Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 426

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227529--41837-3310343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

426 und Wirkungen in wissenschaftlicher Durchforschung zu würdigen. Ein besonders wichtiges und schwieriges Thema bildet hier die Reformation des 16. Jahrhunderts und die katholische Contre-Revolution, welche den Protestantismus auf die Grenzen beschränkte, die er noch jetzt inne hat. Man weiß, welche blutige Kriege, welche fanatische Einrichtungen und düstere Vorgänge daraus entsprangen, und daß nicht blos der Bestand der Kirchen, sondern auch vielfach die Gestaltung der Staaten davon beeinflußt wurde. Aus diesem Gesichtspunkte glauben wir hier auf die jüngsten Schriften eines Geschichtsforschers jüdischer Religion aufmerksam machen zu müssen. Nachdem Dr. Martin Philippson, früher Professor an der Universität zu Bonn, jetzt an der Universität zu Brüssel, in dem großen Gcschichtswerke, das Professor Wilhelm Oncken bei Grote in Berlin herausgiebt „das Zeitalter Ludwig XIV" (187'.') geschildert hatte, übernahm er die Darstellung von „Westeuropa im Zeitalter von Philipp II, Elisabeth, und Heinrich IV" (1882'. Als Einleitung zu der Geschichte dieses Zeitabschnittes, war ein Einblick in „die katholische Gegenreformation um die Mitte des 16. Jahrhunderts" (1886) nothwendig. Ta aber diese inhalts- und folgenreiche Erscheinung in der gedachten Einleitung nur in knappen Umrissen und Zügen dargestellt werden konnte, hat derselbe Historiker das reiche Material in einem besonderen Werke verarbeitet, welches er, um in Belgien und Frankreich leichter Verbreitung zu finden, in französischer Sprache verfaßte: „Les Ori^ines du Catbolicisme moderne. La Contre-Revolution religieuse au XVI Si<scle.t Das 618 Seiten starke und typographisch vorzüglich ausgestattete Werk ist in Brüssel (Librairie C. Muqnardt, 1884. Preis: IO Frcs.) erschienen. Es versteht sich wohl von selbst, daß der Verfasser auf die blos theologischen Streitigkeiten als solche nicht einging, sondern diese nur soweit berührte, wie es die geschichtliche Entwickelung nothwendig machte, den größten Raum nimmt die Geschichte des Jesuitenordens, der Inquisition und des Tridentiner Concils ein. Der Verfasser steht uns persönlich zu nahe, als daß wir hier ein Urtheil über die Verdienste seiner historiographischen Leistung, über die wissenschaftliche Durchforschung seines Gegenstandes, die angemessene Sichtung des ungeheuren Materials, das er aus den belgischen Archiven nicht unwesentlich bereichern konnte, die unparteiische und klare Darstellung und die kunstgemäße Gruppirung abgeben könnten. In Belgien ist das Werk in einem Zeitpunkt erschienen, in welchem cs die allgemeine Aufmerksamkeit dort wecken mußte. Bekanntlich stehen sich in Belgien die liberale und die katholische Partei in unversöhnlichem Kampfe einander gegenüber, und in den jüngsten Tagen hat die partielle Neuwahl für das Abgeordnetenhaus der katholischen Partei einen glänzenden Sieg gebracht und das liberale Regiment, das seit 1878 Belgien beherrschte, gestürzt. In solchem Conslicte verlangt jeder gebildete Geist nach einer geschichtlichen Unterweisung über den Ursprung und den Fortgang dieses großen Kampfes, und diese findet er nun in dem ge« dachten Werke. A?et 1*11146] >11 acfjzi c fj 1*614. Deutschland. Berlin, 17. Juni. (Privatmitth.) Ter Ausschuß des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" ersucht uns um den Abdruck folgender Bekanntmachung: Aufruf. Jüdische Lehrer, welche an dem vom 21. Juli bis 16». August d. I. zu Leipzig stattfindcudcn Cursus zur Ausbildung im Handfertigkeits-Unterricht auf Kosten des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes theilnehmen wollen, mögen unverzüglich Meldung einrcichen an das Bureau des D.-J G.-B. Berlin, W. Sigismnudstraße Nr. 5. Berlin, 18. Juni. <Privatmitth ) Wie aus den Zeitungen bekannt ist, wird jetzt der preußische Staatsrath, der seit mehreren Jahrzehnten außer Thätigkeit war, reaktivirt. Er ist besonders dazu bestimmt, die dem Parlamente vorzulegenden Gesetzentwürfe vorher zu berathen. lieber die Bedeutung dieses Aktes haben wir hier nicht zu urtheilen. Tie Liste der hervorragenden Männer, welche in den erneuten Staatsrath berufen worden, wird in den öffentlichen Blättern mitgethcilt. Es wird durchaus nicht auffallen, daß diese Männer aus den obersten Schichten aller Zweige der Verwaltung und Gesetzgebung gewählt sind. Darum wird es auch nicht auffallen, daß auch aus der protestantischen und katholischen Kirche mehrere Geistliche, aus der letzteren zwei Bischöfe und sogar ein Führer des Centrums (v. Schorlemer Alst) gewählt sind. Endlich wird es in Preußen nicht auffallen, daß in diese Versammlung kein Jude berufen kein Vertreter der 350,( 00 Juden in Preußen aufgenommen worden. Tie Leser dieser Zeitung wiffen, daß wir in allen politischen Angelegenheiten die Juden als einfache Bürger ansehen, die, solange der Grundsatz der Gleich.- stellung unangetastet bleibt, eine spccielle Vertretung weder beanspruchen, noch beanspruchen dürfen. Da aber in den Staatsrath mehrere Vertreter jeder der beiden christlichen Kirchen, selbstverständlich als Vertreter der kirchlichen Interessen einberufen worden, konnte ein Vertreter des Judenthums nicht minder berechtigt sein. In anderen Ländern wird dies

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.