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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-17 · Heft 25 (17.6.1884) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 25 (17.6.1884)
Date
1884-06-17
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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393 mit völligem Schweigen übergehen würde. Freilich sucht die Privatwchlthätigkeit das Loos der armen Hausirerfamilien so viel als möglich zu mildern, und hat namentlich der schwedische Konsul in Braila, Herr Mendel, durch einen Aufruf zur Unterstützuug der brodlos gewordenen Familienväter ein nachahmungswürdiges Beispiel gegeben. Doch ist die Frage, um welche cs sich handelt, eine solche, daß sie auch die Aufmerksamkeit weiterer Kreise zu erregen völlig geeignet ist. — Dieser Bericht erwähnt selbst jener Bedingung der Berliner Congreßmächtefür die Anerkennung Rumäniens. Aber unvergessen wird es bleiben, daß dieselben Congreßmächte sich um die Erfüllung dieser Bedingung gar nicht gekümmert haben, und zwar Oesterreich-Ungarn voran, die Anerkennung ausgesprochen, obschon sie bereits wußten, daß die Rumänen ganz offen der Bcdingungsklausel Hohn sprachen. — Die volle Bestätigung des obigen Artikels erhalten wir durch eine Correspondenz aus: Bottuschan, 1. Juni 1884. Durch das mit der größten Strenge bereits vollzogene Hausirgcsetz, welches eigens für die hierländischen Israeliten geschaffen worden, sind abermals über 20000 israelitische Familien total ruinirt und an den Bettelstab gebracht worden. In jeder Stadt ist es markerschütternd, das Jammergeschrei von hunderten solcher Unglücklichen anzuhören, und als wäre dieses barbarische Verfahren bis jetzt noch nicht genug, brüten unsere Feinde schon darüber, neue Drakonische Gesetze zu erlaffcn. Wer soll sich denn über unsere harte Verfolgung erbarmen, wenn Europa Alles dies sieht und — schweigt? Heißt es nicht den Mächten hohnsprechen, wenn die ganze Zeit hindurch, vom Berliner Vertrage bis jetzt, von einer Anzahl von 300000 Israeliten, nur 58 das Jndigenat bekommen haben, und auch diese selbst erst mit sehr schwerem Gelde? Und doch glaubt man schon mit dieser kleinen Zahl Europa blenden zu können, und ihm vorzuspiegeln, daß man dem Berliner Vertrage zur Genüge nachgekommen sei! Leidet denn der Staat nicht selbst durch den Ruin von so vielen nützlichen Menschen, die bis jetzt durch ihre Han delsthätigkeit den Staatssäckel mit ihrem Steucrbeitrag bedeutend füllten? Sollen das die Trophäen der erlangten Unabhängigkeit der Rumänen sein, daß sie 300000 nützlichen Landeseingeborenen, weil sie isr. Glaubens sind, ihre Eristcnz mit einer unerhörten Willkür abschneiden? Wenn die Legislative mit ihren Berfolgungsgesetzen eine so werthvolle Triebkraft ihres Landes mit beharrlichem Muthwillen bricht, untergräbt sie nicht selbst, wie sie deutlich aus der Geschichte lernen dürfte, dessen Zukunft? Mit großer Wehmuth verlassen daher fast jede Woche Hunderte von Familien ihr Geburtsland, zu dessen Aufblühen und Gedeihen, in Handel und Industrie, ihre Eltern und Borahnen mit Gut und Blut soviel beigetragen haben, und die jetzt dennoch einer so himmelschreienden Verfolgung ausgcsetzt sind. Sie suchen daher, in humaneren Ländern sich eine neue Heimath zu gründen. O! mögen die Rumänen noch bei Zeiten von dem Irrwege, auf welchen sie gerathen sind, zu ihrem eigenen: Heile Umkehr machen und sich würdig zeigen, einen Ehrenplatz unter den civilisirten Staaten cinnehmcn zu dürfen Tei l'mvcpuacfj vi c p Xcxx. Deutschland. Berlin, 5. Juni. (Privatmitth.) Wir haben bereits Berlin, 4. Juni. (Privatmitth.) Die Eröffnung der j bemerkt, daß Stöcker im zweiten Berliner Wahlkreise bei den fünften Rabbincrversammlung fand heute in würdigster Weise bevorstehenden Reichstagswahlen candidiren wird, jedoch von statt. Anwesend waren 68 Rabbiner aus allen Thcilen des | Sozialisten mit Hohn zurückgewicsen worden. Schlimmer deutschen Reiches. Zu Vorsitzenden wurden Joel (Breslau) noch ergeht es dem Adepten des Herrn Stöcker, dem Pros, und Bamberger (Königsberg) und zum Bicevorsitzenden Adolf Wagner, der von der conservativen Partei, welcher er Ungcrlcider (Berlin), sowie zu Beisitzern Landau (Dressich gegenwärtig zuzählt, abgelehnt wird. Derselbe wurde den) und Wassermann (Stuttgart) gewählt. In der treffvon dem „Verein reichstrcuer Wähler" — den Namen hat erlichen Ansprache, welche Joel an die Versammlung richtete, sich natürlich selbst verliehen — im ersten Berliner Wahlhob er hervor, daß Sie, Herr Redacteur, in dem Sinne und kreise aufgestellt. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, er- Geiste gewirkt hätten und wirken, welcher in der Versammläßt das conservative Agitationscomit^ eine Erklärung, wolung lebe. Die bereits veröffentlichte „Erklärung" wurde nach genannter Vorstand nicht befugt sei, eine solche Proklamit unwesentlichen Veränderungen angenommen und dann mirung zu vollziehen; dieselbe gebühre vielmehr den Wählern zur Berathung des zweiten Gegenstandes der Tagesordnung und werde in öffentlicher Versammlung, rcpräscntirt durch das geschritten. Ncbrigens werden stenographische Berichte her- C. C. C. und das Agitationscomite, in den nächsten Tagen gestellt, welche nach ihrem Erscheinen Ihnen sofort zukommen erfolgen. werden. (Siehe Bericht in der nächsten Nummer.) Berlin, 5. Juni. Wir haben bereits über den Special-

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