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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 430 (sequence 10)
Language
German
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430 Colonie aus 20 kräftigen, arbeitsfähigen Männern, 8 Frauen , und 5 Kindern (von denen 3 in der Colonie geboren sind). Die Colonisten besitzen 2240 Acker Land, wovon 165 bereits cultivirt sind und täglich noch mehr cultivirt werden, 10 Holzhäuser, 3 Erdhütten, 6 Ställe, 8 Brunnen, 5 Pferde, 10 Arbeitsochsen, 4 Kühe, Wagen, Pflüge und verschiedene andere landwirthschaftliche Gerärhschasten. Es hat natürlich viele Entbehrung, Leiden und Kämpfe gekostet, bevor die Colonie auf diese Stufe gelangte, daß sie aber dahin gelangen konnte, beweist uns, daß die gefaßte Idee durchführbar ist. Wenn die Colonie trotz Hunger, Kälte, feindlicher Anfechtungen u. s. w. Etwas werden konnte, warum sollte nicht bei günstigeren Verhältnissen etwas Größeres geleistet werden können? Wir sind fest entschlossen, uns dieser Frage zu widmen; die Nothwendigkeit erheischt cs. Wir dürfen nicht aus halbem Wege stehen bleiben. Wir haben in dieser Zeit Erfahrungen gesammelt, um diese Angelegenheit mit Umsicht in die Hand nehmen zu können. Die Mißerfolge unserer Vorgänger zeigten uns die schwache Seite dieser Frage und ließen uns nützliche Schlußfolgerungen ziehen. Gleichzeitig suchten wir mit den politischen Verhältnissen einiger Staaten vertraut zu werden, lernten das Klima, die Fruchtbarkeit des Bodens u. s. w. kennen, und so ausgerüstet wollen wir jetzt weiter gehen. Unser Princip war von vorn herein, uns nicht mit der Gründung einer Colonie abzufinden. Wir sind jetzt mit der Ausarbeitung eines Projektes beschäftigt, sobald wir damit fertig sind, senden wir einen Delegirten nach Europa, um unsere Pläne den betrefiendcn Vereinen und Comitvs Borzulegcn. Eins bleibt uns jetzt noch zu wünschen übrig, daß Diejenigen, deren Theilnahme allein unsere Sache mit Erfolg krönen kann, daß gerade sie nicht gleichgültig bleiben mögen. Vorsteher der Colonie „Bethlehem-Judah".; Saul Sokolowsky. Isidor Hesselberg. j Bethlehem-Judah, Dak., 25. Mai. (Privatmitth.) Heute trat eine Generalversammlung der Colonie „Bethlehem-Judah" und des Russisch-Hebräischen Vereins für Ackerbau in Amerika" zusammen. Die Versammlung prüfte das vom Counts ausgearbeitete Projekt über die Colonisation russischer Juden in Amerika und hat ihn als zweckentsprechend anerkannt. Nach Anerkennung des Projekts wurde Herr Saul Sokolowsky als Delegirter erwählt, der nach Europa gehen soll, um dieses Projekt zu realisiren. Die Versammlung gab ihm eine Vollmacht, überall nach seiner Ueberzeugung für ihre Jnteresien zu wirken und ihre Angelegenheiten zu vertreten. Herr Sokolowsky nahm dankend diese schwere Mission auf sich und wird in diesen Tagen seine Reise antreten. Er führt viele unserer schönsten Wünsche mit sich. Wir hoffen, daß es noch Söhne in Israel geben, die, wo es gilt, eine große gute Sache zu verfechten, ihm hilfreich zur Seite stehen werden. Wir rufen alle Diejenigen an, die die Wichtigkeit dieser Frage einsehen, Herrn Sokolowsky auf seinem schweren Wege zu unterstützen, denn^es gilt hier die Sache unserer unglücklichen Brüder! I. Hesselberg. Bonn, 22. Juni. (Notizen.) Am 27. April d. I. verstarb in Hegenheim (Elsaß) der hochgachtctc Rabbiner Moses Nord mann in seinem 74sten Lebensjahre. Er war ein tüchtiger Talmudist, aber auch den Erscheinungen unsrer Zeit lebhaft zugewandt. So war er ein eifriger Agent des „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur" während des 18 jährigen Bestandes desselben, so auch ein thätiger Förderer der Alliance isr. univ., als Vorsitzender des Localcomitvs. — Aus Berlin wird uns geschrieben: Am 1. Juni verschied im Alter von 63 Jahren R. Bär Zomber, Rabbiner am hiesigen Bet-Ha-Midrasch. Er war ein tüchtiger Talmudist, der sich auf den Universitäten Würzburg und Berlin auch allgemeines Wissen angeeignet hatte. Einige Abhandlungen, welche er veröffentlichte, legen Zeugniß von seiner talmudischen Gelehrsamkeit und seinem Scharfsinn ab. — Aus Wien wird uns berichtet: Herr Rabbiner W. Schorr (Ochs), bis jetzt Rabbiner in Thurocz-Szt- Marton (Ungarn), ist zum Prediger des isr. Tempelvereines im IX. Bezirke ernannt. — Vom Ries schreibt man unterm 10. Juni: Die Pläne für die neue Synagoge in Nördlingen, welche der städtische Ingenieur Gaab gefertigt, wurden genehmigt. Die Kosten für den Bau werden 103 400 Mk. betragen. Sie werden getilgt durch freiwillige Gaben, Verkauf der Synagogenplätze, theils durch ein Anlehen, das durch Umlagen abgetragen wird. Israelitische Familien giebt cs in Nördlingen einschließlich der Wittwen 104. — Aus dem israelitischen Friedhofe wurden letzten Samstag Nacht von 20 Grabmonumenten 16 umgeworfen und theilweise zerstört. Ob Rache oder Mnthwille vorliegt, ist fraglich; die Wächterin hatte nichr den Mnth, dem Buben nachzugchen, welcher Nachts 1 Uhr seine Büberei ansführte. — Als interessantes Factum wird aus Wien geschrieben, daß Fräulein Alexandrine v. Schönerer, eine Schwester des antisemitischen Abgeordneten, welche gleich ihrer gesammten Familie mit ihrem Bruder in Feindschaft lebt, seinerzeit 500 Gulden für die aus Rußland vertriebenen Juden gespendet hat. j Pest, 20. Mai. (Literarische Notizen.) Ob die! Mischna von Jehuda Hanaffi und ob der palästinensische . und babylonische Talmud in der talmudischen Zeit schriftj lich redigirt wurde und als literarische Erzeugnisse vorhanden waren, oder ob sie sich blos durch mündliche l Mittheilung fortgepflanzt haben, diese Frage, welche seit (Nissim ben Jakob aus Kairuan jüdische und christliche! Forscher bis auf Z. Frankel und I. H. Weiß vielfach beschäftigte, wurde von Dr. I. S. Bloch, Rabbiner und

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