit. So von I. Halevy: Spuren sadduzäischer Agadoth im Talmud; von Tuval das Passiv im biblischen Aramäisch und dem palmyrenischen; von Israel Levi: Die Legende vom Engel und dem Eremiten in den jüdischen Schriften; von Maulde die Fortsetzung der Geschichte der Juden in den französsischen Staaten des Papstes, und von Kayserling: Richelieu, Buxtorf Later und Sohn und Jakob Roman, Dokumente, um zur Geschichte des jüdischen Buchhandels im 17. Jahrhundert zu dienen. Richelieu spielt allerdings hierbei nur eine sehr geringe Rolle, desto mehr die beiden Buxtorf und eine Anzahl gelehrter Juden. Tie mit mehreren ungedruckten Briefen versehene Abhandlung wirft interessante Lichter auf die Zeit des Wiederaufblühens jüdischer Wissenschaft. Kleinere Notizen und Mittheilungen und ein bibliographischer Artikel beschließen die Lieferung. — SSciXmaa,<pwac H Kcw. O esterreich-Ungarn. Wien, 4. Juli. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit berichete ich, daß das hiesige Ministerium für Cultus und Unterricht bei den betreffenden Ministerien in Berlin und Budapest angefragt hat, welche Erfolge das Lasker'sche Austrittsgesetz resp. die Gestaltung verschiedener Gemeinden in der Gemeinde in Ungarn hatten. Wie ich nun von gut unterrichteter Seite höre, war da wie dort die Antwort keine erfreuliche. Wie man weiß, hat das Cultusministerium zu wiederholten Malen sich dahin ausgesprochen, daß cs nur Ein Judenthum kenne und kümmere sich nicht um die Meinungsverschiedenheiten über religiöse Fragen innerhalb der jüdischen Kreise. Die eben empfangenen Antworten beweisen, daß man hier von einem richtigen Gesichtspunkte ausging. Das Mitglied des Herrenhauses, Herr Baron von Königswarter, der im besten Sinne des Wortes Jude ist, wird von Seiten der innern Stadt für den nächsten Landtag candidirt und dürfte mit bedeutender Stimmenmehrheit gewählt werden. Herr Mediciner Doktor David Winternitz, einer der bekanntesten und renommirtesten hiesigen Aerzte, beging vor einigen Tagen sein 50 jähriges Doktorjubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm mit Recht zahlreiche Ovationen bereitet wurde. Pest, 27. Juni. (Privatmitth.) Im August v. I., unmittelbar nach Schluß der Tißa-Eßlarer Verhandlung, wurde auf Rath der israel. Landeskanzlei die Familie Scharf einschließlich des Moritz Scharf, nach Pest gebracht und im „Weißen Schwan" einlogirt. Kaum war die Ankunft der Scharf bekannt geworden, so sammelten sich Hunderte von Tumultanten vor dem Hotel und zertrümmerten die Fenster. Am folgenden Abend erneuerten sich die Excesse, man zerstörte Alles im Hotel und plünderte die nächsten jüdischen Geschäftshäuser. Nach 1l Monaten fand in diesen Straßenkrawallen die Verhandlung statt: sie dauerte volle 10 Tage. Heute wurde das Urthcil publicirt, demgemäß sämmtliche Angeklagte vom Verbrechen des Aufruhrs und — mit Ausnahme eines Einzigen — auch vom Verbrechen der Gewaltthätigkeit gegen die Behörde freigesprochen wurden; hingegen wurden verurtheilt wegen des Perbrechens der Gewaltthätigkeit gegen Private und wegen des Vergehens des Diebstahls: 4 zu 1 Jahre, 2 zu 9, 3 zu 8, 1 zu 7, 2 zu 6, 1 zu 3 Monaten, 3 zu 4, und 10 zu 3 Wochen und 1 zu 14 Tagen. Sämmtlichen Berurtheilten wurde die Untersuchungshaft als Strafe eingerechnet. Staatsanwalt Heil meldete gegen das ganze Urtheil hinsichtlich der Qualifikation die Appellation an, auch die Berurtheilten meldeten mit Ausnahme eines einzigen, der zu 9 Monaten verurtheilt wurde, und sich mit dem Urtheil zufrieden gab, die Appellation an. Jene Berurtheilten, die sich noch in Untersuchungshaft befanden, wurden auf freien Fuß gesetzt. Pest, 30. Juni. (Privatmitth.) Die Wahl des jüdischen Reichtagsabgeordneten Ludwig Krauß hat in seinem Wahl- > bezirke Szt. Endren ungeheure Erbitterung hervorgerufen. Die Anhänger des antisemitischen Gegencandidaten begnügten sich nicht damit, den Juden die Fenster einzuschlagen, sie 29

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