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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 424 (sequence 4)
Language
German
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424 letzterer in einem Siebenbürger Komitat gewählt ist, werden schwerlich etwas Anderes thun als schweigen. Ernst Mezey, der den Muth hatte, seine Glaubensgenossen zu vertheidigen, gehört dem Hause nicht mehr an und Eotvös' Wahl ist durch die Juden selbst vereitelt. (Ist dies der Fall, so haben sich diese Juden über ihr Schicksal nicht zu beklagen! Haben sie doch die gleiche Haltung den Opfern von Tißa Eßlar gegenüber beobachtet! Redakt.) Der Minister-Präsident soll die Absicht haben, gleich nach Eröffnung des Reichstags gegen die Antisemiten energisch vorzugehen — ob es aber bei ihm, wie schon so oft, nicht bei der guten Absicht bleibt? — nicht. Diejenigen, die bisher die parlamentarischen Führer der antisemitischen Ideen waren, versuchten schon oft das Programm ihrer Bestrebungen zusammenzustellen, doch ist dies bisher nicht gelungen, denn jene Mitglieder der antisemitischen „Partei", die etwas aus ihre intellektuelle Reputation halten, betonten nur die Nothwendigkeit solcher Institutionen, die wohl nicht als antisemitische Gesetze, aber als Garantien der in einem Rechtsstaate nothwendigen Ordnung schon in den ungarischen Gesetzen enthalten sind; Jene aber, die nur Antisemiten sind und nichts Anderes, und in ihrer wilden Befangenheit selbst um ihre eigene intellektuelle Reputa- So weit unser gesch. Corresp. Die Art, wie diese Re-! tion sich nicht viel kümmern, haben, wenn sie sich ansProgrammsultate der Wahlen in Ungarn aufgefaßt werden, bezeugt am! fabriziren machten, als Programmpunkte einen solchen Gallibesten ein Artikel des Dr. Julius Olüh im „Nemzit":! matias zusammengcstcllt, den jeder richtig denkende Mensch so- „Wer hätte cs gedacht? Die von Jstöczy vor 9 Jahren! wohl aus dem Gesichtspunkt des Liberalismus, als des gesunden im Parlament aufgeworfenen und damals mit - heiterem j Urtheils und der Gerechtigkeit entschieden zurückweisen muß. Lächeln aufgenommenen exzentrischen Ideen haben während! Aus dieser Programmlosigkeit der Antisemiten folgt dann, der abgelaufenen neun Jahre im Lande Terrain erobert,! daß die ungarische Gesellschaft und die ungarische Gesetzja die Vertreter dieser Ideen erscheinen schon bisher als eine j gebung selbst heute noch nicht im Reinen darüber sein kann, aus 17 Mitgliedern bestehende Partei im gesetzgebenden! was man eigentlich unter dem Antisemitismus unserer Anti- Körper Ungarns. Die sich als Antisemiten bekennenden Ab-! semiten verstehen muß. Wir hören in ihren Reden, wir geordneten sind heute schon in der Zahl von sechzehn gelesen in ihren Organen ihre Ausfälle gegen die Juden, all wählt und wenn sie auch bei den noch rückständigen Wahlen! dies aber besitzt nur den Charakter eines formlosen Wüthens. sich nicht vermehren, treten sie doch als eine aus 17 Mit-! Sie erinnern damit an fluchende Leute. Sie machen einen gliedern bestehende Partei in den nächsten Reichstag ein. j großen Lärm, sagen aber nicht, was sie wollen. Das durch Das geringere Uebel bei diesem unangenehmen Wahl-! sie, durch ihre Reden, durch ihre Blätter aufgehetzte sanaresultate ist, daß die Antisemiten in der Arbeit der Gesetz- ■ tisirte Volk hilft sich inmitten dieser Programmlosigkeit so, gebung viel mehr Ungelegenheiten bereiten werden, als die! daß es statt der Parteiführer selbst sein Programm macht, frühere aus 4 bis 5 Mitgliedern bestehende antisemitische! Es besteht insgesammt aus einem Satze: „Haut den Juden!" „Partei" verursacht hat. Es ist kein Zweifel, daß es unan-! und wenn es möglich ist, ist es bestrebt, dieses Programm genehm sein wird, jetzt bereits von 17 redseligen Abgej aucf) zu rcalisiren, stürzt sich auf die Häuser friedlicher ordneten ihre barbarischen Ideen erörtern zu hören; viel Bürger, zerstört dieselben und raubt deren Vermögen. Haut unangenehmer muß aber für jeden objektiv denkenden Patri-! die Juden? Warum? Weil sie Juden sind. Ueberfalle das oten das Schamgefühl sein, so oft ihm die Thatsache ein- Haus friedlicher Bürger, zerstöre, beraube sein Geschäft! fällt, daß in Ungarn, im großen Jahrhundert der Aufklärung, i Warum? Weil diese friedlichen Bürger Juden sind, im 19. Jahrhundert eine parlamentarische Partei existirt, bie j Dies ist Alles, was die Geschichte bisher von der Thätiguuter dem Banner der religiösen Intoleranz thätig ist und keit der ungarischen antisemitischen Partei als Resultat mit jedem Worte, mit jeder That die Idee des Liberalismus ( aufweisen kann. Wahrlich ein trauriges Resultat! Dieverletzt. Die nationale Gesetzgebung hat schon lange jede jenigen, die cs hervorgerufen haben, mögen sich seiner mit religiöse Unduldsamkeit beseitigt, die volle Gleichberechtigung Recht schämen. Und wenn trotz dieses Resultates die Antidcr Konfessionen ausgesprochen und jetzt tritt in die Gesetzsemiten in erhöhter Anzahl ins Abgeordnetenhaus gelangen, gebung Ungarns eine, wenn auch eine zwerghafte Minorität so bedeutet dies nichts Anderes, als daß es einen neueren bildende, aber doch organisirte Partei, die offen die religiöse Beweis für den schon längst allgemein bekannten Umstand Intoleranz proklamirt und eine entschiedene Agitation gegen liefert, daß in einem parlamentarischen Lande bei Gelegencine gesetzlich rezipirte Konfession Ungarns betreibt. heit der allgemeinen Wahlen selbst die absurdesten Ideen Und was für eine Partei ist das? Ist sie vielleicht eine bald hier, bald dort einen Bezirk erobern können. Partei, die ein ordentliches Programm besitzt, ihre Bestrebungen; Wenn jedoch in einem Staate, der mit der religiösen mit offener Entschiedenheit ausdrückt? Nein! Sie haben kein Intoleranz schon vor langer Zeit endgiltig gebrochen hat, entschiedenes Programm, sie sagen nur, daß sie Antisemiten die Partei der religiösen Intoleranz an Raum gewinnt und seien; worin aber ihr Antisemitismus bestehe, das sagen sie Eroberungen macht, so ist dies ein Anzeichen, gegen welches

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