Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 432

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227529--41843-3310349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

432 reitet und durch Ueberfall in ihre Gewalt gebracht, außer-! Auch einige Thiere mußten sie hier getödtet und deren Fleisch dem einige kleine Dörfer überfallen und ausgeplündert.! verzehrt oder mitgenommen haben.' Es leuchtete ein, daß die Bald waren die Aeltesten versammelt und schnell die vor-! Räuber hier eine geraume Zeit verloren hatten und so konnte handene Jugend zusammenberufen, mit allerlei Waffen ver-; sehen und zum schleunigsten Aufbruch befohlen und geordnet.! Die ziemlich ansehnliche Schaar hatte sich nach dem letzten Unglücksplatze gewandt, von wo zur Verfolgung des Feindes! am ehesten die Spuren aufzufinden wären. Mit freudigem j Zuruf empfing sie Abiram und sofort wollte man ans Werk gehen. Da die Räuber so vieles Vieh, die bepackten Esel und zahlreiche Gefangene mit sich führten, konnten sie, so schloß man, nicht allzuschnell vorwärts kommen und die Spuren mußten sich leicht auffinden und verfolgen lassen. Man brauchte nicht lange zu suchen: die Räuber hatten sich in entgegengesetzter Richtung aufgemacht und waren Anfangs des Weges am Flusse gezogen, den unsre Pilger gekommen waren. Abiram spähte ängstlich umher, ob er irgend eine Spur derer erkennen mochte, deren Geschick ihm am meisten am Herzen lag. Dort siatterte an einem Dornstrauch das Stück eines weiblichen Gewandes, dessen Farbe dem Kleide gleich war, das Abijah trug. Er riß es an sich wie eine theure Reliquie. War es wirklich von ihr? Hatte sie hier sich gesträubt und mit den Räubern gerungen und war mit Gewalt fortgerissen worden? . . . Stürmisch pochte sein Herz, Thränen des bittersten Wehs wollten sich in seine Augen drängen. Aber er kämpfte sie mit Macht zurück, denn Umsicht und Thatkraft waren vor Allem erforderlich, um zu einem glücklichen Ziele zu gelangen. Bald kam man an eine Stelle, an welcher die man die Hoffnung hegen, sie nicht eher allzuweit antressen zu können. Alle diese Beobachtungen waren schnell gemacht und besprochen, und man eilte abermals vorwärts. Nach einem längeren Marsche befand man sich am Fuße eines ziemlich steilen Berges, den die Räuber überstiegen haben mußten. Aber die Sonne war längst hinter den westlichen Höhen hinabgesunken; die Dämmerung hatte sich schnell verbreitet und drohte bald in das Dunkel der Nacht überzugehen. Zum Glück jedoch hatten sich hier die Syrer einen Weg durch das dichte Gestrüpp bahnen müssen, von welchem der Berg bedeckt war, und hatten so selbst ihren Gegner den Weg gezeigt und erleichtert. Als unsre Schaar auf der Höhe des Berges angelangt war, hörten sie aus der Tiefe eines dicht umwachsenen Bergkessels Geschrei und Gesang und wüstes Toben, in welches sich auch Klage- und Jammertöne einmischten. Zugleich gewahrten sie das. Licht von Feuerbränden, das durch die Finsterniß und das dichte Laubwerk der Bäume erzitterte. Sie wußten, daß sie ihr Ziel erreicht hätten. Die Räuberbande hatte sich mit ihrer zahlreichen Beute wirklich in dieser Bergschlucht gelagert. Sie wollte hier übernachten, sich in diesem versteckten Theile des Gebirges sicher wähnend, und nicht ahnend, daß die Judäer sich auf- und zusammenrassen könnten, sie aufzusuchen und anzugreifen. Sie überließ sich daher ungescheut den Gefühlen des Sieges j und sicheren Erfolges. Die Häuptlinge musterten die zahl- Räuber über den Fluß gesetzt sein mußten. Waren sie geradereiche Beute und schickten sich zu deren Bertheilung an. Das wegs am jenseitigen Ufer aufgestiegen, oder um ihre Spuren zu verwischen, eine Zeit lang in dem seichten Wasser vorwärts gegangen. Doch nicht lange und man fand den Platz auf, an welchem jene aus dem Wasser gestiegen. Sie hatten sich von da in das Gebirge hineingezogen, um irgend einen Schlupfwinkel aufzusuchen, von wo aus sie ihr Werk weiterführen konnten. Das Gebirge Ephraim auf seiner Südseite bietet durch die Mannigfaltigkeiten seiner Schluchten, die ausgedehnten Waldungen und die Beschaffenheit seines Gesteins überaus zahlreiche Verstecke dar, die meist nur für die örtlichen Anwohner aufzufinden sind. So eilte unsre Schaar! rüstiger Männer und Jünglinge vorwärts, aber mit größter Vorsicht, um die Spur nicht zu verlieren. Waren, fragte man sich, die Räuber zusammengeblieben oder hatten sie sich zu leichterer Flucht getheilt? ... Zu großer Befriedigung gelangte man nach einiger Zeit auf einen schon am Fuße des Mittelgebirges gelegenen Platz, auf welchem der feindliche Haufe Rast gemacht und sich gelagert hatte. Es lagen hier viele Gegenstände zerstreut, welche sie wahrscheinlich als für sie werthlos aus der Beute ausgesondert und zurückgelassen hatten, um ihren Marsch zu erleichtern. sollte bei einem fröhlichen Gelage berathen werden, zu welchem die geraubten Borräthe die Mittel in Ueberfluß darboten. Es fehlte nicht an Wein, an schnellgebratenem Fleische, an Fladen und Früchten. Allgemach stieg die Lustigkeit an, mit dieser jedoch auch der Streit um die Beute, deren beste Theile jeder Einzelne für sich verlangte, weil er am meisten zum Siege beigetragen zu haben vermeinte. Da man hierüber sich zu einigen nicht vermochte, schlug man vor, die Würfel entscheiden zu lassen. Jndeß drangen die Häuptlinge noch durch, jetzt erst die Maßregeln zu berathen, die man am nächsten Morgen treffen wolle. Ueber den Ort, wohin man sich zurückziehen wollte, war man einig. Einige Stunden von hier befand sich im Gebirge eine mächtige Höhle, zu welcher der schmale Eingang schwer aufzufinden war, während Raum genug darin vorhanden, ein ganzes Heer zu Herbergen. Diese Höhle hatte den syrischen Banden oft genug zur Zuflucht gedient und war zugleich leicht zu vertheidigen. Dahin wollte man am frühen Morgen aufbrechen, um sie rechtzeitig zu erreichen. Ferner beschloß man am anderen Morgen Parlamentäre nach der Kreisstadt zu senden, welche ein beträchtliches Lösegeld für die Gefangenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.