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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-24 · Heft 26 (24.6.1884) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 26 (24.6.1884)
Date
1884-06-24
Page
Seite 406 (sequence 2)
Language
German
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406 uns Moscheh geboten, soll ein Erbe bleiben in der Gemeinde Jakobs", zur Grundlage unserer Debatten zu machen und damit nach außen wie nach innen Stellung zu nehmen. Redner gedenkt der zu gleichen Zwecken abgehaltenen früheren! Versammlungen und erwähnt der Bestrebungen des Heraus-! gebers der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", die sich stets in der nämlichen Richtung bewegten. Er schließt mit! einem Gebete, worauf er den Vorsitz an den zweiten Präsidenten, Dr. Bamberger, übergiebt, der fortan die Verhandlungen des heutigen und morgenden Tages leitet und mit geschickter Hand das Ruder durch die oft hochschäumenden Fluthen, oft trägen und versandeten Strömungen der Debatte führt. Als erster Gegenstand der Berathung liegt der von der gestern Abend eingesetzten Commission vereinbarte Entwurf einer Erklärung acl I., betreffend die interconfessionelle Stellung des Judenthums, vor, über welchen Maybaum (Berlin) warm und überzeugend referirt, der diese Erklärung mit ihren Grundvesten der Liebe und Gerechtigkeit, als dem Fundament aller Sittlichkeit in Zusammenhang mit der Erklärung der Versammlungen von Braunschweig und Leipzig bringt, und der heutigen Kundgebung einen großen Werth beimißt für die Zukunft, wenn, was Gott verhüte, die Trübsal der Gegenwart sich wiederholen sollte. Wir bedauern au dieser Stelle, den Wortlaut der Erklärung, wie diese von der Commission festgestellt wurde, nicht mittheilen zu können, da es uns trotz aller Bemühungen nicht möglich ward, eine Abschrift derselben zu erlangen, und die Journale Berlins, für welche allerdings vier Abschriften angefertigt wurden, dessenungeachtet nur den Wortlaut des ursprünglichen Entwurfs enthielten. (Folgt in nächster Nr. Red.) Wir müssen uns daher mit dem Berichte begnügen, daß der Commissionsentwurf kräftiger als der ursprüngliche gefaßt war, was dadurch erreicht wurde, daß man jetzt Momente in die „Erklärung" aufnabm, welche früher in der „Begründung" ihren Platz hatten. — Die Discussion, an welcher sich Landau, Joel, Wassermann u. A. betheiligten, bewegte sich um den einen Punkt, ob überhaupt eine Debatte über diese Erklärung stattsinden solle, welcher von vorn herein die Uebereinstimmung Aller gesichert wäre. Da warf die vorhin erwähnte und in der Borversammlung bekannt gegebene Hildesheimer'sche Zuschrift ihren Schatten in die Discussion. „Soll dieser Brief hier öffentlich verlesen werden, oder nicht?" das war das Stichwort, das von Mund zu Mund ging, bis 40 Stimmen dafür entschieden, daß derselbe erst am Schluß der gesammten Berathung verlesen werden solle. Hierauf wird zur Erklärung ad II — betreffend die Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts — geschritten, welche Bogelstein (Stettin) mit einem beifällig ausgenommen Referat beleuchtet. Nach demselben wird die Sitzung um 2,/4 Uhr geschloffen. Am zweiten Sitzungstage beginnen die Verhandlungen um 9 Uhr mit der Debatte über die gestern eingeleitete Erklärung ad II. Hier waren die Geister noch in höherem Grade als bei der Erklärung ad I geneigt, auf einander zu platzen. Da jedoch „jeder religiöse Differenzpunkt von der Discussion ausgeschlossen war", brachen die Wogen der Rede sich regelmäßig an dem Fels der Geschäftsordnung, so daß nicht Einer der zahlreich gehörten Redner sich rühmen konnte, daß seinem Vortrage nicht ein vorzeitiges Ende bereitet wurde. Als Mitglied der Commission beantwortete Feilchenfeld (Schwerin) wiederholt die gestellten Fragen. Dann wird Abtheilung A. von a bis e unverändert, f von 1—3 mit Abänderung angenommen, g gänzlich gestrichen, die anderen Punkte werden erwogen, und schließlich wird eine Organisations-Commission aus Nord-, Mittel- und Süddeutschland gewählt, die im nächsten Jahre über ihre Wirksamkeit Bericht erstatten soll. Nach einer einstündigcn Pause wird über These HI — betreffend Bildung eines Verbandes der Rabbiner Deutschlands — in geheimer Sitzung verhandelt. Das Resultat der dabei vorgenommenen Wahl eines Ausschuffes ist den Mitgliedern nicht bekannt geworden. Zuletzt kam die Reihe an den mehrfach erwähnten Hildesheimer'schen Brief, deffen Beantwortung dem Präsidium überlassen wurde, welches erklärte, denselben, da er im Ganzen mild gehalten wäre, in versöhnlichem Sinne beantworten zu wollen. Lauter Beifall begleitete diese Friedensverheißung des ersten Präsidenten. Inzwischen füllte sich der Saal mit Zuhörern, die gekommen waren, der Schlußrede des Präsidenten beizuwohnen. Joel hielt dieselbe schwungvoll und würdig, und Goldschmidt (Leipzig) dankte dem Präsidium Namens der Versammlung „vom Feuer jugendlicher Begeisterung erfüllt." Mit einem dreimaligen Hochruf auf Se. Majestät den Kaiser schloß die Versammlung der Rabbiner Deutschlands. Der Stundenzeiger stand auf 3'/z Uhr Nachmittags. Dem Ernst im Sitzungssaal reichte der Frohsinn im Saal der „Gesellschaft der Freunde" die Hand, wo die Mitglieder der „Rabbinerversammlung", so weit dieselben nicht gleich nach Schluß der Verhandlungen in ihre Heimath abgereisi waren, Abends zu einem Festmahl sich vereinten, das ihnen zu Ehren ein Festcomitö unter dem Vorsitze des Herrn Moritz Heilmann veranstaltet hatte. Träger glänzender Namen auf den verschiedensten Gebieten des Lebens, deren die Gemeinde Berlins viele besitzt, nahmen an dem Festmahl Theil und feierten durch ihr zündendes Wort die Bestrebungen und Zwecke der Rabbinerversammlung; Sanitätsrath Marcuse begrüßte die Versammlung, Professor Steinthal toastirte auf die Rabbiner, Reichs- und Landtagsabgeordneter Ludwig Löwe sprach von dem Rabbinerstand im Zusammenhänge mit den politischen Zuständen der Gegenwart, Andere lehnten an

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