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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-08 · Heft 28 (8.7.1884) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 28 (8.7.1884)
Date
1884-07-08
Page
Seite 449 (sequence 13)
Language
German
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449 Der Kammerherr des regierenden Fürsten, Major j v. Helmsdorf, sprach im Namen Sr. Durchlaucht Wortehöchster Anerkennung, und auch die übrigen Glieder des fürstlichen Hauses, Prinzessin Elisabeth und Prinz Leopold, ließen durch ihre Hofbeamten die herzlichsten Glückwünsche darbringen. Persönlich erschienen Minister Reinhardt, Oberbürgermeister Laue, der höchste Geistliche des Landes, Oberhofprediger Zahn, um im Namen des Ministeriums, der Stadt und der evangelischen Geistlichkeit ihre Anerkennung und ihre Glückwünsche auszusprechen; nicht minder die sämmtlichen Lehrer der Realschule, an ihrer Spitze der Director Schmidt, der in einer ergreifenden Rede das Bild der verdienstvollen Wirksamkeit des Jubilars entrollte. Ihnen folgte eine Deputation des Gymnasiums und eine Ansprache des Schulraths Dr. Kiefer. Hieran schloß sich die Beglückwünschung seitens der jüdischen Gemeinde durch deren Vorsteher, Justizrath M. Czarnikow, der mit herrlichen Worten den Dank der Glaubensgenossen ausdrückte und einen kostbaren Silberkasten als Zeichen der Verehrung überreichte. Auch frühere Zöglinge des Jubilars übersandten ein schönes Ehrengeschenk und der Deutsch - Israelitische Gemeindebund eine Adresse. Biele Freunde und Schüler waren persönlich gekommen, um an dem Feste theilzunehmen, so Herr Hermann Frühberg aus Bleicherode, Director Wahl aus Erfurt, Consul Emil Jellinek aus Paris. Den ganzen Tag flutheten Gratulanten, Geschenke und Blumenspenden aus allen Ständen und Glaubensgenoffenschaften in das Festhaus. Den Abend hatte die Gemeinde zu einem Festmahle bestimmt. Bei dem Eintritt in den Saal ertönte der Gesang der Enkelkinder des Jubilars und das Mahl selbst wurde durch heitere und ernste Reden und Toaste gewürzt und ihm schloß sich ein fröhlicher Tanz an. Der Jubilar hatte für die Glieder seiner Familie, sowie für alle Freunde, ein Erinnerungsblatt vertheilen lassen, in welchem er in schwungreich poetischer Sprache die Empfindungen seines tiefergriffenen Herzens zum Ausdruck brachte. vermischtes. Die Ritualbüch er und Lieder fammlungen der Sabbatarier. lieber die Ritualbücher und Liedersammlungen der Sabbatarier, jener christlichen judaisirenden Secte 1), welche im siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderte grausam verfolgt wurde und von deren Anhängern in neuester Zeit viele zum Judenthume übergetreten sind, las in der jüngsten Sitzung der ungarischen Akademie der Wissenschaften Paul Gyulai einen Bortrag des vr. Alexander Nagy vor, aus dem wir Folgendes mittheilen. 1) Eine interessante Schilderung dieser Leute gaben wir Jahrg. 18s», S. 697. Die in den Ritualbüchern enthaltenen Gebete sind nicht original, sondern von dem großen Apostel der Sabbatarier- Secte, Simon Pöchy, aus den jüdischen Gebetbüchern entlehnt und mit ebenfalls von ihm übersetzten Psalmen durchflochten. Wahrscheinlich ist er auch der Verfasser des einzigen original scheinenden Gebetes ^gegen die Waffen", das im Ton und Auffassung ganz zur ungarischen patriotischen Lyrik jener Zeit stimmt. Weit werthvoller als die Gebete sind die in den Hymnarien enthaltenen Lieder, welche nicht blos eine Ergänzung der Liederdichtung der Sabbatarier-Secte, sondern schätzbare Beiträge zur ungarischen geistlichen Dichtung des 16. und 17. Jahrhunderts überhaupt liefern. Ihre Zahl beträgt im Ganzen 96, von denen jedoch ungefähr die Hälfte auch in den bisher bekannten Sabbatarier-Liederbüchern vorsindlich ist, so daß unsere Codices die Zahl der bekannten Sabbatarierlieder nur um 49 unbekannte vermehren. Die Namen der Liederdichter finden wir nicht ausgezeichnet, sie können jedoch aus den Anfangsbuchstaben mancher Hymnen herausgelesen werden, so z. B. Johannes Bökvni, Stefan Tolnai, Peter Magyari, Georg Sinka, Johann Sandor. Aus den Anfangsbuchstaben anderer dieser Hymnen sind aphoristische Sätze confessioneller Farbe herauszulesen. Die Entstehung der Lieder kann nicht Jahr für Jahr genau bestimmt werden, doch sind sie offenbar am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden, wiewohl darunter einzelne auch neueren Datums scheinen. Ihre Gegenstände stimmen mit denen der bekannten Hymnen überein: es sind Festtags- und Alltagslieder. Es lassen sich an ihnen sofort die allgemeinen Charakterzüge der geistlichen Lyrik ihrer Zeit erkennen. Ter lyrische Erguß wird durch dogmatische Erörterungen oder polemische Beweisführungen ziemlich in den Hintergrund gedrängt, so daß uns rein lyrische Töne meist nur in den Schlußstrophen entgegentreten, während die gesammte Glaubens- und Sittenlehre in diesen Hymnen enthalten ist. In den spätern wird der Ton immer reiner und gehobener und diese sind die gelungensten Stücke nicht nur der sabbatarischcn Dichtung, sondern der gesammten geistlichen Lyrik jener Zeit. Düsterer Schmerz, schwärmerische Religiosität und geläutert sittliche Auffassung giebt sich in ihnen mit ergreifender Innigkeit kund. Aber eine Seite, deren Ton fortwährend in die Lyrik der protestantischen Konfessionen hinüberspielt, und welche unsere Dichter zu allen Zeiten am häufigsten angeschlagen haben, die Saite des patriotischen Gefühls, bleibt bei den sabbatarischen Liederdichtern ganz unberührt. Den Werth dieser Hymnen erhöht der Umstand, daß sie fast ausnahms- >los Originalprodukte der Sabbatarier sind; kaum 3—4 find, natürlich mit den nöthigen Aenderungen, kalvinischen und unitarischen Liederbüchern entlehnt. Einige darunter sind

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