Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1884)
- Date
- 1884-06-17
- Page
- Seite 401 (sequence 13)
- Language
- German
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401 man: Die Familie des vor einigen Tagen in Brüssel verstor- 20 O00 Mk. zur Verkeilung an hiesige Wohlthätigkeits-Anbencn und hier beerdigten Herrn Joseph Oppenheim hat stalten ohne Unterschied der Confession überwiesen. Ieuilleton. Der Zug nach Jerusalem. Eine Erzählung aus alter Zeit. Eine große Freude war über ganz Judäa gekommen. Jubel ertönte in Jerusalem, in allen Städten des Landes bis in dessen entserntestcn Winkeln. Die Söhne des großen der Obstzucht in seltener Fülle gereift. Hatte daher schon die Getreideerndte in den ersten Monaten des Jahres alle Scheuern und Speicher angefüllt, so ging das Einsammeln der Datteln, der Oliven, der Feigen, des Weines und vieler anderen Früchte mit außergewöhnlichem Ertrage vor sich. Hasmonäers Simon, des wahren Befreiers seines Volkes,! Nicht allein die Bedürfnisse des Landes waren auf längere Juda und Jochanan, der letztere später als Johann Hyrkan'Zeit gedeckt, sondern man gedachte auch, große Massen des bekannt und vielgepriesen, hatten den syrischen Feld Herrn! Getreides und der Früchte zur Ausfuhr nach den Märkten Kcndcbäus bei der Stadt Azotus auf's Haupt geschlagen und von Tyrus zu bringen und dafür Waaren aller Art, ja sohierdurch die Angriffe des syrischen Königs Antiochus nach- 1 gar Gold und Silber einzutauschen. Ta war es nicht zu drücklich abgcwehrt. Der Frieden und die Selbständigkeit! verwundern, daß man sich im ganzen Lande rüstete, nach den des jüdischen Volkes erschienen hierdurch für immer gesichert. Vorschriften des Gesetzes, die in den Zeiten der Knechtschaft Das Volk hatte in einer großen Versammlung, bestehend aus und der kriegerischen Unruhen so oft unbefolgt hatten bleiben der „großen Synagoge der Priester, den Vornehmsten des müssen, nach Jerusalem zu wallfahren und die rechtzeitig Volkes und den Aeltesten des Landes, am 1*. Ellul im i bezeichnten Erstlinge der Früchte zum Heiligthume zu bringen, dritten Jahre der Hohenpriesterschaft Simon's, diesen zum In einem kleinen Seitenthale des Gebirges Ephraim Fürsten wie zum Hohenpriester gewählt und in seine Hände z lag versteckt und fern von der Heerstraße ein Dörfchen, ans die Regierung des Landes gelegt, auch dieselben Würden seiner Nachkommenschaft in gerader Linie zugesichert. Es geschah dies ungefähr zwei Jahrhunderte vor der zweiten Zerstörung Jerusalems. Diese Wahl wurde auf kupferne Tafeln ein gegraben und als Anerkennungsakte in der Vorhalle des Tempels aufgehängt, sowie eine Abschrift im Archive niedergelegt. Judäa hatte hiermit über alle seine mächtigen Feinde triumphirt und zugleich eine geordnete Verwaltung, kundige Führer der bewaffneten Macht und eine nach wenigen wohlgebauten Häusern bestehend. Tie nächsten Hügel, welche das Torf umgaben, waren am Fuße zu Ackerfeldern verwendet, auf ihren sanften Abhängen und ihren runden Höhen dicht mit gutgepflegten Obstbäumen aller Art bestanden. Hinter ihnen stiegen höhere Bergrücken auf, die mit dichter Waldung gekrönt waren. Von einem derselben stürzte ein Bach herab, der im Winter oft genug hoch augeschwollen tosend durch das Thal rann, während er jetzt beim Nahen des Herbstes nur leise murmelnd über und um dem alten väterlichen Gesetze geordnete Freiheit erlangt. Das das Steingerölle rieselte, das er vom Gebirge herabgewälzt. Bewußtsein dieser großen Erfolge schwellte jedes Herz mit . Es war dies die Quelle des lieblichen Flusses Kana, der Freude und mit Dank gegen die göttliche Lenkung der Genach Westen durch breite Landschaft zum Mittclmccr str'ömt. schicke, welche am Rande des Abgrundes dem Volke begeisterte Unter den Hausern des Dorfes machten sich besonders zwei und begeisternde Führer geweckt hatte, und den Schwachen bemerklich, die einander gegenüber am rechten und linken den Sieg über die Starken, kampfunkundigen Scharen über Ufer des Baches standen und nur durch einen schmalen höl gewaltige, kriegserfahrene Heere verliehen. Man wußte jetzt,' zernen Steg mit einander eine Verbindung hatten. Sie worauf man sich in den Stürmen der Geschicke zu stützen waren in ihrem unteren Stockwerk aus Stein gebaut, im hatte: auf Gott und die eigene Kraft. Doch wuchs diese oberen aus Holz gezimmert, frisch übertüncht und mit mancher- Zuversicht durch die Anerkennung als selbständiges Volk lei Schnitzwerk geziert. Ihre Bewohner mußten nach dem seitens des Senats von Rom, das die Herrschaft seiner; Maßstabe der dortigen Verhältnisse wohlhabend und seit alter Waffen schon damals in Asien fühlbar machte. Wie es immer in der Geschichte der Völker wie im Leben der einzelnen Menschen zu gehen Pflegt: ein glückliches wie ein unglückliches Ereigniß kommt nicht allein. Zu diesem lang ersehnten Frieden hatte sich ein Jahr des reichsten Erndtesegens gesellt. Regengüsse zur rechten Zeit und Sonnenwärme zur rechten Zeit hatten nicht blos die Felder mit dem üppigsten Getreidewuchs überzogen, sondern auch alle Arten Zeit im ruhigen Besitz ihrer Familiengüter gewesen sein. Tie kleinen Blumengärten, die sich den Häusern anschlossen und zu den Obstanpflanzungen auf die Lehne der Hügel führten, gaben Zeugniß, daß man sich nicht auf das "Nützliche beschränkte, sondern auch das Angenehme und Erheiternde pflegte. Wir bemerkten, daß nur ein schmaler Steg die beiden Ufer verband. Aber auch dieser ward nur selten betreten. Wenn auch das Dorf weit ab vom Markte und Ge-