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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-24 · Heft 26 (24.6.1884) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 26 (24.6.1884)
Date
1884-06-24
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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407 andere Momente an, während die Muse des Gesanges und der Tonkunst nach den Compositioncn des Musikdirectors Lcwandowski und unter dessen persönlicher Leitung den „Gruß" von David Hirschseld, „An den Krug" von Jehuda Halevi, „das Lied vom Wasser" von Gabirol (beide in der Uebersetzung des Geheimraths Kristeller) und andere Pidcen von altjüdischen Melodien durchweht, zum reinsten musikalischen und gesanglichen Ausdruck brachten. Edel und harmonisch in seinen Arrangments, reich und splendid in seinem Menu, war das Fest eine wohlgelungene Ehrcnerweisung für die Rabbinerversammlung und wird als solche in deren Erinnerung stets das Gefühl tief empfundener Dankbarkeit gegen das Festcomite wach erhalten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 10. Juni. Wir erhalten von Herr Moses Feinkind in Turek einen Bericht über das jüdische Zeitungswesen in Rußland, welchem wir Folgendes entnehmen. Gegenwärtig erscheinen in Rußland sechs jüdische Zeitschriften, die sich mit den Angelegenheiten der Juden und Gegenständen aus dem Bereiche des Judenthums beschäftigen. Es sind dies zwei hebräische: der Hamelitz, zwei Mal wöchentlich in Petersburg, und die Hazcsira, eine Wochenschrift in Warschau. In polnischer Sprache der „Jsraelita" erscheint wöchentlich in Warschau. Das „Jüdische Volksblatt" in russisch-jüdisch-deutschem Jargon, ebenfalls Wochenschrift in Petersburg. Endlich ebendaselbst zwei in russischer Sprache, der Woschod und der Rußki Ewrey. Der Hamelitz ist das älteste dieser Blätter und erscheint bereits zwanzig Jahre unter der Redaktion des überaus verdienstvollen Alexander Zederbaum. Sein Inhalt ist sehr mannigfaltig, sowohl an politischen als literarischen und belletristischen Artikeln, theils originalen, theils aus anderen Sprachen übertragenen. Auch der Jsraelita, redigirt von vr. S. H. Poltyn, steht in seinem 19. Jahrgang und hat einige culturhistorische Bedeutung, da er gern Beschreibungen, Schilderungen, Biographien und dergl. bringt. Dr. Poltyn hat viele hebräische Werke, auch die Bibel ins Polnische übertragen und ist von edelster Gesinnung und reinstem Charakter. Tie Hazcsira wird von dem bekannten Mathematiker und Astronom Or. Ch. Z. Slonimski seit 11 Jahren herausgegeben. Am 21. März d. I. feierte Slonimski seinen 75 jährigen Geburtstag und sein 50 jähriges Schrift stellcrjubiläum. Durch seine in hebräischer Sprache verfaßten wissenschaftlichen Werke hat er in seinen Glaubensgenossen den Trieb nach Wissen und Bildung geweckt, und verfolgt der Rußki Ewrey im sechsten Jahrgang. Diese Blätter verbreiten sich jetzt immer mehr innerhalb der jüdischen Bevölkerung Rußlands und Polens und dienen ganz besonders dazu, den Genieinsinn und die Neigung für Bildung und Gesittung zu befördern. Es versteht sich, daß sie nach allen Seiten hin die Bertheidigung des Judenthums und der Juden übernehmen, freilich ohne daß unsere zahlreichen Gegner Notiz davon nehmen, oder Notiz davon nehmen wollen. Es ist dies hier wie in allen Ländern. Jeder Angriff auf das Judenthum wird durch zahllose Blätter ausposaunt, die sich wohl hüten, von der Abwehr ein Wort verlauten zu lassen. — Herr Jsidore Löb in Paris läßt in diesen Tagen eine Schrift erscheinen: „Rättexious sur Iss Juifs“, welche bestimmt ist, die antisemitischen Regungen, die sich auch in Frankreich fühlbar machen, zu bekämpfen. Im ersten Capitel „Theorie“ bespricht er die Vorwürfe und Anschuldigungen, die gegen die Juden erhoben werden; im zweiten „l’Experience“ behandelt er die Geschichte der Emanzipation; das dritte ist „Röle social des Juifs“ überschrieben, das vierte .Religion, morale, eriminalite“, wo die Statistik siegreich für die Juden eintritt; das fünfte „ülleuus reproches“ und im sechsten, Conclusion, kommt der Verf. zu seinen Schlußfolgerungen, indem er die Stellung der Juden in den modernen Ländern und die von ihm geleisteten Dienste darstellt. Die ganze Schrift ist durchaus unbefangen und unparteiisch gehalten und überall führt sie die Belege aus der dcssalsigen reichen Literatur an. — Eine ähnliche Tendenz verfolgt der Vortrag des Großrabbinen E. Aristide Astruc: Origines et c-auses historiques de l’Antisemitisme, welcher aus dem von uns schon besprochenen Jahrbuch der Societe des Etudes Juives in Separatabzug erschienen ist (Versailles, 6erf. 18r 4). Der Berf. führt die Geschichte der Angriffe und Verfolgungen der Juden seit ihrem Ursprung unter den Nachfolgern Alexanders des Großen bis zur Gegenwart uns vor und zwar trotz der Kürze, die ihm der enge Rahmen eines Vortrags auferlegte, in klarster und zusammenhängendster Weise. Er weist überall die allgemeinen Ursachen nach, welche in den verschiedenen Zeitaltern dieser Feindseligkeit gegen ein so.friedliches Völkchen zu Grunde lagen. Aber in edelster Beredtsamkeit sucht er uns am Schluffe zu überzeugen, daß die gegenwärtige Bewegung keine Erfolge haben könne, da sie weder in den materiellen noch religiösen, noch politischen Interessen wurzeln und die Herrschaft der Gerechtigkeit zu stark geworden, um Intoleranz und Grausamkeit dulden zu können. — Wir hab«n schon wiederholt die ausgezeichnete Beredsamkeit anerkannt, mit welcher Herr Zadoc Kahn, Großrabbiner von Paris, seine Kanzelreden ausstattet. Wir können dies auch an der dieses Ziel auch in seiner Zeitschrift, in welcher er stets jüngst von ihm veröffentlichten Pessachpredigt rühmen: La seinen festen religiösen Sinn bewährt. Das jüdische Volks- -Teunesse israelite et le Judaisme. (Paris, Alean-Levy. 1884.) blatt steht in seinem dritten, der Woschod im vierten und Der Redner berührt hier eine schwere Wunde des modernen 26*

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