Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1884)
- Date
- 1884-07-15
- Page
- Seite 456 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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456 n’aura du talent, hors nous et nos amis!“ In welchem Lager dieser Vers eine vielleicht nie dagewesene Bedeutung erlangt hat, das weiß wahrlich Niemand bester, als Liszt selbst, wenn er auch nicht nöthig hätte, für sich dabei mitzuwirken." Sehr richtig weist Hiller auf den Widerspruch hin, der die es sehr arg treiben mußten, wenn er dieses Verhältniß aufzugeben sich gezwungen fühlte." Ueber seinen Nachruhm dachte Auerbach, wie Hiller erzählt, sehr bescheiden. »Ich dachte mir heute Morgen", sagte er einstmals zu Hiller lächelnd, „ich sei gestorben und zwei gute Bekannte begegneten einander kurz darauf unter den Linden. „Weist Du's schon? darin liegt, wenn man den Juden einerseits die Entfremdung fragte der Eine, der Auerbach ist todt!" „Schade, erwiderte vom Geiste der deutschen Nation vorwirft, und andererseits der Andere, im Grunde war er doch ein guter Kerl— Das ihre Größen tadelt, daß ihre Hervorbringungen gar keinen j war er — bist Du heute bei £. zu Tische? — Nein, bei Z., specifisch jüdischen Charakter besitzen, sondern sich an den! ich gehe mit ihm ins Theater." In Bezug auf die Auermodernen christlichen Geist anlehnen. Fragt doch Liszt selbst: bach'sche Arbeitsweise erfahren wir, daß ihm stets erneuerte „Könnten etwa ein Oratorium von Mendelssohn, eine Oper j von Halevy nicht ebenso gut von Christen gefühlt und erdacht sein?" „JstSimson" — fährt Hiller fort — „der erste Präsident Durchsicht, fast peinliches Feilen Bedürfniß war. Er studirte die Einzelheiten eines Handwerks, der Forstkultur, und Aehnlickes, wie er es gerade für die laufende Arbeit brauchte. „Du machst es Dir viel zu schwer", warf ihm Spindler einst eines deutschen Reichstages, eines höchsten deutschen Gerichts-! vor — „da habe ich heute Morgen ein Kapitel angefangen. Hofes, kein Deutscher? Ist es der Erzähler der Dorfgeschichten nicht? Und Heine, der freilich witziger ist, als man es im Germanischen zu sein Pflegt, hat er nicht Lieder gesungen, welche sich den Goethe scheu anreihen? .... Wenn! die Juden trotz aller Infamien, die man gegen sie begangen, den Kampf ums Dasein siegreich durchgeführt, wenn sie in j der kurzen Epoche ihrer Gleichberechtigung durch ihren Ernst,, ihren Fleiß, ihr hohes Streben das nachgeholt haben, was^ das Schicksal ihnen früher versagte, darf man ihnen artt=j Worten: ihr habt nicht das Recht, euch zu betheiligen ani unserer Bildung? .... In einer Hinsicht theilt Felix Mendelssohn das Schicksal anderer jüdischer Größen — man hat j viel bei ihm geborgt — aber ihm wenig Gelegenheit gegeben,! sich wieder bezahlt zu machen . . . ." j „Im Grunde ist Alles, was man gegen dieses Geredes vorbringt, sehr überflüssig. ungefähr so: Zwei Reiter reiten nebeneinander her auf einsamem Pfade — noch liegen tiefe Nebel auf den benachbarten Höhen — schweigend verfolgen sie ihren Weg u. s. w. u. s. w. Der Teufel hole mich, wenn ich weiß, wer die Kerls sind!" Einen sehr innigen Nachruf widmet Hiller dem jüdischen Genremaler Moritz Oppenheim, der, wie er, eingeborener Frankfurter war. Völlige Gleichstellung in Serbien. Belgrad, 30. Juni. Die „Polit. Cor." meldet: Ein bedeutsames Aktenstück, welches die rechtliche Stellung der Juden in Serbien definitiv zu regeln bestimmt ist, ist das vom Justizminister unterm Die Geschichte geht ihren Gang.! 24. Mai (alten St.) an alle königlichen Gerichte erster Jn- Ein Geschlecht, dem Moses angehörte, dessen Züge Jesus trug, das einen Spinoza hervorbrachte, ein solches Geschlecht ist nicht mit pöbelhaften Verfolgungen klein zu kriegen. Man trete ihm, wie Anderen, streng entgegen, wo es fehlt, wo es sündigt, und erkenne es an, wo es arbeitet, schasst und wirkt, stanz gerichtete folgende Zirkular: „Als die Vertragsmächte auf dem Berliner Kongreß dem damaligen Fürstenthume und gegenwärtigen Königreiche Serbien die Unabhängigkeit zuerkannt hatten, wurde diese Anerkennung an gewisse Bedingungen geknüpft, welche eine gemeinschaftlich mit den verschiedenen Völkern, unter die sein! Modifikation unsrer Gesetzgebung, soweit dieselbe den Genuß Geschick es vertheilt hat." : der politischen und bürgerlichen Rechte regelt, zur Folge haben Es folgen Reminiscenzen an Auerbach. In einem j mußten. Als dann Serbien in engere internationale Be- Briefe dieses Letzteren an Hiller heißt es: „Dein Brief, Ziehungen zu den europäischen Staaten getreten war, hat es lieber Freund, trifft mich eben, als ich meinen Aufsatz zum auf Grundlage der Gleichberechtigung mehrere internationale hundertjährigen Todestage Lessing's vorläufig fertiggestellt 'Verträge abgeschlossen, die ebenfalls viele Bestimmungen unserer, hatte — ich habe mir damit auch ein Stück der schwerenj die privatrechtlichen Verhältnisse berührenden Gesetzgebung Last von der Judenhetzc von der Seele geschrieben. Ich! modifizirt haben. Den Landesgerichten wurden seinerzeit alle spüre aber doch, ich werde diese bittere Erfahrung zeitlebens! Verträge und Konventionen, welche mit den fremden Mächten nicht mehr los." Den Menschen Auerbach charakterisirt abgeschlossen worden waren, mitgetheilt, desgleichen hat der Hiller: „Nicht ein vornehmer Geistesaristokrat war es, der Justizmininister in einem Zirkular vom 11. (23.) August 1883, huldreich liebenswürdig auf Alles eingeht — ein guter, ein- Zahl 2843, die Aufmerksamkeit der Gerichtshöfe auf die Veränfacher Mensch stand er seinen Menschenkollegen gegenüber,, derungen, welche herbeigeführt worden waren, gelenkt. Indessen