Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1884)
- Date
- 1884-06-24
- Page
- Seite 415 (sequence 11)
- Language
- German
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415 Friede sei in deinen Mauern, Ruh' in deinen Schlössern. Um meiner Brüder, meiner Freunde willen Laß mich reden: Fried' in dir! Um des Hauses des Ewigen, unsres Gottes willen Will ich dein Bestes suchen." j gen Bäumen, um ein Frühstück einzunehmen. Die Thiere j ließ man in dem üppigen Grase weiden. Alles war heiter,! scherzte, lachte. Da fuhren plötzlich Pfeile durch die Luft! und trafen den Einen und den Andern. Abiram sprang!auf, ergriff seine Waffen, rief die Gefährten auf, ihm zu!folgen und rannte nach der Gegend, woher die Pfeile zu Sobald die letzten Klänge des Psalms verhallt waren,! kommen schienen. Da stürzten mit ungeheuerem Geschrei nahm man Abschied. Die Väter und Mütter segneten ihre ' syrische Räuber von den Höhen herab und warfen stch auf Kinder; man umarmte sich, die Augen wurden feucht und die wenigen Bewaffneten, die sich ihnen in den Weg gestellt, viele Mahnungen sprachen die zitternden Lippen der Greise! Abiram und seine Genossen kämpften wie die Löwen. Aber an die jungen Wallfahrer aus, bis der Vorsteher seinen 1 ein schwerer Keulenschlag traf ihn auf das Haupt und er sank Stab hoch erhob, die Flötenbläser eine heitere Weise an-! blutüberströmt und bewußtlos nieder. Die Uebermacht der stimmen, und der Zug verließ langsam die theure Heimaths- Angreifer schlug den Widerstand der Dörfler bald nieder, statte. Voran ging Abiram in voller Bewaffnung und die Unterdeß hatten wohl einige der andern die Flucht ergriffen; Standarte des Dorfes hoch erhoben. Hierauf kamen drei; aber die Mehrzahl der Pilger wurde von den Räubern Flötenbläser, es folgte der zum Opfer bestimmte Stier mit! mißhandelt, gebunden und sammt den Thieren, die sie mit vergoldeten Hörnern, Feigen und Blumenkränze um den! den Gepäckstücken wieder beluden, fortgeschleppt. Alles geschah Nacken. Er wurde vom Vorsteher des Dorfes geleitet, aber; in großer Eile, und eine Stunde später lag das Thal wie- Eleasar hatte dieses Ehrenamt in der Freude über die Aus-; der einsam und nur die getödteten und verwundeten Jüngsöhnung und das vereinbarte Bündniß zwischen den beiden klinge und einige herumliegende Gegenstände, welche die Sprößlingen der so oft hadernden Familien dem Menahem syrische Bande für werthlos erachtet, gaben Zeugniß von dem abgetreten. Es folgten nun die Familien hinter einander, I Frevel, der hier an friedlichen Wallfahrern verübt worden, in der Mitte einer jeden die Esel, welche die Körbe mit den! Auch Alaja, ihr Vater und der alte Eleasar waren gefangen Erstlingen, die Vorräthe für die Zehrung unterwegs trugen. Lange standen die Zurückgebliebenen auf den nächsten Höhen, um den theuren Wallfahrern, so lange als sie sichtbar waren, nachzuschauen. Der Zug schritt am linken Ufer des Baches durch schönbebaute Fluren. Wieder stimmten die Flöten an, und es erschallte in einstimmigem Gesang das Pilgerlied: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Von wannen wird mir Hilfe kommen? Hilfe kommet mir vom Ewigen, Schöpfer des Himmels und der Erden. Nicht läßt er wanken deinen Fuß, Nicht schläft dein Hüter: Sieh, nicht schläft, nicht schlummert der Hüter Israels. Der Ewige ist dein Hüter, Der Ewige ist dein Schatten, dir zur Rechten. Am Tage wird die Sonne dich nicht treffen. Nicht in der Nacht der Mond. Der Ewige wird vor allem Leid dich hüten. Hüten deine Seele. fortgesührt. (Forts, folgt.) Der proceß vor der Lön. Strafkammer za Sonn gegen Maaß und Trapp am 6. 2uni 1884. lieber diese, von uns unter den „Zeitungsnachrichten" besprochene Gerichtsverhandlung enthält der in Bonn erscheinende „General-Anzeiger" vom 8. Juni eine ausführliche Schilderung (nicht aus jüdischer Feder), die wir unsren Lesern nicht vorenthalten wollen. Sie lautet: „Das fehlte mir gerade noch. Daß ich für den ewigen Juden müßte in's Loch!" So lautete ein Paffus in der Einleitung des gemeinen Pamphletes, genannt: „Jsaakiade oder der ewige Jude des des neunzehnten Jahrhunderts" und heute darf man dieses Wort mit einem Satze frei nach Kinkel erwidern und sagen: „Und sieh' nun ist es doch gekommen, was dem Gericht du gar so schwer gemacht!" Ja, der kluge Herr Maaß jun., der es verstanden, die Hauptverhandlung 5 mal vertagt zu sehen, er hat die Worte der Einleitung anders in die Praxis über- Der Ewige wird hüten deinen Ausgang und deinen Eingang tragen und das gefürchtete „Loch" wird ihm jetzt als Aufent- Bon nun an bis in Ewigkeit." halt dienen müffen. Da wird er sich anders benehmen müssen Die Stimmen waren verhallt. Man zog durch eine als auf die Leute tapfer zu schimpfen, die ihn in Frieden kleine Ebene am Ufer des Flusses. Diesem hatte sich aber lassen, als die „Völker aufzuklären", da wird er hübsch ruhig bald ein Ausläufer des Gebirges entgcgengestellt, den er fein müffen, und da wird sein heißes Blut langsamer fließen, mit schäumendem Gewässer durchbrochen hatte. So kam man da wird er erkennen, daß ein böses Wort nur an einen schlechten durch einen langen Hohlweg in ein liebliches, engumgrenztes Ort führt. Doch wozu diese voreiligen Betrachtungen, es Thal. Hier wurde Rast gemacht; man lagerte unter schattigibt ja noch viele Wege, ehe man in's Hotel „Wilhelmstraße" 26*