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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-17 · Heft 25 (17.6.1884) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 25 (17.6.1884)
Date
1884-06-17
Page
Seite 395 (sequence 7)
Language
German
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Aussprüche der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit gegen alle Menschen als die einzig richtigen und gültigen mit den beredtesten Worten gelehrt haben. Die Beweise hierfür sind in vielen, auch in deutscher Sprache verfaßten Schriften Jedermann zugänglich, wie denn auch der Talmud selbst in französischer und deutscher Uebersetzung theils schon erschienen ist, theils erscheint. Dr. Ludwig Philippson. In demselben Blatte erschien übrigens auch folgende Erklärung: In dem Referat Ihres heutigen Morgenblattes befinden sich mehrere so wesentliche, allerdings für einen Nicht-Fachmann leicht begreifliche, Mißverständnisse meiner Worte, daß ich dafür alle Verantwortlichkeit ablehnen muß. (S. Bericht in nächster Nr.) Pros. Gildemeister. Leipzig, 5. Juni. (Privatmitth.) Eine der best verwalteten jüdischen Gemeinden ist die zu Leipzig, wie auch aus dem eben ausgegebenen Vcrwaltungsberichte des Vorstandes für das Jahr 1883 wiederum zu ersehen ist. Die guten Traditionen, welche von den sel. Kohner und Nachod dem gegenwärtigen Vorstände, an dessen Spitze Herr Alexander Werthauer steht, überliefert worden, werden von letzterem mit voller Kraft weiter entwickelt. Tic Gemeinde besteht jetzt aus 293 stimmberechtigten Mitgliedern. Es fanden 1883 85 Geburten und 61 Todesfälle statt, was einen sehr ansehnlichen Ueberschuß der ersteren giebt. In dem Kapitel über die Thätigkeit des Vorstandes und der Verordneten erkennt man eine fortwährende Weiterbildung der Gemeindeeinrichtungen, wenn auch die Einzelnheiten kein allgemeines Interesse haben. Hervorzuhcben ist, daß Gebühren bei Trauungen und zwar auch solcher Brautpaare, deren beide Theile hier fremd sind, nicht mehr erhoben, sondern nur die Auslagen erstattet werden. Die Religionsschule wurde von 314 (165 Knaben und 149 Mädchen) unentgeltlich besucht. Tie Unterrichtsstunden in fünf Klassen finden statt: Sonntag Vormittags von 8—12 Uhr, Mittwoch Nachmittags von 2—6 Uhr und Samstag Nachmittags von 2 — 5 Uhr (also ganz nach der Einrichtung, die wir vor 50 Jahren bei der Begründung der ersten Religionsschule getroffen. Redakt.). Recht energisch wird gegen Schulversäumniß eingeschritten. Dem Berichte ist der Lectionsplan für die letzten beiden Halbjahre beigegeben. Wir gestehen jedoch, daß uns derselbe nicht ganz befriedigt hat. Als Lehrgegcnstände in allen Klassen sind nur biblische Geschichte und hebräisch Lesen und Uebersetzen angegeben. Von eigentlicher Religionslehre, die gewiß unentbehrlich ist, von nachbiblischer Geschichte, Liturgie, wir meinen die Lehre von den Festen und deren Bedeutung, sowie von allem, was sich ans den Kultus bezieht, sehen wir in dem Lehrplan nichts. Auffallend ist auch die Angabe, daß zwölf Eonstrmandinnen bcsondern Religionsunterricht erhielten: warum gar keine Knaben? Die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde beliefen sich in Bilanz aus Mk. 39 544. Eine ganz treffliche Einrichtung hat der Armenverein, sowie sich die Gemeinde überhaupt durch 21 wohlthätige Vereine und Stiftungen, die ziemlich gut dotirt sind, auszeichnet, darunter besonders die Nachod-Stiftung, für welche der verstorbene Philantrop Mk. 120 000 hinterließ. ' Aus ihr werden Unterstützungen für die Miethe, an achtbare Durchreisende, an jüdische Studirende, an Religions- und Elementarlehrer in kleinen Gemeinden, ein Beitrag von 2000 Mk. zu Zwecken des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes u. s. w. geleistet, mit einem jährlichen Aufwande von 8280 Mk. Eine solche Gemeinde kann wohl als Vorbild für viele andere dienen. Neusteltin, 2. Juni. Am letzten v. M. ist nunmehr den wegen Theilnahme an den letzten hier vorgekommenen antisemitischen Ausschreitungen zur Untersuchung gezogenen Personen die Anklageschrift ausgeantwortet worden. Die Anklage stützt sich aus § 125 des Reichsstrasgesetzbuchs und beschuldigt fünf der Angeklagten des Landsriedensbruchs und zwei derselben der Rädelsführerschast dabei. Die Sache kommt in der bevorstehenden Schwurgerichtsperiode in Cöslin zur Verhandlung. Seesen, 25. Mai. (Privatmitth.) Der jüngst erschienene Bericht der Jacobson-Schule über die Schuljahre 1882,84 ist von ganz besonderem Jntereffe und verdient allseitigc Beachtung wegen des beigegebenen reichhaltigen statistischen Materials zur Geschichte der Anstalt von Michaelis 1802 bis Ostern 1884. Frühere Verhältnisse sind theilweise umgestaltet worden; das von den früheren Directoren mit treuer Hingebung geförderte Werk ist mit muthiger Ausdauer und energischem Handeln sortgesührt, unbekümmert um mißliebige Beurtheilungen, von welchen Aenderungen in bestehenden Einrichtungen und Verhältniffen ja leider nicht immer verschont bleiben, wie um hämische Verleumdungen sogenannter Frommen. Die früher kündbaren Lehrerstellen sind schon seit längerer Zeit in definitive und penfionsberechtigte umzewandelt und besser dotirt. Die Gehälter entsprechen im Wesentlichen dem von der Preußischen Regierung für ähnliche Anstalten festgesetzten Normaletat. Die Zahl der Freistellen, welche ohne Rücksicht aus Consession nur nach Würdigkeit und Bedürftigkeit der Betreffenden vom Curatorium verliehen werden, ist bei zunehmender Frequenz der Anstalt auf 40, die der Halbfreistellen auf 20 erhöht worden. Einer größern Zahl der Stadtschüler ist das Schulgeld ermäßigt oder ganz erlaffen. So zahlten im letztverflossenen Schuljahre von den 88 Stadtschülern 20 kein Schulgeld, 18 das halbe. Tie Schule, welche nach dem ursprünglichen Plane für den Stand des Handwerkers, des Technikers, des Landwirths und des Kaufmanns eine genügende Ausbildung geben, doch

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