Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1884)
- Date
- 1884-06-17
- Page
- Seite 397 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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397 Wahlbewegungen in Ungarn ansah, scheinen sie sich doch nicht Dem Verlangen der Vertheidigung — auch ein Jude hatte abspielen zu wollen. Es liegen uns sehr zahlreiche Berichte die Vertheidigung übernommen — um einstweilige Entlassung aus allen Theilen Ungarns vor, welche neuerdings eine ganz der in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten aus der stattliche Zahl antisemitischer Candidaten, die jetzt aus dem Haft, hat der Gerichtshof keine Folge gegeben. Hintergründe hervortreten, benennen, sowie auch, daß bereits Die Behörden werden mit der Bestrafung der antisemian mehreren Orten blutige Zusammenstöße zwischen den Partischen Unruhestifter noch lange zu thun haben; noch sind die leien stattgefunden. Die Regierung denkt daher daran, so vorjährigen Krawalle seitens des Strafgerichts nicht erledigt viel Militärmacht über das ganze Land zu vertheilen, wie und schon sind neue zu befürchten. So lesen wir in „Ny. ihr zu Gebote steht, die jedoch nicht hinreichen möchte, alle Lap.": In Folge eines gestern aus Szenitz eingelangten Be- Ausschreitungen zu verhindern und zu unterdrücken. Der richtes, wonach die Aufregung dort schon die höchste Potenz Raum gestattet uns nicht, von diesen Notizen weitere Kennterreicht hat und der Ausbruch antisemitischer Kravalle jeden niß zu geben, noch dazu, da es uns ja nur erst auf die Augenblick zu befürchten steht, hat der Obergespan beim Mischließlichen Wahlresultate selbst ankommen kann. nister des Innern um Entsendung des in Waag-Neustadt be- Wien, 4. Juni. (Privatmitth.) Vorige Woche fand findlichen Militärs nach Szenicz auf telegraphischem Wege im VI. Bezirke hier, der sich stets durch seinen Freisinn ausangesucht und ist noch gestern in Begleitung des Bicegespans zeichnete, die Wahl eines Reichstagsabgeordneten statt, und dorthin gereist, um persönlich die drohenden Exceffe niederes kostete Mühe, den Candidaten der Antisemiten zu bekämpfen, zuhalten, eventuell die erforderlichen Maßregeln zur Untcrwie Sie bereits berichteten. Nun ist es wahr, daß er einen drückung derselben an Ort und Stelle zu treffen. Es wurgroßen Theil der Stimmen nur einer Verkettung von Um-! den die Richter und Notare sämmtlicher Gemeinden des Beständen verdankt und daß thatsachlich viele, die Gegner der zirkes nach Szenicz beordert, wo sie der Obergespan für jeden Antisemiten sind, für diesen stimmten, um der vereinigten J in ihren Gemeinden vorkommenden Exceß persönlich verant- Linken im Abgeordnetenhause und gewiffen Journalen, die I wörtlich machen wird. — Das Uebel nimmt in der slavischen keine reinen Hände haben, einen Tort anzuthun — aber! Gegend viel stärkere Dimensionen an, als man geglaubt früher wären alle diese Gründe doch nicht maßgebend ge-Chatte, denn Panslavismus und Antisemitismus reichen sich wesen, und man hätte sich geschämt, der Flagge eines Anti-! die Hände, um gemeinschaftlich ihre destructiven Zwecke zu semiten zu folgen. l erreichen. So soll morgen auch Jstoczy in Szakolcza ein- — Bor dem Schabuotfeste fand in den beiden Gottes-! treffen und dort gegen den Candidaten der liberalen Partei Häusern der Gemeinde nach langer Zeit wieder die Consir-! auftreten. mationsfeier statt. Ich kann nicht sagen, daß sie sich in Be-! Pest, 1. Juni. (Privatmitth.) Während der gestrigen treffder Confirmandinnen — es wurden blos Mädchen consir-; Anwesenheit des Königs in Oedenburg machte auch eine mirt — mit jenen, wie sie unter dem sel. Mannheimer Deputation der dortigen israelitischen Gemeinde ihre Auf stattfanden, meffen kann, da damals Töchter der ersten Fami- Wartung. Auf die Ansprache des Dr. Winkler, der als Gelien der Gemeinde confirmirt wurden, während dieses Mal meinde-Borsteher die Deputation führte, erwiderte Se. Majestät: Kinder der obersten Zehntausend fast ganz fehlten; aber ge- „Seien Sie versichert, daß sich Meine königliche Gnade und wiß ist es, daß die Confirmation sowohl auf die Confirman- Mein Schutz aus alle Klaffen Meiner Völker ohne Unterschied den, wie auf die zahlreichen Gemeindemitglieder, die bei derder Confession ausdehnt, und indem Ich den Ausdruck Ihrer selben anwesend waren, einen bedeutenden Eindruck hervortreuen Anhänglichkeit gnädig aunehme, wünsche und erwarte brachte. Ich ebenso aufrichtig, daß der Friede und die brüderliche Wie ich vernehme, sollen die Probepredigten erst im Eintracht in Ihrem Kreise stets ausrecht erhalten bleibe und Herbst abgehalten werden. daß auch Ähre Glaubensgenoffen die Früchte ihres Fleißes Pest, den 1. Juni. (Privatmittth.) In der Affaire mit den durch die Gesetze gewährleisteten Rechten ungestört der Bichnyer und Peßerenyer antisemitischen Unruhen wurde genießen mögen." nach viertägiger Verhandlung gestern das Urtheil publicirt., Preßburg, 25. Mai. (Privatmitth.^ Tie gegen anti- Bon den Angeklagten wurden wegen des Verbrechens des semitische Schriftsteller cingeleiteten Preßprozesse, sobald sie Aufruhrs, bezw. der schweren körperlichen Verletzung, verurnach dem Gesetze vor Geschworenengeri chte gebracht wurtheilt: 1 zu 5 Jahren, 2 zu 4 Jahren, 2 zu 3',2 Jahren, den, haben hier zu Lande stets Freisprechung der Angeklagten 4 zu 2'/., Jahren, 2 zu 2 Jahren, 4 zu 1'2 Jahren, 3 zu zur Folge gehabt; so in Wien, in Pest, und heute auch in 1 Jahre, 3 zu 6 Monaten und 2 zu 4 Monaten Kerker Preßburg. In dieser Stadt freilich konnte man von vorn- und Amtsverlust von 0—3 Jahren. Sämmtliche Angeklagten, herein über diesen Ausgang nicht zweifelhaft sein. Denn so mit Ausnahme eines einzigen, meldeten die Berufung anweit man in der Geschichte znrückgeht, war Preßburg immer » 25