Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1884)
- Date
- 1884-07-08
- Page
- Seite 440 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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440 freut mich dies immer, weil ich weiß, daß die Israeliten viel dazu beigetragen, die Cultur und den Fortschritt zu heben, Handel und Gewerbe zu fördern. Ich hoffe, daß Sie auch hier, wo das um so nothwendiger ist, das Ihrige in dieser Richtung nach Möglichkeit veranlassen werden." Die Wahlen in Ungarn. Pest, 24. Juni. Nachdem die Wahlen nunmehr im ganzen Lande beendet sind, haben wir nur noch zu berichten, daß außer den bereits genannten Glaubensgenossen noch einer, Ambrus Nemenyi -tlinL Neumann, Mitarbeiter des „P. Lloyd", gewählt ist; im künftigen Reichstage werden somit 7 Juden, gegen 5 im vorigen Reichstage, sitzen: sieben Semiten gegen 20 Antisemiten! Helsy, der dem Judenthum nicht mehr angehört, aber doch immer für seine früheren Glaubensgenoffen eintritt, hat Aussicht, in der Nachwahl noch durchzudringen, auch Karl Eötvös ist wieder ausgestellt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. Juni. Im Jahrgang 1880, S. 401* rcfc* die Beobachtung vor, wie schon mit dem Beginn des Mittelalters die Juden in den verschiedenen Ländern eine verschiedene Richtung und einen verschiedenen Charakter angenommen haben, die der Richtung und dem Charakter der Völker analog sind, in deren Mitte sie lebten, wenn selbstverständlich es auch an der gemeinsamen Basis, aus der sie allesammt fest standen, nicht fehlte. Während die spanischen Juden sich zumeist dem arabischen Wesen, der arabischen Kultur und Wissenschaft anschlossen, für diese arbeiteten und wiederum durch ihre Genialität der Entwickelung des Judenthums große Impulse gaben, so daß ihre Leistungen in ihrer Wirksamkeit bis in unsere Gegenwart reichen, haben sich die italienischen Juden von Beginn an den Italienern genähert und mit ihnen die verschiedenen Evolutionen der italienischen Kultur durchgemacht. Es war deshalb die Ausgabe unseres Verfassers, die Zustände der Italiener und ihre wiffenschastliche Kultur im Lause der Jahrhunderte, durch welche er uns hindurchsührt, zu schildern, die enge Verbindung, in welchen die Juden dauernd mit jenen sich befanden, und die gegenseitigen Wirkungen und Einflüsse aus einander zu zeichnen, wie denn hier auch viele persönliche Beziehungen hervorznheben waren. Dies macht den vorliegenden Band ganz besonrirten wir über die treffliche Arbeit des Rabbiners Dr. M.! ders interessant, auch wenn andererseits die italienischen Juden Güdemann in Wien: „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Frankreich und Deutschland vom 10.—14. Jahrhundert." Aus buchhändlerischen Rücksichten wurde dieses Werk nicht als der erste Theil einer größeren beabsichtigten „Geschichte des Erziehungswesens und der ihren spanischen Brüdern an Großartigkeit der geistigen Erzeugnisse lange nicht gleichkamen und deshalb auch aus das Gesammtjudenthnm eine viel geringere Wirksamkeit übten. In dieser Weise behandelt der Vers, in seinem ersten Kapitel das 8.—10. Jahrhundert, im zweiten das 11. und 12., im Kultur der abendländischen Juden während des Mittelalters und dritten das 13. Säeulum. Im vierten Kapitel geht er von der neueren Zeit" veröffentlicht. Der verdienstvolle Verfasser hat' der Blüthezeit der hebräischen Poesie in Italien während nun jetzt als den zweiten Theil seiner umsaffenden Arbeit er--des 13. und 14. Jahrhunderts aus, der er im 5. die scheinen lassen: „Geschichte des Erziehungswesens und der Blüthezeit der philosophischen Bestrebungen, im 6. die Kultur der Juden in Italien während des Mittelalters." Wir erinnern daran, daß Güdemann schon 1873 ein recht gutes Buch: „Das jüdische llnterrichtswesen während der spanisch arabischen Periode" veröffentlicht hat (vgl. Jahrg. 1874 S. 350). Diese drei Werke müssen wir zusammen- Blüthezeit der Talmudgelehrsamkeit in Italien mährend dieser beiden Säeula folgen läßt. Hieran schließt sich im 7. und 8. Kapitel eine Schilderung des inneren Lebens der Juden in Italien und ihres Lebens nach Außen, welcher im 9. die Juden in Sieilien hinzugesügt ist. Als Anhang sind noch saffen, um das Bestreben und das Ziel des Verfassers zu werthvolle Noten über speeielle Gegenstände gegeben. Der würdigen. Allerdings tritt bei ihm, namentlich in dem jetzt Inhalt des Werkes umsaßt einen so reichen Stoff und so vorliegenden Bande, die Zeichnung der „Kultur" in den Vordergrund, und dies können wir nur billigen, weil der Vermannichsaltige historische Bilder, daß wir an dieser Stelle aus Details nicht einzugehen vermögen. Möge es dem sasser hiermit einen allgemeinen Standpunkt einnimmt. Wer Vers, vergönnt sein, uns die Fortsetzung seiner Arbeit bald diese drei Bände durchmustert, dem stellt sich so recht klar geben zu können. — Deutschland. hinweggesührt, dessen wir hier wohl wegen einiger eigen- Bcrlin, 25. Juni. (Privatmitth.) Aus den Reihen thümlichen Umstände erwähnen mögen: wir meinen den be- Ler Celebriläten hat der Tod einen ausgezeichneten Mann rühmten Historiker Johann Gustav Dropsen. Er war