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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-08 · Heft 28 (8.7.1884) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 28 (8.7.1884)
Date
1884-07-08
Page
Seite 448 (sequence 12)
Language
German
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Familien Platz nahmen; die Häuser waren mit buntfarbigen Teppichen bekleidet, und wenn es zu dunkeln begann, wurden der Tempel und die ganze Stadt illuminirt, in allen Laubhütten Fackeln angezündet, so daß von Weitem gesehen, Jerusalem und seine Umgebungen in einem Feuermeer strahlten. Sobald eine Familie ihr Friedensopfer dargebracht, trug sie die ihr zufallenden Stücke nach ihrer Laubhütte und das Freudenmahl begann, zu welchem Jeder geladen war, der daran theilnehmen wollte. Wie wirkte dieses Alles erhebend und weihevoll auf die versammelten Massen! Ordnung und Frieden herrschten überall; alte Bekannte trafen sich jubelnd wieder, neue Freundschaften und Verbindungen wurden geschlossen. Da wurden die Grundsätze, die Moses verkündet hat, Brüderlichkeit und Freiheit verwirklicht und wurzelte tief in jeder Brust. Den höchsten Glanz erreichte das Fest am siebenten Tage, am sog. Feste des „Wasserschöpfens", wo aus goldenen Krügen Wasser von Siloha und röthlicher Wein in silberne Schalen gegossen wurde, aus denen jene durch Löcher auf den Boden flössen, ein wahres Volksfest mit Fackeltänzen und Spielen aller Art, begleitet von den Tönen Tausender musikalischer Instrumente. Noch in späten Zeiten, als all' diese Herrlichkeit unter dem Joche der römischen Tyrannen verschwunden war, sagte man: „Wer die Freude des Wasserschöpfens nicht gesehen, hat niemals wahre Lust geschaut. Ruhig und still beging man in unserem Dörfchen das Fest. Abiram und Abijah schwelgten in der Seligkeit, sich wieder zu haben. Glücklich vorübergegangene Gefahren steigern die Gefühle des Menschen und machen ihn fähig, ein Glück zu empfinden, wie er es vorher nicht geahnt. Doch hatte man beschlossen, weil das ganze Dorf an den Freuden des Hochzeitsfestes theilnehmen sollte, dieses hinauszuschieben, bis das Trauerjahr um die drei Gefallenen zu Ende sei. Auch diese Zeit ging vorüber, und nun entfalteten die Häuser Elasar und Menahem allen Glanz, dessen sie fähig waren und der in den Augen der Dörfler nicht gering war. Sieben Tage währte das Hochzeitsfest mit fröhlichen Gelagen, Reigen, Räthselspiel und witzigen Reden. Dennoch vergingen noch mehrere Jahre, bevor Abiram und Abijah den Zug nach Jerusalem mitmachen konnten. Denn ihre Familie vermehrte sich schnell und die Sorgen des Hauses hielten sie zurück. Endlich kam der ersehnte Tag, an welchem sie sich zur gemeinsamen Wallfahrt ansckicken durften und unter den Segnungen des Friedens und dem blauen Himmel und der goldenen Herbstsonne Palästina's tranken sie den vollen Becher der Weihe und der Freude in den geheiligten Mauern Jerusalems. Das Jubiläum -es Nabbiuers Professor Heidenheim. Sondershausen, 18. Juni. 1884. Wie bereits in diesem Blatte angemerkt worden, feierte Herr Rabbiner Professor Heidenheim in Sondershausen am 16. Juni sein 50jähriges Amtsjubiläum und seinen 70jährigen Geburtstag. Nach der langen und segensreich thätigen Wirksamkeit dieses ehrwürdigen Mannes, sowohl als Rabbiner und Religionslehrer, wie auch als Dozent an den hiesigen höheren Lehranstalten und Vorsteher eines zahlreich besuchten Pensionats, konnte sich dieses Fest nur zu einer schönen und feierlichen Ovation gestalten. Schon am vorangegangenen Sabbat hatte der Jubilar in der Predigt seinen tiefgefühlten Dank gegen die göttliche Vorsehung ausgesprochen, die ihm auf einem immerhin mühevollen Lebenspfade so vielen Segen ertheilt hatte. Zu seinem Feste hatten sich alle Glieder seiner Familie, Kinder und Enkel, um ihn versammelt und eine Morgenserenade leitete das Fest ein. Se. Durchlaucht, der alte Fürst Günther Friedrich Carl II., sandte seinen Cabinetssekretär, Rath Setzepfand, um dem Jubilar die Glückwünsche seines hohen Herrn auszudrücken und ein fürstliches Schreiben zu überreichen, wozu der Fürst, zur Erhöhung der Feststimmung, ein Korb Champagner hinzufügen ließ. Das Schreiben lautet: Lieber Herr Professor! Ich habe vernommen, daß Sie mit Gottes Hilfe heute das Fest Ihrer 50 jährigen Wirksamkeit als Rabbiner begehen. Einer so seltenen bedeutsamen Feier wende Ich Meine warme Theilnahme hier um so lieber zu, als Ich aus Meiner Regierungszeit der eifrigen und treuen Hingebung an Ihren Beruf, die Sie in einem so langen Zeiträume voll schwerer und auch heiterer Tage bewiesen haben, mit besonderer Befriedigung und Anerkennung gedenke, aber auch die Anhänglichkeit, mit der Sie Mir bis daher ergeben geblieben und in persönlichem Verkehr angenehme Stunden bereiteten, wohl zu schätzen weiß. Die aufrichtige Achtung und Liebe, die Ihnen am heutigen Tage, insbesondere von Ihrer Gemeinde, entgegengebracht wird, begründet das Bewußtsein unausgesetzter ernster und gesegneter Pflichterfüllung, und um zu diesen wohlthuenden Beweisen und Gefühlen auch etwas beizutragen, bitte Ich, Meine aufrichtigen Glückwünsche freundlichst anzunehmen und die beikommenden wenigen Tropfen so zu nutzen, daß der Geist des Frohsinns herbeigerufen werde, der uns die Zeit jugendlicher Kraft und Lebensfreude vergegenwärtigt. Möge Ihnen solche Kraft und geistige Frische noch viele Jahre erhalten bleiben und Gott Sie ferner mit seinem Segen begleiten. Dieses wünsche Ich Ihnen herzlichst in unveränderter Wohlgeneigtheit. Sondershausen, 16. Juni 1884. Günther.

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