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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 427 (sequence 7)
Language
German
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427 unter gleichen Umständen stets beobachtet. In Preußen wird schöne, jedoch lange noch nicht genug gewürdigte und unterstützte, jedoch die Parität ans die beiden christlichen Kirchen bevom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde unter der Leitung schränkt. — Behufs einer würdigen Feier des 25» jährigen Bestandes der jüdischen Lehrer-Bildungs-Anstalt zu Berlin ersucht der Lehrer Julius Weber (Berlin, Linienstr. 30) alle früheren Schüler der gedachten Anstalt, ihm baldigst per; Postkarte ihren gegenwärtigen Wohnort anzugeben. Bonn, 13. Jnni. (Privatmitth.) Wir haben uns heute entschieden gegen einen Mißbrauch auszusprechen, der sich bei einigen jüdischen Autoren einzuschlcichen droht, und der zuletzt wieder als „eine jüdische Zudringlichkeit" ausgelegt werden wird. Man weiß ja, wie willkommen unseren Gegnern irgend ein Mißgriff und eine Taktlosigkeit einzelner Juden ist, um sie der Gesammtheit zur Last zu legen. Bekanntlich fügen die Verlagsbuchhandlungen den von ihnen herausgegebenen Schriften öfter in einem Anhänge eine Sammlung der Urtheile hinzu, welche in der Presse über diese Schriften gefällt worden sind, natürlich nur der lobenden. Ties wird ihnen Niemand verübeln. Kritiken, die in den öffentlichen Blättern abgedruckt standen, gehören der Ocffentlichkeit an und können mit Recht vom Buchhändler zur Empfehlung seines Berlagsartikels benutzt werden. Anders verhält es sich jedoch mit folgendem Verfahren. Einige jüdische Autoren senden Exemplare des von ihnen verfaßten Buches an höchst-! und hochgestellte Personen, Celebritäten und berühmte Männer. I Diese müssen schon aus Höflichkeit brieflich ihren Tank für diese Aufmerksamkeit aussprechen und fügen natürlich einige j lobende Worte über das eiugesandtc Buch hinzu, wobei sie in der Regel das, was ihnen in demselben mißfällt, oder, womit sie nicht übereinstiinmcn, mit Stillschweigen übergehen. Nun geht ein solcher Autor hin und veröffentlicht diese Briefe, die doch nur Privatschreiben und nicht in der Voraussetzung geschrieben waren, daß ein öffentlicher Gebrauch davon gemacht werde. Weder juridisch noch moralisch hat der Autor hierzu ein Recht. Wie sehr dies oft verletzen, ja entrüsten muß, sieht man leicht ein, und wie viel es dazu beitragen kann, die jüdische Literatur in Mißkredit zu bringen, an dem sie ja jetzt schon genug zu leiden hat. Unsere Vorfahren thaten nicht so. Es war Sitte, daß ein Autor das Manuskript seines Werkes, also bevor cs gedruckt ward, Autoritäten vorlegte, und von ihnen ein Urtheil über dasselbe erbat. Diese Autoritäten wußten genau, wozu ihre Gutachten bestimmt waren, nämlich als Empfehlungen an der Spitze des Buches gedruckt zu werden. Hiernach richteten sie ihre Zuschriften ein. Jedcrman sieht den Unterschied ein von dem Mißbrauche, der mit Privatbriefcn getrieben wird. Wir glauben uns deshalb verpflichtet, hierauf aufmerksam zu machen, damit das Uebel nicht weiter einreiße. Leipzig, im Juni. (Privatmitth.) Eine außerordentlich des sel. Nachod errichtete Kaffe ist die in Leipzig domizilirte „Deutsch-Israelitische Tarlehns-Kasse für Frauen und Jungfranen". Ter Titel bezeichnet hinreichend den Zweck, Frauen und Jungfrauen durch ein nach und nach zurückzuzahlenden Darlehen in ihrem Erwerbe oder Geschäfte zu unterstützen oder ihnen zu einem solchen zu verhelfen. Ter Berwaltungsrath hat jetzt feinen Bericht für die Jabre 1*82 und 1883 ansgegeben. Ter feste Fond beträgt 40,132 M. Die Einnahmen 1882 bestanden in 4088 Al., worunter man mit Befriedigung „Rückzahlungen von 22 Tarlehns-Empfängerinnen 1118 M. bemerkt." Im Jahre 1883 betrugen die Einnahmen etwas weniger, nämlich 3026 M., worunter Rückzahlungen 1003 M. Bon den Tarlehns - Empfängerinnen! waren in den beiden Jahren 10 ans Sachsen und Provinz Sachsen, 4 ans Anhalt, 4 aus Frankfurt a. M., 3 aus! Thüringen, 1 aus Bayern, 1 aus Darnistadt, 1 aus Westj Preußen, 1 ans Posen, 2 ans Hannover, 2 aus Branden-! bürg, 2 aus der Lausitz, I aus Pommern und 3 aus Schlesien. Man sieht hieraus, daß die Kaffe die Tendenz hat, überall hin, wo man sie in Anspruch nimmt, ihre Beihülfe eintretcn zu lassen, und daß cs sicherlich nur die Unkenntnis; ist, welche einer so segensreichen Veranstaltung nicht bedeutendere Mittel und einen noch ausgedehnteren Wirkungskreis gewährt. Tic Darlehen wurden H> Frauen, 5 Wittwen und 27 Mädchen, zusammen 7000 Al. gewährt. Noch Eines wird uns intcressiren: zu welchen Geschäftsbetrieben nämlich die Darlehen verwendet wurden. Im Jahre 1882 2 zur Anschaffung von Nähmaschinen, 2 zum Betriebe von Victualienhandel, 8 von Putz- und Schnittwaarenhandel, 1 von Leincnhandcl, 1 von Schneiderei, 4 zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen, 4 von Lehrerinnen, 1 als Hebamme, 1 zum Studium der Medicin, 1 zum Klavierunterricht. Im Jahre 1883: 5 zu in Betrieb von Waarenhandel, 3 von Schneidergeschäft, 1 von Putzgeschäft, 1 von Kürschnergeschäst, 1 zur Erlernung der Damenschneiderei, 1 zum Ankauf einer Knopflochmaschine, ."> für Kiudergärtnerinuen und 2 für Lehrerinnen. Möchte dieses Referat dazu beitragen, der Kaffe recht viele Freunde zuznführen und den Kreis ihrer Thätig feit zu erweitern. Bremen, 10». Juni. (Privatmitth.) Ein seltener Act wahrer Menschenliebe ist von hier zu berichten. Bor einigen Tagen fand ein hiesiger Geheimpolizist ans dem Staatsbahnhose eine jüdische Frau mit fünf kleinen Kindern, welche ans Rußland gekommen waren und nach Holland Weiterreisen wollten, wo der Mann jener Frau in Arbeit stand. Tiefe war aber von allen Mitteln entblößt, weshalb sie in der ' Stadt, wo sie bei ihren Glaubensgenossen sich die nöthigen j Reisekosten zu verschaffen hoffte, nirgends Unterkommen fand.

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