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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-17 · Heft 25 (17.6.1884) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 25 (17.6.1884)
Date
1884-06-17
Page
Seite 400 (sequence 12)
Language
German
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von abermals unzähligen Familien herbeigeführt wird. Sol wurden ganz kürzlich auch aus dem Poniewesch'schen Kreise, > Gouvern. Kowno, einige hundert jüdische Familien aus ihren! Heimathsortcn, wo sie noch einigermaßen ihre karge Existenz | finden konnten, nach den Städten verwiesen, und werden die-! selben, in Ermangelung aller andern Erwerbsquellen, j (Kontingent der Proletarier nur noch vergrößern. Es ist daher gar kein Wunder, wenn Angesichts dieser traurigen Situation, in welcher sich gegenwärtig unsere Glaubensgenossen befinden, und in Anbetracht dessen, daß vorläufig auch für die Zukunft noch keine irgendwie bessere Aussichten vor-! Händen sind, die sogenannte Emigrationsidee immer festern Fuß faßt und die Zahl der Auswanderer nach Amerika und Palästina immer größere Dimensionen annimmt. Die Neigung der Masse ist aber ohne Zweifel nach Palästina hin, für welches sogar der größte Theil unserer intelligentesten Jugend aufgetreten ist, — derjenigen Jugend, welche sich noch vor einigen Jahren kaum als Juden fühlte, die aber die Ereignisic der letzten Zeit der väterlichen Religion wieder zusührte. Zwar ist in der allerletzten Zeit ein sehr bedeutendes Hinderniß auf diesem Wege entstanden, indem durch eine Anordnung der Pforte die fernere Ansiedelung von Kolonisten strengstens untersagt ist; man hofft aber allgemein, daß diese Hemmung sich baldigst beseitigen lassen wird, da unser Ministerium des Aeußern durch den russ. Gesandten in Konstantinopel zur Beseitigung derselben gegenwärtig die nöthigen Schritte thut, was natürlich auch als eine indirecte Einladung der Regierung zum Emigriren angesehen wird. H. B. Lemberg, 4. Juni. Aus Warschau wird den polnischen Blättern gemeldet, daß seit letzterer Zeit die Auswanderung der Juden aus Lithauen und Congreßpolen nach Amerika immer größere Dimensionen annimmt. In den Gouvernements Grodno, .Nowno, Petrokow, Warschau und Lomzyn herrscht unter der jüdischen Bevölkerung eine förmliche Emigrationswuth; nicht nur unbemittelte Handwerker-Familien , sondern auch vermögende Kaufleute bethcitigen sich an dieser Bewegung. Aus der Ortschaft Szuwalki allein emigrirten in den verfloffenen Wochen vier Hundert Juden. Bonn, 8. Juni. (Notizen.) In Berlin verschied der Justizrath Anton Levin, ein Mann, der nicht blos als Jurist, sondern auch durch seine Bestrebungen für humanitäre Zwecke die allgemeinste Achtung genoß. Sein Leichenbegängniß fand am 2. d. auf dem jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. Die „B. Z". berichtet darüber: Eine sehr zahlreiche Schar von Leidtragenden hatte sich eingesunden; neben' bekanntesten Vertretern des Anwaltsstandes, den Justizräthen Heilborn, Lesse u. A., der Landgerichtsdirector Reich, die Stadträthe Wolff und Mamroth, Julius Stettenheim, die Geheimen Commerzienräthe Liebermann und Mendelssohn u. s. w. Der Sarg, der von persönlichen Freunden des Vollendeten zur Friedhofshalle getragen wurde, war fast begraben unter Kränzen und Palmenzweigen, die ihm die Liebe und Freundschaft auf das Grab legte. Die jüdische Gemeindevertretung, der Verein für die Geschichte Berlins, die Gesellschaft der Freunde, das Lehrercollegium des Köllnischen Gymnasiums, das durch den Profeffor Br. Pappenheim und den alten Lehrer des Hingeschiedenen, Prof. Dr. Selkmann, vertreten war, die Freimaurerloge Royal-Iork, die u. A. durch den Prof. Br. Worgitzky vertreten war, die Burschenschaft, welcher der Hingeschiedene angehört hatte und die durch Prof. Br. Brugsch, Rechtsanwalt Max Wegner, Prof. Br. Simon, Amtsgerichtsrath Friedberg und den Chefredacteur dieser Zeitung vertreten war und noch andere Vereine und Corporationen, mit denen der Verewigte theils durch seine Berufspflichten, thcils durch seinen Sinn für humane Bestrebungen in Beziehung gestanden, hatten Kränze geschickt, so das Köllnische Gymnasium, dem der Verstorbene bis zu seinem Tode in treuer und dankbarer Liebe anhing, durch den Director nebst zwei Oberlehrern. Nach dem Gesänge des Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" hielt Rabbiner Bo. Frankl die Gcdächtnißrede. in der er in warmen Worten die Verdienste und den Werth des Verstorbenen würdigte, worauf die Beisetzung erfolgte. — Aus Charlotten bürg bei Berlin schreibt man vom 4. Juni: Gestern Vormittag II Uhr wurde der Stadtälteste, frühere Stadtrath, Stadtverordneten-Vorsteher und Stadtverordneter von Charlottenburg, Louis Moll, auf dem jüdischen Friedhofe an der Schönhauser Allee zu Berlin zur letzten Ruhe bestattet. Hunderte von Charlottenburger Einwohnern hatten sich eingefunden, um dem Dahingcschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Magistrat und Stadtverordnete waren fast vollständig erschienen. Auch die Stadt Glogau, um die sich der Verstorbene sehr verdient gemacht hat, war durch eine Deputation bei der Trauerfcier vertreten. Nach dem Gesang des Liedes „Es ist bestimmt" hielt der israelitische Geistliche aus Glogau die Gedächtnißrede. Nach ihm hob Bürgermeister Fritsche aus Charlottenburg in einer Ansprache die Verdienste des Verstorbenen um Charlottenburg sowie seine Charaktereigenschaften, die ihm überall, wo er gewirkt, nur Freunde gewonnen hätten, hervor. Nachdem hierauf die rituellen Gebete gesprochen, setzte sich der Zug unter Quartettgesang zur Gruft in Bewegung. Hier schloß ein kurzes Gebet und die Einsegnung der Leiche die Trauerfeier. Aus Wien wird geschrieben: Der Fabrikant Pollak von Rudie, der Gründer der Rudolfinum-Stiftung für Studirende, ist am 1. Juni zu Baden im Alter von 68 Jahren gestorben. — Aus Frankfurt a. M. schreibt

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